Du hättest damals getan, was du heute tust. (Das ist alles. Das ist der ganze Essay.)

Du hättest damals getan, was du heute tust.

Ja, das ist alles. Das ist der ganze Essay: Du hättest damals getan, was du heute tust.

Ich kann und ich werde ein paar Zeilen dazu schreiben, wie ich darauf komme. Ich lasse euch damit nicht ganz allein. Aber das ist im Prinzip der gesamte heutige Essay, den ich gern wiederholen kann, als wär’s ein Refrain: Du hättest damals getan, was du heute tust.

Besessene Nichtsnutze

Ein Teil des heute Relevanten habe ich bereits geschrieben, buchstäblich tausendfach.

Der andere Grund, warum ich nicht mehr sagen müsste – oder sollte –, ist schlicht, dass es womöglich gefährlich wäre, allzu deutlich zu werden. Ich habe in diesen Tagen per Video in die Augen von gewissen Leuten geblickt – und es durchfuhr mich kalt, denn ich sah: Das sind die Dämonen, die Menschen einst zum Beispiel in Vernichtungslager schickten oder in Gulags.

Mit »Dämonen« meine ich nicht die Menschen selbst. Ich meine das, wovon diese Menschen besessen und gesteuert sind – für Atheisten: »die Idee«. Es ist aber auch wahr: Wenn ein Mensch einmal besessen ist, dann ist er von jenem Dämon nicht unterscheidbar. In seinen Handlungen, seinen Äußerungen und manchmal auch im Blick.

Ob »Genosse Stalin«, ob einer der übrigen europäischen Diktatoren, stets brauchten sie willige Helfer, besessene Nichtsnutze, die ihre »Bedeutung« daraus bezogen, Mitmenschen zu demütigen, zu vernichten. Früher oder später bis zur (vorläufig) endgültigen Demütigung und Vernichtung: dem würdelosen Tod.

Die Täter werfen den Opfern vor

Der Vollständigkeit halber: Die deutsche »Erinnerungskultur« ist ja längst zu einer Waffe geworden. Die Täter von heute werfen ihren Opfern vor, die Täter von damals zu sein. Und wer Täter von damals ist, das hat uns Hollywood gelehrt, der darf vernichtet werden.

Ich beschrieb das deutsche »Nie wieder« einmal so:

Fred wurde von einem roten Auto angefahren und verletzt. Jetzt hütet er sich vor roten Autos – und ignoriert blaue, schwarze und silberne Autos, sowie LKW und Motorräder.
– Essay »Wider die Folgsamkeit«, 2018

Die Gefahr von damals ist aber eine Gefahr von heute, auch wenn sie heute in anderen Farben daherkommt!

Und die Gefahr von heute hat sich einen feinen Trick zurechtgelegt: Wenn die politischen Dämonen von heute attackieren, nennen sie sich wieder, wie immer, »die Guten«, und der Kampfschrei »Du bist der Dämon von damals!« ist ihnen Waffe und Schutzschild zugleich. Wirf dem anderen vor, wessen du selbst schuldig bist.

All das wissen wir aber. Deshalb konnte ich einen Essay aus dem Jahr 2018 zitieren. Deshalb soll es hier nur der Erinnerung dienen, der Auffrischung. Und es soll einen Kontext beschreiben für meine Nervosität heute.

Mit den bösen Geisterwesen

Ich sage nicht, wer genau mich solches empfinden ließ – und es war mehr als einer. Dämonen agieren und reagieren sehr aggressiv und sehr diesweltlich, wenn sie beim Namen genannt werden.

Es ist ja nicht so, dass wir nicht gewarnt worden wären! Paulus schreibt an die Epheser:

Denn wir haben nicht mit Wesen von Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den (überirdischen) Mächten, mit den (teuflischen) Gewalten, mit den Beherrschern dieser Welt der Finsternis, mit den bösen Geisterwesen in der Himmelswelt.
Epheser 6:12

Wenn ihr sagt, dass ich übertreibe, dann nennt ihr nicht mich einen Lügner, sondern den Heiligen Paulus. Und ihr erklärt nebenbei das Wirken Jesu und der Apostel für unnütz und Jesu Auftrag für hinfällig, denn Dämonen auszutreiben ist den Aposteln explizit aufgetragen (Matthäus 10:1, Matthäus 10:8, Markus 6:13, Apostelgeschichte 8:7 und weitere); das heißt: Dämonen sind real. Es gibt sie.

Und was für Nietzsches Abgrund gilt, gilt auch für Dämonen: Blickst du ihren menschlichen Vehikeln zu lange, zu tief in die Augen, könnte ihr Gift auch in deine Seele hineinträufeln.

Der ganze Essay

All das ist aber nur Anmerkung, Fußnote, Verästelung. Denn: Dass Dämonen eben Dämonen sind, das wissen wir. Was wir nicht wissen, was offen bleibt, ist die Frage, was du daraus machst.

Nicht dass sie »damals« diese oder jene Uniformen trugen, nicht einmal welches Unrecht und welches Land wir mit »damals« meinen, ist die Frage. Denn: »Damals« meint, wenn ich es sage, eine Zeit, in der böse Mächte mächtige Böse steuerten. In diesem Sinne aber erleben wir in diesem Jahrzehnt das Aufziehen eines neuen Damals.

Und deshalb sei dies heute der ganze Essay: Du hättest damals getan, was du heute tust.

(Und als implizierte, auffordernde Frage natürlich: Was tust du heute?)

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Der Essay Was du heute tust von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/was-du-heute/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!