8.12.2017

Denkt in „Formeln“ – es ärgert „die da oben“!

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto: Jeffrey Blum
„Faktenblobs“ sind das Gegenteil von Selberdenken – das Denken in „Formeln“ ist ein effektiver Weg, „Faktenblobs“ anzustechen und dabei „die da oben“ zu ärgern.
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Gibt es „die da oben“ wirklich? Ist jeder, der von „denen da oben“ redet, automatisch ein Verschwörungstheoretiker? – Lassen Sie mich darlegen, wen ich mit „die da oben“ meine und warum das Denken in Formeln „die da oben“ so schön ärgert.

Die da oben, wir hier unten?

Es ist eine simple Wahrheit, dass die von Meinungsmachern vertretene Meinung nicht automatisch deckungsgleich mit der Meinung der „einfachen Menschen“ ist.

„The published opinion is not always the public opinion.“
– Guido Westerwelle

Dass ein Meinungsmacher eine qualitativ andere Meinung vertritt, als jene, deren Meinung „gemacht“ wird, ergibt sich ja aus der Idee „Meinungsmacher“ selbst. Hätte er dieselbe Meinung wie „das Volk“, bräuchte es ihn nicht. Wenn er „erfolgreich“ ist, wird die öffentliche Meinung sich an seine anpassen.

Es ist eine typische Eigenschaft deutscher Medien, sich – aus welchen Gründen auch immer – auf eine (derzeit links-grüne) Einheitslinie einzuschwingen, und anschließend eben dies selbstkritisch festzustellen – doch an der Praxis nichts Wahrnehmbares zu ändern. (Die-Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo hat es hierin zu charmanter Meisterschaft gebracht, wie etwa in seinem Sowas-wie-ein-Mea-Culpa für den Cicero – er verwendet statt „die da oben“ eher den Ausdruck „Elite“.)

Der Leser „hier unten“ hat das Gefühl, in Berliner Redaktionsstuben stammten nicht nur die Nachrichten, sondern auch die Meinungen aus einheitlichen Agenturen. Doch, das ist nicht alles. Wir staunen auch über die Permeabilität der in Fetzen hängenden Membran zwischen Politik und jener selbsterklärten „Vierten Gewalt“, welche eigentlich über die Politik wachen sollte. Wir müssen hier nicht wirklich all die Fälle von Politikern in diversen „Räten“ listen, nicht auf Journalisten mit Parteibuch oder die „Hintergrundgespräche“ hinweisen – es ist Allgemeinwissen.

Der unpolitische, aber kritische Bürger erlebt einen politisch-medialen Monoblock, dessen Meinungsspektrum weit davon entfernt ist, das Spektrum möglicher Meinung abzubilden, oder auch nur das Spektrum tatsächlicher Meinung – ja, nicht einmal das Spektrum der traditionellerweise für Debatte mindestens erforderlichen Meinung.

(Randnotiz: Wenn Medienvertretern diese Einheitsmeinung vorgeworfen wird, antworten sie bei Gelegenheit, man möge doch aufzeigen, wer es denn sei, der diese vorgibt. Das ist natürlich ein Trick. Es ist nicht notwendig, dass es eine zentrale Stelle gibt, welche die „DIN-Meinung“ herausgibt. Im Text „Darf man über ›Lügen‹ reden?“ beschreibe ich mehrere Szenarien, in denen Vereinheitlichung auch dezentral oder fast-dezentral passieren kann.)

Faktenblobs

„Die da oben“ (in unserem Sinne, siehe – räusper – oben) bedienen sich in ihrer Rolle als „Meinungsmacher“ einer Reihe inhaltlicher Werkzeuge. (Einige davon habe ich im Buch „Talking Points“ beschrieben.)

Eine bestimmte Technik aber ist mehr „Effekt“ als wirklich eine „Technik“. (Ich habe sie u.a. im Text „Populismus angeblicher Komplexität“ geschildert.)

Sachverhalte werden dem Leser gegenüber als undurchdringlicher „Faktenblob“ dargestellt. Dem Leser werden nicht mehr die Details und Wirkzusammenhänge erklärt, die verschiedenen moralischen Deutungsszenarien – es wird gleich „eingeordnet“, und zwar mit „Haltung“.

Europa, EU und die „europäischen Institutionen“ werden zum Faktenblob, den man nur ganz oder gar nicht akzeptieren kann. Die von Politik und Medien „Flüchtlingskrise“ umschriebene Migrationsbewegung wird zum Faktenblob – entweder „man will helfen“ oder „man ist Nazi“ – dass es auch hier mehrere Ursachen gibt und damit auch alternative Lösungen, dass man eventuell vor Ort besser helfen könnte, dass in Deutschland einige Personen viel Geld an der Krise verdienen – all das wurde mit publizistischer Gewalt aus der Debatte ausgeblendet – mit einem „Faktenblob“ ersetzt.

Es ist ein Hoffnungszeichen, dass in 2017 mit Die Getriebenen von Robin Alexander ein erklärendes Buch zum Bestseller wurde. In meiner Sprache gesprochen hat Alexander den Faktenblob angeschnitten und die „Formel der Flüchtlingskrise“ beschrieben. (Nebenbei hat er ganz praktisch widerlegt, dass „die da oben“ ein 100%-Einheitsblock sind. Es gibt Ausnahmen, auch das ist Anlass für Hoffnung.)

Formelwaffe

Im Buch „Relevante Strukturen“ (etwa im 6. Kapitel: „Es wird sonnig“) spreche ich, unter anderem, von der Denktechnik „Formeln“.

Das Denken in Formeln ist das Gegenstück zu den „Faktenblobs“. (Das Wort „Faktenblobs“ kommt im Buch gar nicht vor – ich verwende es nur hier zur Ad-Hoc-Erklärung.)

Der leicht manipulierbare Mensch ist Opfer der Meinungsmacher, denn er sieht wenig mehr als Faktenblobs.

Beispiel: Trump wird in deutschen Leitmedien als „böser, verrückter Lügner“ dargestellt. Vor seiner Wahl wurde prophezeit, wie er zum Absturz der Weltwirtschaft führen würde. Dass der Dow Jones in Wahrheit immer neue Rekorde erreicht, wird nicht mehr erwähnt – das könnte den „Faktenblob Trump“ anpieksen.

Wer in Formeln denkt, der sieht alles, also etwa auch das Phänomen Trump als „Zusammengesetztes mit Variablen“. Es gibt Strukturen, die ihn stützen, und Strukturen, die er selbst stützt. (Siehe u.a. Kapitel „Von Formeln zu Strukturen“.) – Trump stützt Strukturen, die seinen Wählern sehr relevant sind. Er bedroht aber auch Strukturen, die „denen da oben“ (linke Meinungsmacher) sehr relevant sind. Der „Formelsehende“ verstand das bereits vorher – die Opfer der Faktenblobs erkennen es erst dann, wenn ihre Faktenblobs endgültig an der Realität zerplatzen.

Wer in Faktenblobs denkt, der kennt wenig mehr als „Trump böse“ oder „Trump toll“. Wer in Formeln denkt, der untersucht, welche Strukturen von Trump gestärkt werden und welche von Trump geschwächt – und so a) „versteht“ er das Phänomen Trump erst, und b) trifft genauere Vorhersagen.

Formelsehen als nützliche Angewohnheit

Im Kapitel „Ihr sollt sein wie Neo“ rufe ich dazu auf, sich selbst anzutrainieren, alle Dinge der Welt (auch „Ding“ wird definiert, klar) permanent als „Formel“ zu sehen.

Wer alles als Formel und nichts als Faktenblob wahrnimmt, kann Vorhersagen darüber treffen, wie ein Ding oder Ereignis von Menschen wahrgenommen werden wird.

Ich gebe mein Bestes, selbst und gemeinsam mit Ihnen, meinen Lesern, die „Kunst des Formelsehens“ zu üben und zu unserer zweiten Natur zu machen.

Wenig ärgert „die da oben“ so sehr, wie wenn „wir hier unten“ lernen, selbst die Phänomene und Ereignisse zu analysieren (ich nenne es „Formelsehen“) – wenig macht mir mehr Spaß, als „die da oben“ in diesem Sinne zu ärgern.

Yep, „die da oben“ zu ärgern, indem wir gemeinsam bessere Analyse lernen, das ist für mich Glück. (Siehe Abschnitt „Kreise ziehen“, darin dann Kapitel „Glück“ und Folgende.)

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