26.11.2017

Wir werden nicht glauben, was als nächstes geschah

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bild: Caspar David Friedrich, „Die Lebensstufen“
Wissen Sie noch, als man vor (und während) der Autoreise die Landkarten studierte? In diesem Geist betrachte ich einige meiner Artikel noch einmal.
Wir werden nicht glauben, was als nächstes geschah
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Ich kann mich noch erinnern, als wir vor Ferienreisen zum ADAC auf der Kölner Luxemburgerstraße pilgerten und uns über die Reiseroute beraten ließen. In der ADAC-Mitgliedschaft meines Vaters war enthalten, dass man Gratis-Landkarten für die geplante Reise erhielt. Sie gaben uns papierne Faltkarten für die gesamte Wegstrecke, fein in eine Plastik-Hülle verpackt. Das Ritual des Karten-Abholens gehörte mit zur Ferien-Vorfreude. Wenn die Karten abgeholt wurden, wussten wir Kinder: Bald geht es los!

Daheim wurden dann die Papierkarten auf dem Küchentisch ausgebreitet und die anstehende Route mit dem Finger abgefahren. Hach, die Namen der Städte, an denen man vorbeifahren würde! So viel Geschichte. Der Küchentisch wackelte damals noch, und wenn mehrere Leute sich anlehnten, wurde es bedenklich. Doch im Lexikon nachzuschauen, wo man da entlangfährt, das kostet wenig, das ist eine gleich große Freude, ob der Tisch wackelt oder nicht.

Heute, wenn ich denn überhaupt noch verreisen will, buche ich ein Billigflug-Ticket im Internet und miete ein Auto mit Navi am Zielort. Das Navi zeigt mir die ganze Zeit an, wo ich angeblich gerade bin, und doch fühlen sich für mich Fahrten mit dem Navi wie U-Bahn an: Man steigt ein, man steigt aus, und dazwischen war nichts. Wenigstens wackelt unser Küchentisch nicht mehr.

Wo fahren wir hin?

Ich wünschte, es gäbe Karten, die uns sagen könnten, wo der große Tanker Europa gerade hinfährt

Erlauben Sie mir, darüber nachzudenken und mich dabei an meinen eigenen Texten der letzten Tage entlangzuhangeln. Ich will versuchen, eine Ahnung davon zu bekommen, wo wir jetzt gerade stehen und in welche Richtung wir schauen.

Diese Zeit ist eine Fußnote

Im Text Diese Zeit ist eine Fußnote stelle ich die These auf, dass diese Zeit keine „große“ Zeit ist, sondern höchstens eine Fußnote, ein Auftakt zu einer anderen, neuen Zeit. Das Heute kann nicht „groß“ sein:

Nein es wird kein Umsturz kommen, wir sind schon mitten im Umsturz drin. Vielleicht wird man später den Sturm auf die Bastille und mit umgekehrten Vorzeichen die LKWs in den Fußgängerzonen vergleichen. Beide sind Symbol eines Anfangs, nicht eines Endes, nur eben Anfang ganz anderer Veränderungen.
Ist der Umsturz unaufhaltsam? Nein – theoretisch wäre er aufzuhalten. Wenn man wirklich wollte. Wenn.

„Diese Zeit ist eine Fußnote“

Derzeit sieht es in Deutschland danach aus, dass die dritte Merkel-SPD-Koalition kommt. Ich halte diese SPD für eine der Demokratie nicht zuträgliche Kraft. (Begründung in 4 Teilen: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4)

Eine „Groko 3“ lässt mich in meiner These, dass diese Zeit „klein“ und nur eine Fußnote ist, nicht unbedingt schwanken, im Gegenteil.

Sie sind nicht allein mit diesem Gefühl!

Seit jetzt schon Jahren erzählen und schreiben mir Leser davon, wie sehr sie darunter leiden, dass sie im Alltag schlimme Dinge erleben und Ängste verspüren, die sie „nicht laut sagen dürfen“, denn dann „heißt es gleich“, sie seien „rechts“ oder „Nazi“.

Viele Menschen in Deutschland leben und erleben eine Spaltung zwischen dem, was sie sehen und erleben, und dem, was sie laut sagen dürfen. Eine solche Spaltung in Deutschland hat es zuletzt in der DDR und davor im Dritten Reich gegeben.

Während dieser Zustand mindestens besorgniserregend ist, sehe ich einen weiteren psychologischen Schmerz um sich greifen: Immer mehr Menschen fahren morgens zur Arbeit und wissen nicht, ob sie am Abend heimkommen werden.

Mit Merkel ist für viele Menschen ein neues, altes Gefühl in den Alltag eingedrungen: Ein Zittern. Eine dauernde, im Hintergrund vibrierende Angst. – Dieses dauernde, leise Zittern kennen sonst eigentlich nur die Menschen in Kriegsgebieten. Deutschland war eigentlich ein Land des Friedens. Mit Merkel hat sich die dauernde, im Hintergrund nagende Angst eingeschlichen.
Sie sind nicht allein mit diesem Gefühl!

Was sind die Folgen, wenn immer mehr Bürger das Gefühl haben, Politik und Rechtsstaat seien nicht mehr, oder nicht mehr mit vollem Ernst, auf ihrer Seite? Schaut man in der Geschichte zurück und vergleicht, wird man schnell nervös. Gerade deshalb aber, meine ich, muss man heute darüber sprechen, es aufschreiben und laut darüber berichten.

Suizidalismus – ein Name für diese Epoche

Sie merken, ich arbeite mich daran ab, „das Heute“ zu beschreiben, einen Namen dafür zu finden, und, ja, einen rationalen Anlass zur Hoffnung zu sehen.

Mein Vorschlag eines Namens für die in Leitmedien und Regierung heute vorherrschende Denkrichtung ist „Suizidalismus“. Das Handeln der Regierung und das Schreiben von Staatsfunk und staatsnahen Zeitungen scheint zufällig und sinnlos – außer man fragt sich: Wie würden Leute handeln und schreiben, wenn sie die Auflösung und Ersetzung der eigenen Kultur und Bevölkerung beabsichtigten? Was würden sie anders tun? Wer diese Frage in den Raum stellt, erhält selten entkräftende Gegenargumente, sondern stets nur Beschimpfung. Die deutschen Grünen sind die Leitpartei des Suizidalismus. Es macht Hoffnung, dass die FDP (im Bund) sich der Vierer-Ehe mit ihnen („Jamaika“) verweigerte.

Betonblöcke in Geschenkpapier

Die Bemühungen, sich dem selbst eingeleiteten Schicksal in den Weg zu stellen, haben etwas so Müdes wie verzweifelt Hilfloses an sich. Es ist mehr ein Ausklingen als ein Aufbruch.

In fast allen Städten jener Länder, die Merkel bei ihrer Welteinladung zur Seite stehen, werden dieses Jahr Betonblöcke von zweifelhafter Wirksamkeit um die Weihnachtsmärkte gestellt. Damit es aber nicht so hässlich ist, werden sie in einigen Städten allen Ernstes in Geschenkpapier gepackt.

Es ist so peinlich und lächerlich, dass es mir kaum noch möglich ist, darüber Witze zu machen. Also habe ich im Text „Betonblöcke in Geschenkpapier“ zu erörtern versucht, warum es nicht mehr zu persiflieren ist, und komme zum Schluss:

Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem Politik ihr eigener Witz ist. Ich muss anerkennen, diese Runde geht „humoristisch“ an Terror-Beton-Einwickler.
Betonblöcke in Geschenkpapier

Im Artikel erkläre ich übrigens, wie „Humor“ funktioniert. Wenn wir uns schon nicht darüber „lustig machen“ können, dann sollten wir zumindest etwas daraus lernen! In diesen Zeiten ist es extra nützlich, zu wissen, wie und warum man lacht.

Das ist es, was ein Mann so braucht

Matthias Reim wird heute 60 Jahre alt. Diejenigen von uns, die so alt sind, dass sie Landkarten aus Papier kannten, die haben auch noch bei Matthias Reims Superhit „Verdammt, ich lieb dich“ mitgesungen, vielleicht auch mitgetanzt.

Eine schöne Zeile daraus:

So langsam fällt mir alles wieder ein! Ich wollt doch nur ein bisschen freier sein. Jetzt bin ich`s, oder nicht?

https://www.youtube.com/watch?v=x6q0ciiqyG0

Ich wünsche Herrn Reim – und uns – Alles Gute!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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