13.12.2022

Der weiße Hase und die Klimadiktatur

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bild: DW via Stable Diffusion
Einst warnte das TV vor allzu eifrigen »Klimaforschern« und einer drohenden »Klimadiktatur«. Heute würde man mit denselben Aussagen zum »Klimaleugner« und bald »Staatsfeind« werden. – Es scheint fast, als hätte die Klimadiktatur bereits eingesetzt!
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Stellen wir uns vor, ein Professor würde heute sagen: »Aber man wundert sich schon sehr, mit welchem Übereifer einige Klimaforscher in erster Linie ihrer persönlichen Überzeugung folgen, denn sie haben versucht, mehr aus den Fakten zu machen, als die vielleicht hergeben.«

Ein Professor, der das heute so sagt, wird vermutlich schneller von allen Forschungsgeldern abgeschnitten, als er »Cancel Culture« sagen kann.

Und, seien wir mutig! Stellen wir uns weiter vor, dass ein Medium den Leiter eines gewissen »Hadley-Instituts« (gemeint wohl das »Met Office Hadley Centre for Climate Science and Services«, siehe metoffice.co.uk) so zitiert: »Ich habe Michaels Trick vervollständigt … um den sinkenden Temperaturverlauf zu … verstecken.«

Und weiter: »Wenn Temperaturen fallen, scheint das nicht ins Bild zu passen.«

Und schließlich: »Wenn auf Klimakongressen wie jüngst die Äußerung fällt, oder die Frage gestellt wird, ob man nicht autoritären Regimen viel besser trauen könnte als einer Demokratie, die angeblich anstehenden Probleme in den Griff zu bekommen – was sich da am Horizont abzeichnet, ist eine klimapolitische Weltdiktatur.«

Wir können uns so mutige Worte und Zitate heute höchstens bei einem der Freien Denker vorstellen, etwa bei den Science Files. Wer so etwas veröffentlicht, würde heute als »Klimaleugner« gelten. Es wäre eine Frage der Zeit, bis man ihm eine Verbindung zu »Coronaleugnern« und dann zu »Reichsbürgern« unterstellt, der Verfassungsschutz ihn ins Visier nimmt, und morgens um vier der Staatsfunk, die Polizei und die GSG 9 zur PR-wirksamen Razzia vor seiner Tür stehen.

Abgründe des 404

Warnungen über eine mit Lügen begründete politische Weltdiktatur, die würde man heute tatsächlich eher bei freien, alternativen Medien verorten.

Tatsächlich stammen all diese einleitenden Formulierungen wohl aus einer »kontrovers«-Sendung des Bayerischen Rundfunks, nach meinen Informationen aus dem Jahr 2009, und der zitierte Professor ist Björn Lomborg. Man findet die Sendung noch bei YouTube.

Auf br.de hat die Suche nach »Klima« (Stand 13.12.2022) »mehr als 1000 Treffer« (was auch Zigtausende bedeuten kann), jedoch die Suche nach »Klima-Panik« und »Klimapanik« jeweils null. (Und die beiden aktuellen Suchergebnisse für das Stichwort »Klima« aus dem Jahr 2009 meinen mehr so ein politisches Klima; Stand 13.12.2019.)

Und wenn man dort nach »Klimadiktatur« (in Anführungszeichen) sucht, findet die br.de-Suchmaschine ebenfalls »0 Treffer«, doch sie empfiehlt automatisch die Suchbegriffe »Pharmadiktatur« und »Impfdiktatur« (siehe Screenshot).

»Checkpoints, Drohnen, Ausgangssperren«

Elon Musk tweetete aktuell:

Follow 🐰
(@elonmusk, 13.12.2022)

Das bedeutet: »Follow the white rabbit«; zu Deutsch wörtlich: »Folge dem weißen Hasen«. Es spielt auf Alice in Wonderland an, und auf den Film Matrix. Ich lese es als: »Folge den Hinweisen, selbst wenn sie dich in unbekannte Abgründe führen.«

Ich folge dem »weißen Hasen«, und ich klicke auf den vorverlinkten Suchbegriff »Pharmadiktatur«.

Die neue Suche liefert mir genau ein Ergebnis (siehe Screenshot vom 13.12.2022). Es stammt aus dem Jahr 2021. Der Titel lautet »Chronologie des Scheiterns: Hunderte nicht erfüllte Prophezeiungen der Querdenker«. Der Text wird so angerissen: »September 2020: Ein Lockdown wird mit Militär umgesetzt: Checkpoints, Drohnen, Ausgangssperren, Pharmadiktatur«.

Ich bin neugierig. Das wäre doch mal spannend, aus dem Blick des späten 2022 zu prüfen, welche Querdenker-Voraussagen sich wirklich nicht erfüllt haben – und wie viele eben doch.

Ich klicke auf den Link. Dessen sprechende URL lautet: https://www.br.de/nachrichten/kultur/hunderte-nicht-erfuellte-prophezeiungen-der-querdenker,TKFEcxU

Uups, mir wird angezeigt: »Fehler 404 – Seite nicht verfügbar« (siehe Screenshot).

Hat sich vielleicht nur die URL dieses Artikels verändert? Ich suche nach diesem Titel bei Google, beschränkt auf die Site br.de – nichts, nur eine Archiv-Übersicht mit Links, aber nicht die Seite selbst.

Nichts, es ist weg. Der Propagandatext, der sich über Warnungen vor »Checkpoints, Drohnen, Ausgangssperren« lustig machte, kann ich ebenso wenig finden wie einstige Warnungen vor der »Klimadiktatur«. – Ich seufze, und ich frage mich: Suche ich vielleicht nur falsch?

(Nachtrag vom Abend des 13.12.2022: Ein lieber Leser hat eine archivierte Version bei web.archive.org gefunden – machen Sie sich selbst ein Bild. Er merkt an, es sei bemerkenswert, wie dort Forderungen der AfD als »Prophezeiungen« umgedeutet werden – und zwar Forderungen, die letztendlich von der Regierung umgesetzt wurden.)

»Die Geschichte hat aufgehört«

Was hat der geschätzte Bayerische Rundfunk also heute über »Klima« zu sagen? Sehr, sehr viele Dinge. Und alles sind sie panisch und unbarmherzig. Fast als wären die eigenen Warnungen vor der Klimadiktatur vergeblich gewesen.

Wieder fühlen wir uns an Orwells 1984 erinnert, wo es heißt:

Jede Aufzeichnung wurde vernichtet oder gefälscht, jedes Buch neu geschrieben, jedes Bild neu gemalt, jede Statue und jedes Straßengebäude umbenannt, jedes Datum geändert. Und der Prozess setzt sich Tag für Tag und Minute für Minute fort. Die Geschichte hat aufgehört. Nichts existiert außer einer endlosen Gegenwart, in der die Partei immer Recht hat. (Orwells 1984, aus dem Englischen)

Ja, auch beim deutschen Staatsfunk schreibt man die Geschichte – und die Vernunft! – neu. Statt Warnungen vor der Klimapanik bietet man heute, ganz im Stil und Geist des modernen Propagandastaates, etwa Anleitung zum Umgang mit Abweichlern und Andersdenkenden: »Wie man mit Klima-Skeptiker*innen diskutieren sollte« (br.de, 1.2.2019). »Die Partei« – sprich: »das Narrativ« – hat immer Recht, und wer das nicht so sieht, muss umerzogen werden.

Es erinnert an die plötzliche 180-Grad-Wende bei der Berichterstattung über jenes Virus aus China, bei der man über Nacht, als hätte es einen kollektiven Marschbefehl aus dem Kanzleramt gegeben, das Gegenteil behauptete, die Leute verdammte, die man eben noch selbst interviewt und zum Zeugen gerufen hatte (siehe Essay vom 13.3.2020) – und wohl via »Copyright-Claims« versuchte, alle Spuren der eben noch getätigten Behauptungen aus dem Internet zu löschen.

Wie brave kleine Roboter sollen nun die Bürger im Sinne der Klimadiktatur programmiert werden. Schließlich muss man sich gegen all die »Fakten-Verdreher« und »Unentschlossenen« »wappnen« – sprich: gegen die Ketzer, die selbst zu denken wagen.

Gesamtheit der Tatsachen

»Follow the white rabbit« – »Folge dem weißen Hasen«, so heißt es in der Popkultur. Es bedeutet: Habe den Mut, deiner Neugier zu folgen, und herauszufinden, was wirklich der Fall ist.

Nach Wittgenstein ist die Welt die »Gesamtheit der Tatsachen« – und damit nicht die Summe der Behauptungen, welche die Propaganda für die Wahrheit des Tages erklärt.

Der Prozess der Wahrheitssuche, ob bei Corona oder Klimapanik, fällt ja etwas einfacher, wenn Ansätze der Wahrheit kurz zuvor im Staatsfunk liefen, also bevor da jeweils vermutlich ein Marschbefehl die Staatsfunker zur 180-Grad-Kehrtwende zwang. (Man muss nur die alten Quellen suchen, welche die Propaganda löschen und überschreiben ließ.)

Bei Kant, im Aufsatz »Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?«, heißt es berühmterweise: »Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen.«

Wir formulieren es hier bekanntlich: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst! (Und es gibt aktuell ein neues, aufregendes Design dazu.)

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