Dushan-Wegner

01.05.2023

Ludwigshafen, erste Klasse

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Wachsen Sie auch gerade?
In Ludwigshafen bleiben 40 Grundschüler einer Schule sitzen – in der 1. Klasse! An jener Schule haben 98 % der Kinder einen Migrationshintergrund. »Integration« scheitert spätestens dann, wenn es wenig gibt, worin man sich integrieren könnte.
Telegram
Facebook
𝕏 (Twitter)
WhatsApp

Ludwigshafen, das ist die schöne Geburtsstadt von Helmut Kohl, von Norbert Bolz (@NorbertBolz) und von Daniela Katzenberger.

Außerdem ist Ludwigshafen die Heimat von 40 sehr jungen Menschen, die dieses Jahr nicht von der ersten in die zweite Klasse der Grundschule versetzt werden können (bild.de, 28.4.2023).

132 Menschlein besuchen an der Ludwigshafener Gräfenauschule aktuell die erste Klasse – und 40 davon erfüllen nicht die notwendigen Voraussetzungen, um in die zweite Klasse aufzusteigen.

In der ersten Klasse sitzenzubleiben, das ist kein guter »Start ins Leben«. Das ist ja fast wie bei »Wer wird Millionär?« schon in der ersten Runde auszusteigen. Klar kann man es später nochmal versuchen, aber schön ist es nicht. (Mein Respekt aber für die Lehrkräfte, die noch den Mut aufbringen, ein Kind sitzen bleiben zu lassen!)

Denn: Die Gründe, die zum frühen Versagen führten, wirken weiter, wenn die zweite Klasse im zweiten Anlauf erreicht wird.

Wir ahnen ja, was vermutlich die (Hinter-) Gründe sind. 98 % der Kinder haben einen Migrationshintergrund, und damit ist mutmaßlich in den meisten Fällen nicht eine Herkunft aus Schweden, Polen oder Südkorea gemeint.

Das mit dem Migrationshintergrund ist zwar schon länger so, doch die sich daraus ergebenden Mängel werden eklatanter. Kinder wachsen oft zwar legal in Deutschland auf, aber ohne Deutschkenntnisse.

Doch nicht einmal das Erlernen von Deutsch in der deutschen Schule gelingt immer – und kann auch nicht gelingen.

Eine Mutter berichtet:

Viele der Lehrer sind mehrsprachig, reden mit den Kids Türkisch oder Albanisch. (bild.de, 28.4.2023)

Ich selbst bin etwas hin- und hergerissen in meiner emotionalen Reaktion.

Einerseits tut es mir leid um die Kinder und auch um die Familien, welche (noch) die Mini-Minderheit stellen, in der das Lernen der Kinder als Familienprojekt gilt, nicht als nervige Forderung der ungläubigen Kartoffeln.

Andererseits kann ich mir kaum ein Schmunzeln verkneifen: Der KiTa-Fachkräfteverband kommentiert »zunehmende Zahl an Kindern, die mangelnde Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen aufweisen und das Klassenziel nicht erreichen« (kitafachkraefteverband-rlp.de, 27.4.2023).

Und man konstatiert: »Die Probleme des Bildungssystems beginnen in der Kita«. Es braucht also mehr Ressourcen für die Kindertagesstätten. Man setze auf »das Konzept der alltagsintegrierten Sprachförderung«, wofür Kitas »Sprachbeauftragte« benennen.

Überhaupt benutzt man das Wort »alltagsintegriert« gleich dreimal in der Meldung zur Meldung (ebenda). Es bedeutet, dass Deutsch unterrichtet wird, während man all die anderen Dinge in der Kita tut, »in natürlichen Situationen« (sprachbildung.net). Es »benötigt keine besonderen Materialien« und findet den ganzen Tag lang statt. Aha. Es klingt für mich sehr nach einer förderfähigen Umschreibung für »wir reden Deutsch mit den Kindern, und viel mehr können wir auch nicht tun«. – Es wäre immerhin ein Fortschritt gegenüber Lehrern, die Arabisch oder Albanisch reden.

Ein Wort aber, das man immer weniger hört, ist die traditionelle »Integration«.

Und das ist nur logisch. Worin sollen sich die »neuen Deutschen« integrieren?

Wenn 98 % der Kinder migrantischen Hintergrund haben, dann sind es die deutschen Kinder, auf denen »Integrationsdruck« lastet.

Oder, wie der Ludwigshafener Sohn Norbert Bolz sagte:

Integration findet immer statt – allerdings zunehmend in Parallelgesellschaften. (@norbertbolz, 27.11.2021)

Es war Angela Merkel, die einen allzu naiven Ansatz für Multikulti einst für »gescheitert« erklärt hatte (siehe etwa spiegel.de, 16.10.2010).

Der Herr aber, der Angela als Schlange an seinem, äh, Busen genährt hatte (siehe Wiktionary), ein Herr Dr. Helmut Kohl, der wird zitiert:

Entscheidend ist, was hinten herauskommt. (Helmut Kohl, 1984, zitiert u. a. nach welt.de, 16.6.2017).

Mit »hinten herauskommt« war gemeint: Der Wert einer Methodik bemisst sich nach der Qualität des Ergebnisses.

Nun, bei all den politisch korrekten Lügen von den »Fachkräften«, die etwas mitbringen, das mehr wert ist als Gold, kommt am Ende leider doch hinten heraus, dass ein Drittel der Kinder es nicht einmal von der ersten Klasse in die zweite schafft.

Vielleicht betrachten wir die Angelegenheit aber nur falsch!

Wir sollten uns darüber freuen, dass zwei Drittel der Kinder es eben doch von der ersten Klasse in die zweite geschafft haben! Das ist ein Gewinn!

Um eine kluge Tochter Ludwigshafens zu zitieren:

Wenn die Erwartung gleich null ist, kann man nur gewinnen. (Daniela Katzenberger, zitiert nach gala.de, 1.10.2016)

Weiterschreiben, Wegner!

Danke fürs Lesen! Bitte bedenken Sie: Diese Arbeit (inzwischen 2,032 Essays) ist nur mit Ihrer Unterstützung möglich.

Wählen Sie bitte selbst:

Jahresbeitrag(entspr. 1€ pro Woche) 52€

Augen zu … und auf!

Auf /liste/ finden Sie alle Essays, oder lesen Sie einen zufälligen Essay:

Mit Freunden teilen

Telegram
Reddit
Facebook
WhatsApp
𝕏 (Twitter)
E-Mail

Wegner als Buch

alle Bücher /buecher/ →

Ludwigshafen, erste Klasse

Darf ich Ihnen mailen, wenn es einen neuen Text hier gibt?
(Via Mailchimp, gratis und jederzeit mit 1 Klick abbestellbar – probieren Sie es einfach aus!)