28.05.2022

Gewohnheiten loslassen

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Unsere Gewohnheiten machen uns effizient – bis sie es eben nicht mehr tun. Wenn du eine Gewohnheit sofort loswerden könntest, welche wäre es?
YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Telegram
Facebook
Twitter
WhatsApp

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, so sagt eine Redeweise. Eine andere Redeweise begründet auch, warum dem so ist: »Man muss ja nicht das Rad neu erfinden!«

Der Mensch versucht, Energie zu sparen. »Energieeffizienz« klingt so viel besser als »Faulheit«.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, weil Gewohnheiten effizient sind. Ich putze meine Zähne so, wie ich es seit langen Jahren gewohnt bin. Was für eine Verschwendung mentaler Energie wäre es doch, bei jedem Zähneputzen aufs Neue das »Problem« der Zahnreinigung neu »lösen« zu wollen.

Gewohnheiten ersparen uns Denkarbeit, und das ist super – bis es ein Problem ist.

Einer meiner liebsten Witze geht so: Ein Mann kommt zum Arzt, bewegt seine Schulter, und sagt: »Herr Doktor, wenn ich so mache, dann tut es weh!« – Der Arzt antwortet: »Dann tun sie halt nicht mehr so!«

Ja, der Mensch wird auch Gewohnheiten beibehalten, die objektiv nicht mehr den einst gedachten Zweck erfüllen, zumindest längst nicht so effizient wie neuere Methoden es könnten.

Wir kennen ja die Ausrede: »Das habe ich schon immer so gemacht!«

Es ist eine Ausrede, also eine Lüge, die ich mir selbst erzähle.

Der Zen-Meister Shunryo Suzuki sagte: »Im Geist des Anfängers existieren viele Möglichkeiten. Im Geist des Experten existieren nur wenige.«

Wir sollen wie Anfänger werden, sagt der Zen-Meister. Sollen wir alle unsere Erfahrung loslassen? Sollen wir wie unerfahrene Kinder werden?

Nein. Wohl nicht. Im Geiste dieses Übungsbuches gesagt: Wir sollen bereit sein, Gewohnheiten loszulassen. Neue Lösungswege ausprobieren.

Loslassen, was nicht funktioniert. Nichts festhalten, nur weil es Gewohnheit ist. Und manchmal eben auch Gewohnheiten loslassen, weil so viel Anderes, nicht selten Besseres möglich ist.

Ein alter Hund lernt bekanntlich keine neuen Tricks, wir aber sind keine Hunde.

Der Mensch kann lernen, solange er sich erlaubt, Neues zu lernen. Wir können lernen, Gewohnheiten loszulassen.

Es ist nicht einfach. Es kann uns Angst einflößen. Doch auch Gewohnheiten, die wir uns einst selbst aneigneten, können uns über die Jahre fremd werden. Manche Gewohnheiten sind wie alte Äste, die weggeschlagen werden müssen, damit neue Äste wachsen und neue Frucht bringen können.

Ich rufe mir selbst Mut zu: Lass deine Gewohnheiten los! Suche aufs Neue, wie das anstehende Problem am klügsten zu lösen ist.

Was habe ich übersehen? Was wollte ich übersehen, um nichts ändern zu müssen?

Nach dem Aufwachen lese ich zuerst die Nachrichten. Das ist eine Gewohnheit. Ist es eine gute Gewohnheit?

Ich schiebe das Beantworten von E-Mails auf. Das ist eine Gewohnheit. Ist es eine gute Gewohnheit?

Und so weiter. Ich sollte einen Katalog meiner Gewohnheiten aufstellen, vom Kaffeetrinken bis zur Art, wie ich reagiere, wenn mich etwas ärgert.

Bei mancher Gewohnheit wird sich herausstellen, dass sie durchaus eine gute Gewohnheit ist, wie die mit dem täglichen Zähneputzen. Das behalte ich bei. Bei anderen Gewohnheiten werde ich feststellen, dass sie mich eben nicht zu dem macht, wer und was ich sein möchte. Ist es wirklich eine gute Idee, den Nachrichten zu erlauben, am Morgen die ersten Furchen in den noch frischen Tag zu ziehen? Ist das, wer ich sein möchte, ein Mensch, vom ersten wachen Augenblick an gestresst von der Welt?

Ich will meine Gewohnheiten überprüfen, und die, die mich nicht zum klügeren, freundlicheren Menschen machen, sollte ich loslassen – und an deren Stelle neue, klügere Gewohnheiten einüben.

Danke, Wegner!

Gerade in diesen schwierigen Zeiten sind diese Essays (1,539 bisher), die Aufnahmen (auf YouTube) und der Betrieb dieser Website (inkl. Freie Denker) nur mit Ihrer Unterstützung möglich, zum Beispiel mit einem Jahresbeitrag.

Jahresbeitrag(entspricht 1€ pro Woche) 52€

Und was meinen Sie?

Besprechen Sie diesen Text mit mir in den Kommentaren auf YouTube – ich freue mich, Ihre Meinung zu erfahren!

Mit Freunden teilen

Telegram
Reddit
Facebook
WhatsApp
Twitter
E-Mail

mehr Sprüche: /sprueche/ →

Loslassen lernen

Haben Sie auch dieser Tage das Gefühl, dass Ihnen »das alles zu viel wird«? Es könnte daran liegen, dass es zu viel ist. Ich darf Ihnen etwas Neues vorlegen: »Das Buch übers Loslassen von Dushan Wegner«.

Wegner verstehen

Alles, was ich schreibe, basiert auf einer bestimmten Philosophie, den Relevanten Strukturen. In diesem Buch erkläre ich Ihnen, wie ich denke.

alle Bücher /buecher/ →

Gewohnheiten loslassen

Darf ich Ihnen mailen, wenn es einen neuen Text hier gibt?
(Via Mailchimp, gratis und jederzeit mit 1 Klick abbestellbar – probieren Sie es einfach aus!)