20.7.2017

Pizza und Talkingpoints

von Elisabeth Wegner, Lesezeit 2 Minuten, Foto von Thomas Tucker

Ich erzähle Euch in einem kleinen Schwank, wie man auch in der Freizeit und der Sommerpause richtig viel Spaß mit Talkingpoints haben kann.

Pizza und Talkingpoints
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Heute war ich bei strahlendem Sonnenschein mit meinen Kindern in einer urigen Pizzeria. Wir hatten bereits bestellt und nippten schon an unseren Getränken, als ein weiteres Grüppchen von vier Leuten, drei Damen, ein Herr, den efeu-umrankten Hinterhof betrat. „Der Chef zahlt“, verkündete fröhlich eine der Damen.

Zunächst drehte sich das Gespräch am Nachbartisch um Urlaubsziele und Segelbötchen auf Sylt. Dann ging es, die Verbindung war mir entgangen, über zu Scheidungsraten und dem schlechten Zustand der ehelichen Institution. Von dort war der Sprung nicht groß zu einem Thema, das noch immer den ein oder anderen bewegt, der „Ehe für alle“. Der Herr, zurückgelehnt, die Arme über Kreuz, verkündete etwas selbstgefällig seine eher ablehnende Haltung und brachte die gängigen Argumente, die man bei einem groben Überfliegen der Twitter-Landschaft zur Genüge kennt.

Pizza und Talkingpoints

An jedem anderen Tag hätte ich mich vielleicht wieder dem eigenen Tischgespräch über den neuesten Band von Gregs Tagebuch zugewandt. So nicht heute. Das Wetter war zu schön. Die Damen nickten mir alle zu übereifrig. Das Grinsen auf dem Gesicht des Herrn reizte mich. Und so klinkte ich mich ein. Mühelos brachte ich einige Gegenargumente, parierte seine „Ja abers“, erfreute mich daran, wie aus seinem Grinsen ein Stirnrunzeln wurde, und wie es seinen Angestelltinnen wiederum nicht vollständig gelang, ein Lächeln zu unterdrücken.

Frei nach dem Motto „The damage is done, I guess I’ll be leaving“ drehte ich mich dann lächelnd wieder zu meinen Kindern um, die mich ziemlich baff anstarrten, und ein bisschen stolz. Die Sonne schien immer noch und die Pizza lachte mit uns.

„Wer ein guter Talkingpoint-Handwerker werden möchte, muss immer auch die Position und Argumente des Gegners verstehen.“ – schreibt Dushan auf Seite 204 von Talking Points im Kapitel Selbst Talkingpoints bauen. Wer es noch nicht kennt, sollte es sich mal anschauen. Denn man kann auch abseits der Politik viel Spaß damit haben (und, wer weiß, vielleicht sogar mal etwas Gutes bewirken, wenn man denn unbedingt möchte).

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