Wovor genau hast du Angst?
Ich sage nicht, dass du heute keinen Grund für Angst hast, wahrlich nicht. »Angst ist ein Stück Lebenskraft«, schrieb ich 2018. Es bleibt wahr. Angst rettet Leben, deshalb ist sie uns angeboren!
Angst warnt uns vor einer Gefahr. Doch nicht immer können wir zuordnen, was genau der Auslöser der Gefahr ist. Der Jäger schleicht durch die Savanne. Der Jäger hat plötzlich ein »ungutes Gefühl«, und er sucht sofort Deckung. Das rettet ihm das Leben, denn erst nach einigem Spähen sieht er, dass im Gebüsch der Tiger wartet. Der Jäger muss wohl unbewusst das Fell oder die Augen des Tigers gesehen haben. Oder das Gras bewegte sich auf eine unübliche Weise. Oder er hörte das Knacken von Zweigen unterm schweren Tier.
Es hätte sich natürlich auch herausstellen können, dass der Auslöser seiner Angst eben nicht ein gefährlicher Tiger war, dass diesmal eben doch nicht der frühe Tod auf den Jäger lauerte. Vielleicht war es ein harmlos hoppelnder Hase. Vielleicht säuselte bloß in dürren Blättern der Wind.
Es kann natürlich sein, dass ein Mensch derart veranlagt ist, allzu oft Angst zu empfinden, wo gar keine entsprechende Gefahr besteht. So ein Mensch wird manche Chance und auch manche Freude verpassen, weil seine anlasslosen Ängste ihn lähmen.
Ein anderer Mensch könnte wiederum zu oft keine Angst empfinden, obwohl echte Gefahr sein Leben bedroht. Wir ahnen, wie das ausgehen wird.
Stellen wir uns aber einen Dritten vor, dessen Angst zwar sehr gerechtfertigt ist, doch der seine Angst auf die falsche Ursache zurückführt!
Die Angst miserabel lokalisiert
Wir denken hier womöglich an Propaganda-Opfer in heutigen westlichen Gesellschaften. Menschen spüren existenzielle Angst, und neutral betrachtet ist diese Angst gut begründet. Doch durch Gehirngewäsche wurden sie umgepolt: nicht die Ursache ihrer Angst als solche zu erkennen, sondern die Leute zu fürchten, die ebendiese Ursache benennen und aktiv vor ihr warnen.
Nochmal also die Frage: Wovor genau hast du Angst?
Hast du Angst vor der Transformation der EU zu einer verlogenen Amateur-Diktatur? (@KuptoKosmos, 16.04.2026)
Hast du Angst vorm nächsten Weltkrieg? Vorm Verheizen westlicher Söhne für nahöstliche Kriege? Vom großen Austausch?
Es wären alles plausible Ängste. Doch es sind alles Ängste, die wir uns durchaus zugestehen. Ich sehe aber – in mir wie auch den Mitmenschen – eine Angst, die uns quält, doch die wir uns meist nicht eingestehen wollen.
Petrus und die Apostel
Es ist die Angst vor einer bestimmten Art, zu denken und zu handeln.
Ein jeder von uns leidet – mancher mehr und mancher weniger – an der Angst, auch wirklich zu leben, woran man zu glauben vorgibt. Und wir leiden an unserer Zerrissenheit, zu der diese Angst uns treibt.
Welcher Christ traut sich denn, Apostelgeschichte 5:29 zu leben?
Da antwortete Petrus und die Apostel erklärten: »Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!«
Nennst du dich Christ und hättest doch Angst, diese maximale klare Anweisung zu leben? Du wärest nicht allein mit dieser Angst. Ich bin da bei dir, es geht mir ähnlich.
Doch wir sollten uns ehrlich eingestehen, dass Mitglieder anderer Denkschulen bisweilen weit weniger Angst davor haben, ihrer Vorstellung von Gott mehr zu gehorchen als »den Menschen« und ihren »menschlichen Gesetzen«.
Das ist womöglich die Angst, die du haben solltest: Die Angst davor, nicht getan zu haben, was zu tun dir aufgetragen war.
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Der Tiger wartet von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/der-tiger-wartet/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
