Ein altes Bonmot: »Ich habe Shakespeare gelesen. Keine Ahnung, was daran besonders sein soll. Es ist halt ein berühmtes Zitat nach dem anderen.«
Der Witz hier liegt natürlich darin, dass es eben Shakespeare war, der diese »Zitate« erfand. Und Shakespeare zu lesen (oder natürlich auf der Bühne zu erleben) bedeutet, das Original der Zitate zu erleben.
Ich habe dieses Jahr das berüchtigte Buch Remigration: Ein Vorschlag von Martin Sellner gelesen (siehe antaios.de).
Ich wollte es eigentlich schon vor Monaten rezensieren, doch ich schob es immer wieder auf. Das Jahr 2025 neigt sich seinem Ende zu, und »Remigration« ist definitiv einer der Kandidaten zum wahren »Wort des Jahres«.
Ich schob die Besprechung von »Remigration: Ein Vorschlag« auf, weil ich ein Problem mit dem Buch habe – lasst mich erklären!
Mittelfristig beenden
Mein »Problem« mit jenem Buch ist, dass ich in Anlehnung an jenes Bonmot sagen könnte: »Ich verstehe nicht, was daran besonders sein soll. Es ist halt eine Selbstverständlichkeit nach der anderen.«
Statistiken zur »Ersetzungsmigration«. Präzise Definitionen. Zahlen zu verschiedenen Migrantengruppen. Keine einzelne Stelle ist der »Skandal«, zu dem Buch und Thema gemacht wurden.
Was aber schreibst du über ein Buch, dessen Kapitel und Ideen dir wie selbstverständlich klingen? (Die Antwort lautet natürlich: Man untersucht die Selbstverständlichkeit.)
Zum Beginn des sellnerschen »Vorschlags« steht schlicht die Umsetzung der aktuellen Rechtslage:
Eine konsequente Anwendung und Reform des Asyl- und Aufenthaltsgesetzes würde bereits das Aufenthaltsrecht von Millionen Migranten mittelfristig beenden.
– Martin Sellner, Remigration: Ein Vorschlag, S. 63 (meine Hervorhebung)
Ach, man seufzt: Seit dem Unrechtsjahr 2015 gilt die Umsetzung geltenden Rechts in Deutschland als »rechtsextrem«.
Erst einmal übernehmen
Der »Vorschlag« des Martin Sellner ist eigentlich eine Summe vieler einzelner Vorschläge. Die hysterischen Reaktionen des deutschen Propagandastaates auf jenes Buch und das Thema Remigration allgemein müssen mit Lügen, Falschbehauptungen und Hysterie arbeiten, denn die Wahrheit ist, dass Sellner gleich in den nächsten Sätzen versichert:
Selbstverständlich gilt der Rückwirkungsschutz. Auch eine patriotische Regierung muss das bittere Erbe der verfehlten Migrationspolitik erst einmal übernehmen.
– Martin Sellner, Remigration: Ein Vorschlag, S. 63 (meine Hervorhebung)
Sellner wiederholt bisweilen bloß, was Politiker vor jeder Wahl versprechen; etwa:
Straffällige Ausländer sind sofort auszuweisen.
– Martin Sellner, Remigration: Ein Vorschlag, S. 63 (meine Hervorhebung)
Der Unterschied zwischen Politikern und Sellner samt seinem Publikum ist natürlich, dass die »Mächte hinter den Mächtigen« Sellner vermutlich abnehmen, es auch ernst zu meinen. (Sogar der deutsche Staatsfunk wirkt verwundert, wie viele Wahlversprechen von Herrn Merz gebrochen wurden, siehe zdfheute.de, 2.5.2025.)
Denken wir nur an eine gewisse Angela Merkel des Jahres 2002, welche im Bundestag zustimmend zitierte: »Das Maß des Zumutbaren ist überschritten.« (siehe YouTube)
Im sechsten Kapitel »Remigration moralisch« arbeitet Sellner heraus, was ich die Relevanten Strukturen nenne:
Logistische und juristische Argumente gegen Remigration sind oft Vorwände für eine versteckte moralische Kritik. Die Forderung, zahlreiche Illegale abzuschieben und langfristig die Demographie unserer Heimat zu normalisieren, wird gerne pauschal als »unmenschlich« dargestellt. Wer das tut, übernimmt damit die Perspektive Fremder und bewertet deren Interesse höher als unseres.
– Martin Sellner, Remigration: Ein Vorschlag, S. 126 (meine Hervorhebung)
Wenn Sellners Buch einfach nur eine Selbstverständlichkeit nach der anderen ist, dann ist diese moralische Analyse die selbstverständlichste der Selbstverständlichkeiten.
Wenn ein Land das Wohlergehen von Fremden höher bewertet als die Interessen des eigenen Volkes und Landes – wohlgemerkt während die meisten übrigen Länder und Völker ihr Volk und Land als maximal relevant behandeln –, dann wird dieses Land und Volk eben aufhören zu existieren.
Sellner will diese Selbstverständlichkeit nicht als »alternativlos« akzeptieren. Nein, das Überleben Deutschlands hängt nicht nur davon ab, dass Deutschland die Leute aus Deutschland hinausbringt, die laut Gesetz und Vernunft eigentlich gar nicht in Deutschland sein sollten. Auch die Rückabwicklung der aktiven De-Industrialisierung und der suizidalen Energiepolitik wird Jahrzehnte dauern, wenn der eigentlich abgefahrene KI-Zug überhaupt eingeholt werden kann (es würde vermutlich u. a. eine Loslösung vom EU-Reglementierungsterror benötigen).
Wer nicht kämpft
Zu Sellners »Vorschlag« kommt ein berühmtes Zitat (von ich weiß nicht wem) in den Sinn: »Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, der hat schon verloren.«
Das aber ist ein Geist, den ich mir auch persönlich für manches eigene Vorhaben anzueignen wünsche. Bisweilen ergeben Mutmachsprüche durchaus pragmatischen Sinn: Wenn das Gegenteil ein totales Desaster wäre, dann gehe davon aus, dass es gelingen kann – und daraus beziehe deine Motivation.
Oder in den Worten, in denen Sellner sein Buch schließt: Remigration wird unser Land ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich darauf.
(Martin Sellner hätte sein Buch ja auch nennen können: »Remigration – wir schaffen das!«)
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Der Essay Remigration, das Buch von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/remigration-selbstverstaendlich/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
