06.10.2022

Wahlhelferdaten? Nein. Doch! – Oh!

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto von Cyrus Crossan
Am 3.10.2022 schimpfte New York Times auf »Wahl-Leugner« und deren böse Lügen, wonach die Firma Konnech die Daten von US-Wahlhelfern in China lagert. Am 4.10.2022 wurde der Chef jener Firma verhaftet. Ratet mal, was der Verdacht ist!
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Wie nennt man die Zeiteinheit zwischen »rechte Verschwörungstheorie« und »lapidare Meldung«?

Könnte man sie »Nein! Doch! Oh!« nennen? 2019 schrieb ich ja einen Essay mit dem Titel »Nein! Doch! Oh! – die Überschrift, die heute über fast jede Nachricht passt« – dieser Titel ist heute weiterhin erfrischend aktuell. Nur die Liste der »überraschend« wahrgewordenen Verschwörungstheorien ließe sich erweitern.

Alles lupenrein

Bis zum heutigen Tage behaupten jene, welche »die Wahrheit« und »das Gute« für sich pachteten, dass die US-Wahl 2016 von Russland gehackt war. Und die alten Texte, wonach US-Wahlmaschinen potenziell für Betrug anfällig sind, sind noch immer online (etwa wired.com, 2015; wired.com, 2019; scientificamerican, 2018).

Doch nur die eine US-Wahl 2020, bei welcher 81.283.098 Amerikaner angeblich einen senilen, grabschenden, rassistischen Greis zum Präsidenten wählten, und dazu eine peinliche, bösartige, aber »gerade-noch-so-diverse« Vize-Präsidentin gewählt haben sollen, nur bei der einen Wahl soll alles lupenrein verlaufen sein.

Schwirrende Gerüchte

Eine Firma namens »Konnech Inc.« stand in der letzten Zeit in besonderem Fokus jener kritischen Zeitgenossen, welche interessierte Kreise eben »rechte Verschwörungstheoretiker« nennen.

Die Firma Konnech ist spezialisiert unter anderem auf Software, mit welcher man Wahlhelfer verwalten kann (konnech.com). Zu den Kunden zählen Städte und Counties in den USA wie etwa Los Angeles.

Klar, zynische Zeitgenossen denken hier an jenes angebliche Bonmot, wonach nicht entscheidend sei, wer wählt, sondern wer auszählt. Diese böse Weisheit ist hier aber nicht relevant, denn es wurde angeblich von einem Russen gesagt, und der Chef der Firma Konnech, Eugene Yu, ist nicht in Russland geboren, sondern in China, und die Firma unterhält nicht Verbindungen zu Russland, sondern zu China.

Schon länger schwirren im Internet böse Gerüchte herum, dass Konnech die Daten der Wahlhelfer in China speichert, was technisch nach mancher Expertenmeinung fast genauso gut ist, wie sie direkt an die Kommunistische Partei Chinas zu mailen.

Unter anderem die Initiative »True The Vote« hatte auf mögliche Interessenkonflikte von Konnech hingewiesen – und wurde für ihre Methoden bei der Wahrheitsfindung von Konnech verklagt (texastribune.org, 14.9.2022).

Am 3. Oktober 2022 schimpfte die berüchtigte New York Times über all diese Verschwörungstheorien, welche zuletzt geäußert worden waren:

Using threadbare evidence, or none at all, the group suggested that a small American election software company, Konnech, had secret ties to the Chinese Communist Party and had given the Chinese government backdoor access to personal data about two million poll workers in the United States, according to online accounts from several people at the conference. (nytimes.com, 3.10.2022(€))

Zu Deutsch etwa:

Mit fadenscheinigen Beweisen oder ganz ohne Beweise schlug die Gruppe vor, dass eine kleine amerikanische Wahlsoftwarefirma, Konnech, geheime Verbindungen zur Kommunistischen Partei Chinas hatte, und dass sie der chinesischen Regierung durch Hintertür-Zugang zu persönlichen Daten von etwa zwei Millionen Wahlhelfern in den Vereinigten Staaten verschafft hatte, so berichteten online mehrere Personen von der Konferenz.« (nytimes.com, 3.10.2022(€), Übersetzung aus dem Englischen)

Wenn die Zeiteinheit »Nein! Doch! Oh!« etwa einem Tag entspricht, dann können wir sagen, dass dieselbe Zeitung genau ein »Nein! Doch! Oh!« später die Verhaftung des Konnech-Chefs Eugene Yu meldete (nytimes.com, 4.10.2022(€); frei lesbar: npr.org, 5.10.2022) – und zwar aufgrund eines Verdachts, der ziemlich genau in die politisch-geographische Richtung weist, in welche auch »Verschwörungstheoretiker« zeigten.

Leugner, überall

Jene Menschen aber, welche der Firma Konnech vorwarfen, was der Staatsanwalt nun deren Chef vorwirft, werden vom New-York-Times-Journalisten Stuart A. Thompson weiterhin tapfer mit dem Talking-Point »Election Deniers« beschimpft, also »Wahl-Leugner«.

Die New York Times wird zu ihrer eigenen Parodie: Wenn du Kritik an einer Methode anmeldest, dann »leugnest« du angeblich den Gegenstand dieser Methoden.

Wer auf die CO₂-Bilanz von E-Autos hinweist, oder darauf, dass nachts bei Windstille der Öko-Strom leider ausgeht, der gilt als »Klima-Leugner«. Und wer darauf hinwies, dass es Schwachstellen bei Wahlcomputern und dem US-Briefwahl-System gibt, der gilt als »Wahl-Leugner«.

Doch selbst in einem Artikel, der zugeben muss, dass jemand festgenommen wurde, und zwar unter einem Verdacht, der ziemlich genau den Vorhersagen einer Gruppe von Leuten entsprach, diese noch immer stur als »Leugner« des Gegenstands selbst bezeichnet werden.

Ja, ich weiß, dass ein Angeklagter bis zur Verurteilung als unschuldig gilt. Allerdings hat der Staatsanwalt von Los Angeles, George Gascón, explizit berichtet, dass relevante Daten auf Servern in China gefunden wurden (da.lacounty.gov, 4.10.2022: »information was stored on servers in the People’s Republic of China.« – zu Deutsch etwa: »Informationen wurden auf Servern in der Volksrepublik China gespeichert«).

Selbst wenn der Konnech-Chef sich als unschuldig herausstellt (präziser: wenn er freigesprochen wird), und selbst wenn diese ganze Firma unschuldig sein sollte, so scheint doch festzustehen, dass etwas passierte, das nah an dem ist, wovor die bösen »Wahl-Leugner« warnten. Chinas Leute könnten nun, wenn China mag, vielen Tausend US-Wahlhelfern einen Hausbesuch abstatten. (Hunter Biden, Joe Bidens Sohn und dazu Connaisseur teurer Drogen und Prostituierten, kann ja vielleicht mit einem entsprechenden »Dossier« mehr Licht in die Sache bringen; er pflegt(e) ja viele Millionen Dollar umfassende Beziehung nach China; siehe washingtonpost.com, 30.3.2022.)

Immer zuerst

Die Lehre aber aus dieser Geschichte ist denkbar simpel: Liebe Leser, lasst uns auch weiter auf unser »informiertes Bauchgefühl« vertrauen.

Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst – und dann (!) vertraue auf deine Intuition. Es dauert immer kürzer bis zum: »Nein! Doch! Oh!«

Natürlich kann auch dein informiertes Bauchgefühl falsch liegen. Prüfe also auch dein Bauchgefühl!

Jedoch, du bist kein Journalist, also hast du einen wichtigen kognitiven Vorteil: Du darfst von den vorliegenden Fakten auf die plausibelste Erklärung schließen, statt nur auf die von oben gewünschte Erklärung.

Du bist freier als ein Journalist, und also kannst du wahrhaftiger sein.

Du bist kein Journalist, also darfst du dich frei deines Verstandes bedienen!

Es kann und wird passieren, dass die Schlussfolgerung deines Verstandes vom großen Narrativ abweicht. Dein Bauchgefühl ist der Vorschlag deines Verstandes auf die im Augenblick rationalste These. Wenn du aber gut informiert bist, und wenn du deine Informationen geprüft hast, dann kann dein Bauchgefühl dein ehrlichster Freund sein.

Nun, wir sehen ja, was sich täglich neu bewährt: Wenn deren Narrativ und dein Verstand sich uneins sind, vertraue immer zuerst deinem Verstand – und im Zweifel deinem Bauchgefühl.

Weitermachen, Wegner!

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