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Wie schnell kann sich ein Mensch bei den Autoritäten unbeliebt machen?
Gestern, am Palmsonntag, berichteten wir, wie die Menge jubelte und »Hosianna!« rief, als Jesus auf dem Esel reitend in Jerusalem eintraf.
Vertun wir uns nicht: Wenn die Menschen dir zujubeln, dann werden die Mächtigen immer nervös. Außer natürlich, du bist nur eine Marionette, mit der die Mächtigen von ihrer nächsten Schweinerei ablenken.
Was aber tust du, wenn die Autoritäten wegen deiner Popularität nervös werden?
Richtig, du legst dich mit ihnen so richtig an! Zumindest wenn du Jesus bist.
Die der Rest der Welt
Heute, am Montag der Karwoche, beschließt Jesus, »den Tempel zu reinigen«.
Jesus ging dann in den Tempel Gottes, trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und kauften, warf die Tische der Geldwechsler und die Sitze der Taubenverkäufer um und sagte zu ihnen: ›Es steht geschrieben: ›Mein Haus soll ein Bethaus heißen!‹ Ihr aber macht es zu einer Räuberhöhle!‹
– Matthäus 21:12-13
Wie würde das Umwerfen der Tische der Geldwechsler wohl heute kategorisiert werden? Aktivismus? Terrorismus? Antisemitismus? Interne Streitigkeit, die der Rest der Welt besser ignoriert?
Das Umwerfen der Tische im Tempel wird aus gutem Grund die Reinigung des Tempels genannt. Die Reinigung von allem, was den Tempel entweiht.
Von außen, von innen
Täuschen wir uns nicht: Auch heute wird manche Kirche entweiht, sei es durch Gotteslästerung im Auftrag der Kirche selbst, durch Häretiker und Provokateure, durch unbekannte junge Männer oder durch bekannte Soldaten.
Doch die gefährlichste Entweihung des Tempels scheint mir die innere Entweihung zu sein. Attacken von außen sind vergleichsweise einfach zu erkennen. Und sie mobilisieren den Widerstand auch bei Leuten, die sonst wenig mit der Kirche zu tun haben. (Man beachte etwa die globale Empörung, als es dem Lateinischen Patriarchen verboten wurde, zu Palmsonntag die Grabeskirche zu betreten (politico.com, 29.3.2026). Auch Säkulare und Ungläubige spürten weltweit, dass hier etwas arg Unheiliges geschieht.)
Die Entweihung des Tempels von außen weckt Widerstand, ganz natürlich und menschlich. Der Entweihung von innen hingegen ist viel schwieriger zu begegnen. Welche Tische gilt es umzuwerfen, wenn es Gottesmänner in apostolischer Tradition sind, die heilige Türen für unheilige Häresie öffnen?
Und wo finden wir den?
Was und wer ist der Tempel heute, den es von Entweihung zu reinigen gilt? Es ist zuerst natürlich die Kirche, in beiden Bedeutungen des Wortes.
Doch es ist so naheliegend wie lehrreich – inspiriert von 1. Korinther 6:19 –, auch uns selbst als den Tempel zu begreifen.
Was entweiht meine Seele? Wo hat dieser Tempel eine Entrümpelung nötig?
Und wer soll die Entrümpelung übernehmen?
Genau der, der auch damals den Tempel gereinigt hat.
Und wo finden wir den?
Im Tempel – steht doch da! (Und zwar möglichst in einem, in dem es geweiht, sprich: traditionsnah zugeht.)
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Der Essay Welche Tische gilt es umzuwerfen? von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/welche-tische/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
