Ich kann und will heute das Dilemma unserer Zeit vorlegen, anhand einer Handvoll aktueller Postings und Meldungen.
Auf X wird aktuell gefragt:
Was muss sich ändern, damit die Deutschen wieder mehr Kinder bekommen? (@DieKetzerKirche, 21.07.2025)
Auf Reddit (reddit.com, 21.7.2025) beschreibt ein amerikanisches Paar, beide 26 Jahre alt, wie sie ein gesundes Kind zur Adoption freigaben – weil sie es sich schlicht nicht leisten konnten.
Die beiden leben schon jetzt mit staatlicher Unterstützung (»food stamps«) in keiner guten Umgebung: in einer der teuersten US-Städte. Die Mutter weinte für eine Stunde, beiden tut das Herz weh. Immerhin wissen sie, dass es das Kind in der neuen Familie gut haben wird.
Wohl des Volkes und so
Ja, arme Paare im Westen »verschenken« ihre Kinder (geben sie zur Adoption frei) an reichere Paare.
Oder sie bekommen die Kinder gar nicht erst. Ich habe erst letztens darüber geschrieben, mit dem provokativen Titel: »Geburtenrate sinkt, na und?«
Mein Essay sprach über die neue Statistik, wonach die Geburtenrate deutscher Frauen auf 1,35 gesunken ist. 2,1 Kinder pro Frau wären das Minimum, um als Volk nicht auszusterben.
Wenn keine große Verschwörung existiert, welche die Deutschen aktiv aussterben sehen will, dann müsste ein Staat aktiv Maßnahmen ergreifen, um das eigene Volk am Aussterben zu hindern.
Ihr wisst schon: »Wohl des Volkes mehren« und »Schaden vom Volk abwenden« und so weiter: der Amtseid – oder sollen wir Amtsmeineid sagen?
Nun, die Politik reagierte nicht auf die Meldung, zumindest nicht so laut, dass ich es mitbekommen hätte. Das überließ sie der Propaganda.
So schlimm sind Kinder
Der Staatsfunk postet – auf Instagram und damit offenbar gezielt an junge Menschen gerichtet – Propaganda-Plakate, welche junge Eltern davon abhalten sollen, ebensolche zu werden. (quarks.de auf instagram.com, 20.7.2025)
»Das machen Kinder mit deinem Schlaf«, droht ein Plakat: (Der Vater) »Schläft im Schnitt 15 Minuten weniger pro Nacht.«, und: (Die Mutter) »Schläft besonders in der Anfangszeit im Schnitt eine Stunde weniger pro Nacht. Vor allem, wenn sie stillt.«
Weiter, als »Liste«:
»DAZU KOMMT: Schlafqualität nimmt ab: häufiges Aufwachen, Einschlafprobleme, nicht erholsame Ruhe. Schlaf ist auch sechs Jahre nach Geburt nicht auf dem Niveau vor dem Kind.«
Nächste Seite dann Horrormeldungen zu Finanzen mit Kindern, unter anderem dass die Mutter durch ein Kind »im Durchschnitt 10.500 Euro pro Jahr« verliert, der Mann immerhin »nur« 7.000 Euro jährlich. Und dass ein durchschnittliches Kind insgesamt 150.000 Euro »kostet«.
Nächstes Bild fragt, ob Eltern glücklicher sind, und die zynisch-bittere Antwort des Staatsfunks lautet: erst wenn die Kinder aus dem Haus sind.
Das vierte Bild stellt Horrorbehauptungen über die Gesundheit der Eltern auf. In Kürze: Babys voll doof für die Gesundheit. (Nota bene: Die Propaganda führt hier »psychische« Gesundheit mit körperlicher Gesundheit parallel. Man sollte sich dessen bewusst werden, dass heute jede Unpässlichkeit oder Anstrengung als abträglich für die »psychische Gesundheit« gedeutet wird – und als Problemlösung immer etwas, was Konzernen zugute kommt.)
Übrigens: Noch 1950 lag die Total Fertility Rate der Bundesrepublik exakt auf der »Ersatzniveaugrenze« von 2,1 (siehe Wikipedia). 1951 sank sie wieder. 1954 war sie wieder etwa auf Überlebensniveau von 2,51. Der höchste BRD-Wert jemals wurde 1964 gemeldet.
Als bräuchte es noch einen Beleg dafür, dass die 1968er-Bewegung ein globaler Ego-Trip war, der direkt zur Zerstörung des Westens führte: 1970 war die Rate plötzlich bei 1,99 – und sank seitdem fast kontinuierlich.
Die dennoch geboren werden
Es ist geradezu ein Wunder und ein Beleg für die Kraft angeborener Triebe (und Träume!), dass einige Menschen immer noch Kinder in die Welt bringen. Eine Quote von 1,35 ist immerhin über Null.
Und die Kinder, die in Deutschland dennoch geboren werden: Was für ein Leben haben sie denn vor sich?
zdfheute.de, 24.01.2025 titelt: »Mehr Gewalt an deutschen Schulen – Fast zwei Drittel von befragten Schulleitern in Deutschland geben an, dass psychische oder physische Gewalt an seiner Schule steigt.«
Wer sich mit Lehrern unterhält, erfährt schnell, von wem die Gewalt ausgeht. Und warum so viele Lehrer sich danach sehnen, sich so früh wie möglich pensionieren zu lassen – und, wenn irgendwie möglich, das Land zu verlassen.
Nach welchem Plan?
»Was muss sich ändern, damit die Deutschen wieder mehr Kinder bekommen?«, war die Frage zu Anfang unserer heutigen Überlegung.
Die Antwort: Viel, sehr viel.
Entweder die Verantwortlichen sind blind und blöd – oder sie sehen es und lassen es aktiv zu. Oder sie wollen es so, und alles läuft nach Plan.
Wenn die Dinge aber nach deren Plan laufen, was ist dein Plan?
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Was muss sich ändern? von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/was-muss-sich-aendern/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
