Gute deutsche Raketen, böse russische
19.07.2024 · Lesezeit 3 Minuten · Bild-Titel: »Krieg, wann?«
Es ist gerade mal eine Woche her, da jubelte ich sarkastisch: »Hurra, wir bekommen Raketen!«
Beim NATO-Gipfel wurde angekündigt, dass Deutschland bald neue Raketen »geschenkt« bekommt. Von den USA. Tomahawk-Marschflugkörper und Überschallwaffen. Angeblich wegen der »Bedrohung aus Russland«. Tomahawks gelten als »Erstschlagswaffen«, die tief in feindliches Territorium eindringen können, allerdings mit einem Höchsttempo von bescheidenen 913 km/h. Überschallwaffen dagegen fliegen bis zu unglaublichen 8 Kilometern pro Sekunde.
Dies soll eine Reaktion sein, und zwar auf die aktuelle Bedrohung aus Russland. Das klingt so lange einigermaßen plausibel, bis man das Zieldatum bedenkt: 2026.
Wenn die Gefahr jetzt besteht, warum reagieren die erst 2026?
Es war ein Rätsel – bis jetzt!
»Moskau droht mit Aktivierung von Atomraketen«, so lesen wir aktuell bei n-tv.de, 18.7.2024.
Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow wird zitiert: »Durch das Verschulden der BRD, vor allem aber der USA, die an der Spitze der NATO stehen, ist das System der Vereinbarungen im Bereich der Rüstungskontrolle völlig zerstört worden«. – Und deshalb werde man eine Reaktion »ohne innere Hemmungen« erwägen.
»Ohne innere Hemmungen« – das erinnert an die roten Linien, welche Olaf Scholz nicht mehr kennen will. Kanzler Erinnerungslücke sagte es im Kontext der Corona-Panik. Und Russland will auf die Stationierung der Erstschlagswaffen in Deutschland »ohne innere Hemmungen« reagieren – zum Beispiel, indem sie ihre Atomraketen »aktivieren«.
»Aktivieren« bedeutet hier, dass zum Beispiel die Raketen für die Atomsprengköpfe betankt werden, die Systeme alle getestet und neu gewartet, sprich: dass Russland sich für einen ordentlichen Atomkrieg bereit macht – ein Atomkrieg auf Knopfdruck.
Gut, wenigstens verstehen wir jetzt, warum es die deutschen Tomahawk-Raketen in Deutschland braucht. Es ist eine logische Reaktion darauf, dass die Russen ihre Nuklearraketen »aktivieren« wollen.
Die Russen reagieren auf die Deutschen (»Verschulden der BRD«), nachdem die Deutschen auf die Russen reagierten (»russische Bedrohung«). Natürlich denken wir hier an verschiedene logisch-paradoxe Metaphern: ans Möbius-Band, an ein Perpetuum mobile, an die Schlange Ouroboros, die sich selbst frisst, also von sich selbst gefressen wird.
Diese Ouroboros-Schlange kennen wir aus unterschiedlichen Kulturen. Eine der frühesten uns bekannten Darstellungen finden sich bei den alten Ägyptern, etwa am Sarg des Tutanchamun.
Und ähnlich, so scheint es, existieren auch jene menschlichen Fehler, die Gesellschaften in den Krieg treiben, in allen Kulturen, seit jeher. Den Krieg zu überwinden würde erfordern, jene Fehler in der menschlichen Psyche zu überwinden, die den Krieg entstehen lassen.
Ach, lasst uns damit beginnen, die Fehler in der eigenen Psyche zu fixen – und gleich dann fixen wir die Fehler in der Psyche der gesamten Menschheit.
Weiterschreiben, Wegner!
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