22.07.2022

Ein Kommen und ein Gehen

von Dushan Wegner, Lesezeit 8 Minuten, Foto von Werner Sevenster
Starbucks schließt Filialen in woken Hotspots – zu gefährlich. Könnte es damit zu tun haben, dass man die Filialen für Obdachlose öffnete? Dass man linken Wahnsinn unterstützte? (Oder etwa damit, dass die Ach-so-Moralischen keine Gewerkschaften mögen?)
road in between brown wooden fences
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In Köln, da ist eine Einkaufsstraße, die heißt »Ehrenstraße«. Ich weiß nicht, ob sie »Ehre« hat, aber auf jeden Fall hatte sie einst Würde, Charme und Schönheit – heute hat sie Filialen von Konzernen, und von denen auch nur die, die Corona überlebten.

2010 titelte der Kölner Stadtanzeiger: »Kult-Einkaufsmeile: Die Ehrenstraße verliert ihre Seele« (ksta.de, 16.10.2010).

Ich erinnere mich noch an diese »Seele« der Ehrenstraße. In meiner Jugendzeit, als ich noch malte, kaufte ich etwa meine ersten Pinsel und Ölfarben noch nicht bei Boesner, sondern bei Bruno Wolkenaer. Was für Gerhard Richter und Sigmar Polke gut war, das wird wahrlich auch mir genügen. 2008 machte die Familie Wolkenaer den Laden dicht (express.de, 19.2.2008), ohne weitere Begründung. Heute mietet eine britische Kette den Laden.

Immer wieder erklären Familienbetriebe, dass sie einfach nicht mithalten können, wenn Konzerne das Vielfache der bisherigen Miete zu zahlen bereit sind. Ich erinnere mich an Esoterikläden, ans Broadway, an belegte Brötchen aus der Metzgerei, an die Puppenklinik mit den tollen Figuren im Schaufenster. Einige der bei Zweitausendeins gekauften Bücher stehen noch immer in meinem Regal (die dort gekaufte Sol-Stein-Übersetzung und die Leonard-Cohen-CDs prägten, wer ich heute bin).

Dieses Jahr wurde die Ehrenstraße zur weiteren Fußgängerzone erklärt (koeln.de, 8.4.2022). Okay. Ein Kölner Blogger formuliert, es fühle sich an »wie eine leergeräumte Wohnung« (verliebtinkoeln.de, 21.6.2022). Die Geschäfte aber, zwischen denen man auf der auto-losen Straße flanieren kann, die sind inzwischen zum guten Teil die üblichen Filialen internationaler Konzerne.

Irgendwie durchkämpfen – oder nicht?

Dass Konzerne und ihre Filialen die kleinen Familienläden verdrängen, es ist nicht nur ein kulturelles Phänomen. Man muss kein seufzender Nostalgiker sein, um schon im Bauch zu fühlen, dass mit den Familienbetrieben in der Ehrenstraße und anderswo auch bestimmte Werte verschwinden.

Vor etwa zwei Jahren hat bei uns in der Nachbarschaft die Mikro-Filiale eines Supermarktkonzerns aufgemacht. Allerdings befand sich in der Nähe auch ein privater, und doch moderner Tante-Emma-Laden, der von frischen Brötchen über Obst bis zu Haushaltsbedarf und Getränken alles bereithielt, was man spontan kaufen wollte.

Die Nachbarschaft gab aber nicht genug Umsatz für zwei Läden her. Der kleine Familienladen baute zunächst verzweifelt um. Man verkleinerte und verschönerte sich zugleich. Man kämpfte ums Überleben gegen die neue Konkurrenz.

Nach einigen Wochen Corona-Lockdowns gab der Familienladen aber endgültig auf.

Die Nachbarschaft hatte nur noch die kleine Konzernfiliale, deren Besitzer den Laden vernachlässigten. Und letzten Monat beschloss der Konzern, dass sie sich nicht mehr rentierte – und man schloss den Laden wieder.

Ein Familienbetrieb wird in Krisenzeiten die Zähne zusammenbeißen und sich irgendwie durchkämpfen, so es irgend möglich ist. Ein Konzern aber kalkuliert. Und wenn es sich nicht rechnet, dann geht er.

Der Konzern kam, zerstörte den Familienladen, und ging dann wieder, nichts als Zerstörung und eine Lücke hinterlassend. Es ist fast, als ob Konzerne keine Moral hätten!

Sieht bald so aus

Aus Amerika lesen wir aktuell: Der Starbucks-Konzern schließt sechzehn Filialen, obwohl sie profitabel sind (dailymail.co.uk, 20.7.2022) – viele weitere könnten folgen (cnn.com, 19.7.2022).

Starbucks-Kritiker sagen, man hätte es auf Filialen abgesehen, in denen die Angestellten sich gewerkschaftlich organisieren wollten (hcamag.com, 19.7.2022).

Die Begründung des Konzernchefs ist eine andere – und sie lässt ihn womöglich in einem noch schlechteren Licht dastehen, was dafür spräche, dass ein Quäntchen Wahrheit enthalten ist.

Howard Schultz, der Gründer und Chef von Starbucks, nennt als Grund der Schließungen profitabler Filialen, dass an den betreffenden Standorten die Sicherheit der Angestellten nicht mehr gewährleistet werden könne.

Es soll vorgekommen sein, dass Obdachlose die Filialen und ihre Toiletten zu ihrem Zuhause machten. In den Filialen und den Toiletten wurden, so hört man, Drogen konsumiert und andere Dinge getan. Die Führungsriege gewisser »woker« Bewegungen trage Mitschuld. »Defund the police« skandiert sich einfacher, wenn man in einer Villa hinter hohen Zäunen lebt, von privater Security geschützt.

Die Bürgermeister der betreffenden Städte hätten gemäß »woker« Denkweise die Sicherheit der betreffenden Städte vernachlässigt, was es unmöglich macht, angstfrei einen Kaffeeladen zu betreiben.

Was der Starbucks-Chef allerdings zu sagen »vergessen« hat, ist die Tatsache, dass er sich bei der letzten »Wahl« aggressiv gegen Trump und für Joe Biden eingesetzt hat, und damit für genau die Democrats, welche Amerikas Städte unsicher und gefährlich machen (dailymail.co.uk, 14.9.2020, foxbusiness.com, 14.9.2020), dass man etwa eigene T-Shirts an die Angestellten herausgab (nytimes.com, 21.5.2022), die »Black Lives Matter« unterstützten und so die Spaltung der Gesellschaft förderten.

Wenn in jenen Starbucks-Filialen immer öfter Drogen konsumiert wurden und Obdachlose sie zum neuen Zuhause erklären, dann könnte das auch daran liegen, dass Starbucks ganz offiziell eine »Open Door Policy« erklärt hatte (businessinsider.com, 29.3.2022), nachdem es zum Skandal geführt hatte, dass man zwei schwarzen Männern den Zutritt zum Badezimmer verweigert hatte.

Offiziell sind Drogen und Schlafen in Starbucks-Filialen ja trotz »Offener Türen« ja verboten, aber was sollen die Angestellten tun? Soll man jedes Mal die Polizei rufen, wenn einer sich ein Päckchen vorbereitet oder die Augen kurz zumacht? Und, welchen Sinn ergibt es überhaupt, die Polizei zu rufen, wenn dank der Vorgaben der Democrats die Polizei gar nicht erst eingreifen will oder kann?

Welche Motivation soll die Polizei haben, im Starbucks aufzuräumen, was Starbucks sich selbst eingebrockt hat? Was soll die Polizei überhaupt tun, wenn »woke« Richter die Täter sofort freilassen, während womöglich der Polizist wegen »Rassismus« belangt wird, falls der Täter sich »als Nichtweiß identifiziert«?

Starbucks wollte »woke« und »moralisch« wirken. Also lud es die Obdachlosen zu sich ein, und man unterstützte den lügenden Grabscher Joe Biden und die Figuren hinter ihm, stärkte derart den sogenannten »Democrats« den Rücken. Mittlerweile erwägt man, die Badezimmer doch nur für Kunden bereitzuhalten (cnn.com, 12.6.2022), und die Begeisterung für Wokeness klingt spürbar gedämpfter. (Wer Gewerkschaften im Betrieb verhindert und teures Sahne-Zucker-Kaffee-Gemisch an angehende Diabetiker verkauft, der muss sich eben »woke« und »moralisch« geben. Und »LGBTQIA2+« sowieso. Nein, diese Buchstabenkette habe ich mir nicht ausgedacht, siehe starbucks.com, 16.5.2022.)

Starbucks half ideologisch mit, die Sicherheit in den Städten zu demontieren. Und jetzt hat man plötzlich keine Lust mehr, und man geht. Die Schäden aber, die man anrichtete, die bleiben.

Davon möglichst viel

Aus dem Film »Die üblichen Verdächtigen« kennen wir den großartigen Satz: »Der größte Trick, den der Teufel je vollführte, war es, die Welt glauben zu lassen, dass er nicht existiert.«

Für Konzerne ließe sich entsprechend formulieren: »Einer der nützlichsten Tricks, den Konzerne vollführen, ist es, die Menschen glauben zu lassen, dass sie andere Werte als Profit und Macht haben.«

Ein Sarkast könnte zuspitzen wollen: Der Chef einer Kapitalgesellschaft, der einen anderen Wert als Profit zuerst setzt, ist entweder verrückt oder kriminell (Stichwort »Veruntreuung«) – oder womöglich beides.

Sicher, privat kann der Kapitalist mit seinem Geld moralisch sein (zum Beispiel einen freiwilligen Leserbeitrag zahlen), in der Firma ist es ihm aber geradezu gesetzlich vorgegeben, Gewinn zu erzielen – und davon möglichst viel.

Wer uns aber etwas anders sagt – auch implizit, indem er Konzern-Moral-Propaganda teilt – der ist auf eben diese Propaganda hereingefallen und lässt zugleich schmerzlich Medienkompetenz missen – oder er lügt.

Auch das Gegenteil

Manchmal decken sich die Interessen der Konzerne mit den Interessen der »kleinen Leute« – und manchmal tun sie das nicht.

Und manchmal, wie wenn Unternehmen sich für »Black Lives Matter« engagieren und so neue Rassenkonflikte schüren, oder wenn Unternehmen gegen Andersdenkende agitieren um sich mit der Politik zu verbünden, schaden sie direkt der Gesellschaft, innerhalb derer sie wirtschaften.

Für uns-hier-unten bedeutet das: Wer sich seine Moral bei Konzernen abholt, oder bei den von Konzernen mit Spenden und Honoraren finanzierten Politikern, oder gar bei den für diese Politik und Konzerne arbeitenden Journalisten, der ist bald innerlich verloren.

Wer lange genug den Schweinen durch den Dreck folgt, der ist von diesen bald nicht zu unterscheiden; oder, auf Lateinisch: »Quisquis porcos per lutum satis diu sequatur, cito ab eis indistinctus erit.«

Die Russen wissen: »Wenn der Zar zu Mittag sagt, es sei Nacht, dann sieh nach den Sternen.«

Und auch der Deutsche im Propagandastaat weiß, dass wenn er vorankommen oder auch nur seine Stellung halten will, er die äußeren Anzeichen der Tagesmoral zur Schau stellen sollte. – Heimlich aber, für und vor sich selbst, sollte er stets davon ausgehen, dass auch das Gegenteil richtig sein könnte.

Bis es sich nicht mehr lohnt

Ich will mich – und damit jeden Leser – darin stärken, den moralischen Vorgaben von Konzernen, Politikern oder Journalisten zu widerstehen. Und ich wünsche mir, dass wir einen »sechsten Sinn« für solche Fake-Moral entwickeln!

Konzerne haben keine Moral, und wenn sie sich moralisch geben, dann scheinen sie oft genug von unmoralischem Tun an anderer Stelle ablenken zu wollen.

Wenn Konzerne keine Moral haben, dann haben Politiker und Journalisten doppelt und dreifach keine (ein Konzern will immer weiter existieren, ein Politiker oder Journalist kann leichter die Stelle wechseln und anderswo Schaden anrichten).

Konzerne werden sich als freundliche Nachbarn geben, als Seelsorger und als dein bester Freund – bis es sich nicht mehr lohnt (oder das politische Lüftchen sich dreht).

Wenn es nicht mehr den Interessen des Konzerns dient, kennen sie dich nicht mehr und haben schon immer das Gegenteil behauptet. Deren Moral ist eines von vielen Werkzeugen, und du bist und bleibst wenig mehr als ein paar Zeilen in der Datenbank, nicht mal ein Rundungsfehler in der Statistik.

Du wärst überrascht

Heute wird in Schulen längst nicht mehr gelehrt, dass und wie Menschen ihre eigenen Werte entwickeln können. Im Gegenteil: Schulen werden schleichend zum Ort ideologischer Indoktrination, zur Aufzucht braver Wir-sind-mehr-Soldaten. (Ich weiß, dass es Lehrer gibt, die sich dem, so möglich, mutig entgegenstellen. Ich bewundere sie!)

Die-da-oben werden und können dir nicht sagen, was für dich moralisch richtig ist. Je lauter sie plärren, umso falscher ist, was sie sagen.

Deine relevanten Strukturen sind eben deine, und nicht deren. Also liegt es an dir, für dich festzulegen, was für dich richtig und falsch ist.

Wenn du eine strenge Stimme von oben brauchst, die dir sagt, was gut und falsch ist, dann muss ich dich enttäuschen: In dieser Hinsicht bist du tatsächlich allein – und warst es schon immer. Ich nehme dir nichts, ich zeige dir nur, was du noch nie hattest.

Wenn du aber die Arbeit auf dich nimmst, jeden Tag neu justieren, was gut und richtig ist – und was falsch und böse – dann darfst du wissen, dass du darin eben nicht allein bist.

Du wärst überrascht, wie viele Menschen auf dem gleichen steinigen Weg unterwegs sind wie du!

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