Wir sehen das Bild: Ein Soldat im Libanon schlägt mit der Axt auf den Gekreuzigten ein. Es ist ein schmerzhafter Anblick. Macht euch nichts vor: Die Botschaft Jesu ist auch heute ein riesengroßes Ärgernis.

Es ist doch nur bemalter Gips oder geschnitztes Holz. Aus welchem Material auch immer es ist, es tut rund um die Welt weh – aber nicht jedem. Warum aber tut es uns weh?

Das gipserne Bild Jesu hängt nun mit dem Kopf nach unten. Seine Hände sind abgeschlagen. So hat man Ihn »vom Kreuz geholt«.

Es wird schlimmer.

Wir sehen einen Soldaten, der mit einer Axt auf den Kopf Jesu einschlägt.

Der Ort ist Libanon. Der Soldat gehört zur »IDF«, der »Israeli Defence Force«. Die Armee marschierte im Libanon ein, um sich vor der Hezbollah und ihren Raketen zu verteidigen. Und den Staat vor der Hezbollah zu schützen. Warum es dafür notwendig ist, das Bild des Gekreuzigten zu schänden, erschließt sich nicht unmittelbar.

Das Bild verbreitete sich via Soziale Medien, etwa @ytirawi, 19.4.2026. Mittlerweile hat jene Armee die Echtheit bestätigt (@IDF, 19.4.2026). Die Empörung wurde so groß, dass sogar der Mainstream darüber berichtet (welt.de, 20.4.2026).

Dieses Kruzifix hatte jahrelang im Libanon gestanden. Es diente den Christen im Libanon als Erinnerung an ihren Herrn und Heiland. Dann kamen die Soldaten, und aus bislang unbekannten Gründen sah man es als notwendig an, die Statue des Gekreuzigten zu zerschlagen – und die Zerschlagung zu dokumentieren.

Man will nun, so heißt es vonseiten der Verantwortlichen, den Vorfall untersuchen. Und das Verhalten sei »inkonsistent« mit den Werten jener Armee. Geeignete Maßnahmen würden gegen die Beteiligten ergriffen werden, passend zu den Ermittlungen der Untersuchung.

»Die erste Phase dieses Krieges hat Spaß gemacht.«, so hieß es letzten Monat noch in der Jüdischen Allgemeinen. Ich bin mir sicher, dass solche Aktionen nicht damit gemeint waren. Welche Strafe erwarten die Handelnden wirklich, wenn sie ihre Handlung dokumentierten und verbreiteten?

Es war Netanyahu (beziehungsweise seine lizensierte KI-Version), der dem Weltpublikum verkündete, dass Dschingis Khan »keine Vorteile« gegenüber Jesus Christus habe (siehe Essay »Ich werde nicht hassen«).

Er meint es im militärischen Sinne, so wurde uns versichert, und wir sollten darin eine Einschränkung sehen. Und doch fühlt es sich an, als würde die Schändung der Statue ebendiese Überlegenheit der Gewalt bebildern wollen.

Wir lesen nun, dass Netanyahu den »Zwischenfall« »aufs Schärfste« verurteilt (vol.at, 20.4.2026). Doch nicht die einzelne Tat ist das Problem. Ein Windstoß hätte ja ähnlichen Schaden anrichten können. Das Problem ist der Geist, der diesen Soldaten dazu bewegte – und durchaus konsistent mit dem Dschingis-Khan-Zitat ist.

Nein, entgegen mancher Behauptung beten Christen nicht die Statue an. Die Statue ist nicht Gott. Doch die Statue zeigt auf das Eigentliche.

Der Soldat, der die Statue des Gekreuzigten schändet, zeugt von seiner Wut auf eine Idee (womöglich weil er die Jesus-Statue im Geiste der »Noahitischen Gesetze« als »Götzen« ansieht). Ähnlich wie Christen die Statue als Erinnerung nutzen, um den eigentlichen Jesus anzubeten, schlägt der Soldat dem Bild des Gekreuzigten mit der Axt ins Gesicht, um denselben Jesus – oder dessen »Idee« zu treffen.

Will Dschingis Khan hier Jesus spüren lassen, wer wem gegenüber im Vorteil ist? Der Soldat handelte wohl nicht im Auftrag seiner Befehlshaber. Und doch ist der Hass auf die Provokation eines wehrlosen Gekreuzigten nicht ohne Vorbild und Parallele.

Weltweit kocht wieder die Wut auf Christen hoch, ob unzivilisiert durch Islamisten in Nigeria oder zivilisiert als Propaganda in Deutschland (de.catholicnewsagency.com, 14.8.2025).

Ja, die Botschaft von Christus dem Gekreuzigten ist der Welt auch heute ein riesengroßes Ärgernis (1. Korinther 1:22-24).

Nein, Christentum ist heute nicht der Glaube, den man wählt, um »es einfach zu haben«. (Dennoch wollen erstaunlich viele Leute im Einzugsbereich christlicher Werte leben.)

Es wurde uns versprochen, dass es so kommen würde, dass wir verhasst sein würden. Es ist unschön, aber nicht überraschend.

Es schmerzt mich, zu sehen, wie der Soldat auf Jesus einschlägt. Es tut mir ähnlich weh wie wenn Soldaten eine Kirche schänden oder Heiligenstatuen umfahren.

Es tut mir auch und besonders für den Täter weh: Was geht in einer Seele vor, die derart wütend ist, dass sie ihre Wut an der bebilderten Idee der Botschaft vom Gekreuzigten auslässt?

Ich ahne, dass diese Wut auch mich meint, dass auch ich von diesem Soldaten gehasst werden könnte. Ja, jeder, der den Gekreuzigten anbetet. Ich fürchte den Soldaten, und doch tut mir der Täter leid. Meine beste Hoffnung ist, dass er nicht weiß, was er tut (Lukas 23:34).

Ja, es tut uns weh und ist angsteinflößend. Doch wurde es uns prophezeit. Und zugleich wurde uns auch der Trost versprochen:

und ihr werdet allen um meines Namens willen verhaßt sein; wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.

Matthäus 10:22

Ja, lasst uns zuversichtlich sein: Die, die Kruzifixe zerschlagen und den Gottessohn meinen, werden nicht siegen, welchem Staat und welcher Idee sie auch gerade dienen mögen.

Harrt aus – und betet darum, dass wenn ihr fliehen müsst, es kein Feiertag und auch nicht der Winter ist.

E-Mail-Abo

Lassen Sie sich automatisch benachrichtigen, sobald ich hier etwas Neues veröffentliche! (Gratis, jederzeit abbestellbar.)

Der Essay Ein riesengroßes Ärgernis von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/ein-riesengrosses-aergernis/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!