18.10.2022

Unsere Filme, Teil 3 von 3

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten
Der deutsche Film hatte 100 produktive Jahre. Meisterwerke wie »Metropolis« prägten das kollektive Bewusstsein. Loriot arbeitete an der Definition des »Deutschen an sich«. Alles vorbei? Hmm. Ich will sentimental dankbar sein für die Filme, die wir haben.
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Diese Essay-Trilogie schrieb ich im Austausch mit meinen Twitter-Followern, siehe dazu die Antworten auf diesen und diesen Tweet. – Dankeschön!

Dies ist der dritte Teil dieser Trilogie – hier ist der erste Teil und hier der zweite.

Willkommen zum dritten Teil meiner Trilogie über unsere Filme. Im ersten Teil sprach ich über die Anfänge und ersten Jahrzehnte des deutschen Films. Im zweiten Teil sprach ich über humorvolle Ablenkung – und über »Bewältigungsfilme«. Dies ist der dritte Teil, und wir denken über den Status quo nach.

Sagen wir es geradeheraus: Die Geschichte des deutschen Films ist heute, etwa 100 Jahre nach ihren Anfängen, im Wesentlichen vorbei.

Der deutsche Film muss sich ja qualitativ ein Stück weit an internationalen Blockbustern messen lassen, und also braucht er finanzielle Förderung. Die deutsche Filmförderung fördert heute allerdings, so sieht es aus, mehr nach Diversity-Checklisten und politischer Linie – und die dafür Verantwortlichen, die sollten wahrscheinlich lieber »150-Prozentige« sein!

2019 wurde der Chef der hessischen Filmförderung gefeuert. Sein Vergehen? Er hatte sich zum Abendessen mit dem damaligen Chef einer Oppositionspartei getroffen, einem Professor der Wirtschaft übrigens, aber eben ein Professor mit dem falschen Parteibuch. Wenn so etwas in einem anderen Land oder einer anderen Zeit passiert, nennen wir es »Gleichschaltung«.

Ich erlaube mir, den »Der Schuh des Manitu« (2001) zu zitieren, und ich schließe mich an, wenn gesagt wird: »Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden.«

»Früher war mehr Lametta«, so heißt es im TV-Film »Weihnachten bei den Hoppenstedts« (1997) von Loriot.

Heute muss man sich als Filmemacher eher, frei nach dem Film »Männer« (1985) paraphrasiert und bildlich gesprochen, einen Papierhut aufsetzen, und auf den Stuhl steigen.

Der deutsche Film wurde 100 Jahre alt. Ein respektables Alter. Und doch verglimmt jetzt alles. Es ist, wie Theo Lingen in »Der Musterknabe« (1963) sagt: »Traurig, traurig, traurig.«

Natürlich ist es Ihr gutes Recht, das anders zu sehen – und gerade wenn Sie am gegenwärtigen traurigen Zustand des deutschen Films verdienen, werden Sie das womöglich anders sehen. Ich darf Ihnen dazu den Film »Didi, der Doppelgänger« (1984) zitieren: »Schreiben Sie es auf. Ich beschäftige mich später damit.«

Nicht witzig

Ich zitierte im ersten Teil dieser Trilogie den Witz von Heinz Erhardt, mit dem Beamtentum als Zeichen geistiger Krankheit.

Die Story jenes Filmes ist ja, dass ein Finanzbeamter geistige Verwirrung simuliert, was aber nur dazu führt, dass er politisch immer weiter aufsteigt. Der Verfassungsschutz würde heute Heinz Erhardt dafür in die Zange nehmen, wegen »Delegitimierung« der staatlichen Organe.

Witze über vermeintliche Schwächen des Geistes darf man nur noch reißen, wenn es gegen Abweichler und Regierungskritiker geht, dann aber gibt es Geld aus Steuern und Zwangsgebühren dafür. Du weißt, dass du einen deutschen TV-Krimi guckst, wenn sich die Suche nach dem Täter dadurch abkürzen ließe, die Verdächtigen nach ihrer politischen Neigung zu befragen.

Es wäre ja noch einfach, wenn Filme zu machen »nur« bedeuten würde, Slalom um die Zensur zu fahren. Es gilt ja noch immer die Weisheit, dass Satiren – oder Filme – die der Zensor versteht, zu Recht verboten werden.

Der moderne deutsche Propagandastaat versteht sich jedoch darauf, den Markt als Zensorgehilfen einzusetzen. Indem man politisch genehme Zeitungen und Filmemacher mit Steuern und Zwangsgebühren finanziell fördert, macht man es wirklich Kreativen schwer bis unmöglich, deutsche Filme zu produzieren, ohne dran pleitezugehen. Die deutsche Geschichte bewegt sich nicht genau in Kreisen, aber doch in Spiralen.

Deutschland steht übrigens nicht allein mit diesem Mechanismus – da gibt es aktuell noch eine ganz andere Dimension: Einst jagte McCarthy nach heimlichen Kommunisten in der Filmindustrie von Hollywood. Heute werden Hollywood-Filme für den globalen Markt gemacht, und das bedeutet auch und wesentlich für den chinesischen Markt.

Wer aber in China mitspielen will, darf nicht gegen die politischen Vorgaben Chinas agieren. Und so schreibt die Kommunistische Partei Chinas heute inoffiziell und indirekt, aber gewiss nicht heimlich, an Hollywoods Blockbuster-Drehbüchern mit – ähnlich wie die bekannten Parteien und Ideologen in Deutschland indirekt an neuen Drehbüchern mitschreiben.

Oder, wie es im Film »Zeit der Kannibalen« (2014) heißt: »Keiner hat mehr Spaß am Kapitalismus, außer den Chinesen.«

Dankbar sein!

Jedoch, ich will dankbar sein für die vielen guten Filme, die in den 100 Jahren des deutschen Filmes entstanden. Ich habe viele Filme davon gesehen, aber längst nicht alle!

Es ist überraschend, wie viele deutsche Filme im Internet zu finden sind, man muss sich nur die Zeit nehmen. Wie es so schön im Film »Im Juli« (2000) heißt: »Die schönsten Dinge im Leben sind umsonst.«

Dies sind nervöse Zeiten. Quasi in der Nachbarschaft herrscht Krieg. Der Film »Werner – Beinhart!« sah es schon im Jahr 1990 voraus: »Die Russen sind da.«

Und damit endet auch schon unsere Trilogie über unsere deutschen Filme. Wir haben viele Filme genannt, nicht wenige Filme zitiert, und doch haben wir kaum an der Oberfläche der Oberfläche gekratzt.

Sollte Deutschland morgen vorbei sein, etwa weil es von der EU absorbiert wird, oder weil es durch grünen Wahnsinn sich selbst den Strom abdreht, so würden einige Werte und Werke es verdienen, für nachfolgende Generationen zu bleiben.

Lasst uns unsere Filme neu entdecken.

Lasst uns dankbar sein für das, was existiert. Lasst uns in den Abgrund schauen und doch lachen.

Wir gedenken heute Loriots weiser Worte: »Die Welt geht unter, aber wir haben Senf, Wurzelbürsten und Badezusatz.«

Danke, Wegner!

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