Niemand hat die Absicht, Deutschland in einen aussichtslosen Krieg zu verwickeln. Klar, laut (wsj.com, 23.3.2026) ist Deutschland »passiv« daran beteiligt, Iran »in die Steinzeit« zu bomben (um den Iranern zu helfen, klar). Deutschland liefert die Waffen, die zwangsrekrutierten, armen Ukrainern in die Hand gedrückt werden (berliner-zeitung.de, 27.1.2026). (Und deutsche Politiker verraten auch weiter nicht, wie reich sie mit Kriegsaktien wurden – als Privatleute, klar (lokalkompass.de, 23.3.2024).)
Aber niemand, wirklich niemand hat die Absicht, deutsche Männer für Netanyahu, Zelensky oder irgendeinen Hedgefond in den sicheren Tod zu schicken. Oder wieder mal vergeblich zu versuchen, bis Moskau zu marschieren.
Es bedeutet also bestimmt nichts, dass seit Anfang des Jahres alle deutschen Männer im wehrhaften Alter ab 17 Jahren einen Antrag stellen müssen, um Deutschland für länger als 3 Monate zu verlassen (berliner-zeitung.de, 5.4.2026). Es gilt seit 1. Januar 2026, und es wurde bis kürzlich von der deutschen Öffentlichkeit ignoriert – bis ein Bericht der Frankfurter Rundschau das Thema ans Licht brachte (nzz.ch, 4.4.2026).
»Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten«, so sagte Walter Ulbricht einst. Dann wurde die Mauer gebaut.
Lässt sich die Leugnung des Mauerbaus von 1961 mit einer heutigen Leugnung von Kriegslust vergleichen?
Jein.
Heute leugnet die Politik ja gar nicht, dass sie scharf auf Krieg ist! Es sind wir Bürger, die wir uns einreden, dass die Politiker es doch bestimmt gut mit uns meinen.
Das gesamte System fördert Frauen und benachteiligt aktiv Männer – doch diese Männer sind es, die man in den Tod schicken will. Wenns ums Sterben für die Eliten geht, ist das »Patriarchat« plötzlich kein Problem.
Junge Deutsche, die aus dem Land fliehen ohne sich die Ausreise genehmigen zu lassen, werden spätestens bei der Verlängerung ihres Passes in Schwierigkeiten geraten.
Die Verschwörungstheorie drängt sich auch, dass die »rechtliche Mauer« um Deutschland nur in dieser ersten Phase für männliches Kanonenfutter gilt. In der nächsten Phase wird die Ausreisebeschränkung auf alle außer Rentner ausgeweitet werden – und ausreisenden Rentnern wird keine Rente ins Ausland gezahlt.
Deutschland hat sich de facto aus dem Wettbewerb als attraktive Heimat für Menschen und Unternehmen verabschiedet. Man errichtet »virtuelle Mauern« und »rechtliche Selbstschussanlagen« um Deutschland. Schon heute werden von auswandernden Bürgern verschiedene Wegzugssteuern gefordert. Es war essayistische Übertreibung, als wir sagten, dass Unsere Demokratie zur »DDR 2.0« wird.
In Deutschland wird bereits gescherzt, dass es sich für junge Deutsche empfiehlt – wenn sie im Land bleiben wollen –, kurz auszureisen, etwas südliches Flair anzunehmen, den Pass wegzuwerfen, wieder »illegal« einzureisen: kein Wehrdienst mehr, dafür lebenslang All-Inclusive. (Nein, ich sage nicht, dass das legal oder auch nur richtig ist; ich berichte von einem Witz, den man dieser Tage hört. Witze enthalten einen Kern schmerzhafter Wahrheit und dazu stets Verfremdung, um den Schmerz erträglich zu machen.)
In den letzten Jahren schrieb ich mit steigender Frequenz über das Böse. »Wieviel Teufel steckt in der Politik?«, fragte ich 2023. »Der größte Trick des Teufels«, so zitierte ich 2025, bestand darin, die Welt glauben zu lassen, dass er nicht existiert. Im Dezember schrieb ich vom Schock, »das Böse« im Denken und Handeln konkreter Mitmenschen zu entdecken.
Ich spüre und beschreibe schon länger, dass Böses in einem archaischen, biblischen Sinne aufzieht. Ich erschrak zunächst selbst davor. Wollte selbst nicht glauben, was ich in den Knochen sah.
Es sind Gestalten, die den Iran (93 Millionen Bürger, alte Kulturnation) eine »Pestbeule« nennen. Es sind andere Gestalten, die champagnersaufend ukrainische und russische Söhne und Väter in den Tod schicken. Es sind Gestalten, die täglich die Töchter des eigenen Landes für Migrationsprofite opfern. Glaubt keine Sekunde, dass diese Gestalten einen Skrupel dabei empfinden werden, eure Söhne und Väter für die nächste große Lüge irgendwo ausbluten zu lassen.
Weh allen, die sich noch immer darauf verlassen, dass die Regierenden das Wohl der Bürger im Blick haben. Heute spüren wir das Böse nicht nur in den Reden der mächtigen Marionetten. Das extra böse Böse schreibt inzwischen sogar an Gesetzen mit.
Es gilt, wieder und weiterhin:
Verlasst euch nicht auf Fürsten, nicht auf Menschen, die ja nicht helfen können! Geht der Odem ihnen aus, so kehren sie zurück zum Staube; am gleichen Tage ist’s aus mit ihren Plänen.
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Niemand hat die Absicht – aber schon mal die Mittel von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/aber-schon-mal-die-mittel/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
