Die Verhütung durch »die Pille«, sprich: Hormone, verändert laut neuen Studien das Gehirn, die Gefühle und die Erinnerung. Man fragt sich, was sonst noch in unser Denken eingreift! (Und wie »frei« der Mensch wirklich in seinen Gedanken und Gefühlen ist.)

Frauen neigen häufiger zu »linken« Standpunkten. Das ist nicht bloß deine oder meine Wahrnehmung, das ist statistisch belegt (news.gallup.com, 7.2.2024, bbc.com, 23.8.2025).

Ich habe eben »linken« vor den Standpunkten in Anführungszeichen geschrieben, denn natürlich ist Linkssein heute etwas sehr anderes als im vergangenen Jahrhundert (und damit: Jahrtausend). Heute steht »links« für emotionalisierten, außer-rationalen Gehorsam. Die tatsächlichen Inhalte »linker« Standpunkte können einander widersprechen oder auf Befehl wechseln. Es sind nicht die Inhalte, die einen Standpunkt »links« machen, sondern die Kombination aus Autoritätshörigkeit und primitiver Emotionalität (Angst, Ausgrenzung von Andersdenkenden). Und ja, derart »linke« Politik wird statistisch häufiger von Frauen unterstützt.

Weiter hochdrehen!

Wenn ihr nun meint, liebe Leser, diese ersten beiden Absätze in Kombination seien bereits schwierig oder kontrovers, lasst mich die gefühlte Raumtemperatur weiter hochdrehen!

In ernsthaften wissenschaftlichen Studien mit Gehirn-Scans hat sich gezeigt, dass die regelmäßige Einnahme der sogenannten Anti-Baby-Pille (ein Kompositum wie eine Waffengattung!) die Gehirne der derart verhütenden Damen konkret verändert. Siehe etwa apa.org, 01.09.2025: »How birth control pills affect the brain«, und ganz aktuell neurosciencenews.com, 29.8.2025: »Hormonal Contraceptives Influence Memory of Emotional Events« (Studie veröffentlicht in Hormones and Behavior, Okt. 2025, siehe sciencedirect.com).

Diese messbaren Veränderungen aber – und das ist ja das Interessante! – gehen mit verändertem Fühlen und Erinnern einher.

Veränderungen gehen einher

Hormonell verhütende Frauen, so die Forscher, reagieren zum Beispiel emotional intensiver auf emotional stimulierende Bilder. Interessanterweise konnten sie sich weniger detailliert an negative Ereignisse erinnern. Und diese Veränderungen gehen einher mit messbaren Veränderungen des Gehirns.

Es ist ja schon länger bekannt, dass der Beginn der Verhütung durch »die Pille« bereits im Jugendalter unter anderem die Größe des Hippocampus und der Grauen Substanz beeinflusst (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov, 8.9.2024), was übrigens auch einen Einfluss auf den Umgang mit Angst hat.

Könnte also nicht nur die spezielle Struktur des weiblichen Gehirns, sondern dazu die massenhafte Einnahme der Pille einen Einfluss auf politische Einstellungen von Frauen haben?

Nicht Frauenkleider und Schminke

Nun, ein Zyniker würde sagen: Wenn die Pille zu verstärkten emotionalen Reaktionen führt, aber auch zur Verdrängung negativer Erfahrungen, dann wären damit womöglich die Teddybär-Werferinnen und »Willkommensklatscherinnen« von 2015 erklärt.

Ein Realist könnte hier auch anmerken, dass solche Untersuchungen auch ohne das Thema »Hormonpille« die Unterschiedlichkeit weiblicher und männlicher Gehirne belegen und damit nebenbei den Trans-Irrsinn widerlegen: Nicht Frauenkleider und Schminke oder gar Operationen, sondern wohl eher der Austausch des Gehirns und ein ganz anderer Hormonhaushalt würden einen Mann wirklich »zur Frau machen«.

Wenn ihr euch bis hierhin in diesen Essay hineingearbeitet habt, kocht euer Blut vielleicht, ob aus zustimmender Empörung – oder aus Wut über meine Dreistigkeit, diese Erkenntnisse und Thesen so locker flockig aneinanderzureihen.

Ein paar logische Schritte

Erlaubt mir hier also eine finale Volte! Denn: Es sind nicht speziell die weiblichen Hormone, die mich beschäftigen. Nicht die Hormonpillen, und nicht sonstiges hormongesteuertes Verhalten – ob bei Männlein oder Weiblein.

Die Lehre, die ich für mich (als schreibender Mann) und damit für euch (als Leser in unterschiedlichen Lebenslagen) daraus ziehen will, ist allgemeiner – und brutaler. – Geht bitte mit mir ein paar logische Schritte ab!

Prämisse: Es ist belegt, dass ein Mensch in unterschiedlichen hormonellen Zuständen zu unterschiedlichen Bewertungen derselben Situation gelangen kann.

Daraus folgt: Es ist realistisch vorstellbar, dass ein Mensch innerhalb eines Zeitraums von einigen Monaten, vielleicht innerhalb von nur Wochen oder sogar nur Stunden, zu alternativen, sogar einander widersprechenden Einschätzungen derselben Situation gelangen kann.

Das aber scheint zu belegen: Das spontane Denken (und Fühlen!) des Menschen ist weit mehr von außen beeinflusst, als ihm bewusst ist. Damit ist der »spontane« Mensch aber viel weniger frei, als ihm bewusst ist!

(Und ja, natürlich fragt man sich, welche anderen in der Bevölkerung verteilten Stoffe außerdem das Denken und Fühlen der Menschen manipulieren …)

In derselben Lage eine Schlägerei

Dass dein Gehirn von äußerer Stimulierung in seiner Struktur und Funktionsweise beeinflusst wird, gilt für Männlein wie für Weiblein. Und wenn Person A als Reaktion auf Gefahr in Tränen ausbricht, während Person B in derselben Lage eine Schlägerei anzettelt, dann ahnen wir, welches reagierende Gehirn welchem Geschlecht angehörte (und wenn es anders ist, verspüren wir Irritation oder sogar Abscheu).

Diese Unterschiedlichkeiten sind aber nicht mein Thema heute, sondern: Der Mensch muss denkend zu der Erkenntnis gelangen, dass sein Denken und Fühlen, dass seine emotionalen und damit moralischen Einschätzungen von Zuständen abhängen, die das Gehirn in dem Moment nicht beeinflussen kann. Ja, sogar deine Erinnerungen und damit die Faktenlage sind abhängig von Hormonen und anderen »äußeren« Einflüssen.

Mal hierhin und mal dorthin

Was also tun? Ist unser Denken wirklich dem Zufall ausgeliefert, umherwehend wie Spreu im Wind? Wie Wellen auf dem See, mal hierhin und mal dorthin wandernd, wohin gerade die Brise weht?

Jein.

Der Mensch ist frei, als Alternative zur Beliebigkeit ein »Gerüst« zu wählen, das über den Tag hinaus Bestand hat. Ja, es sollte ein fertiges, möglichst seit vielen Generationen bewährtes Gerüst sein. Nein, es ist aussichtslos, sich selbst ganz allein ein moralisches Gerüst zu bauen. Allein sein eigenes moralisches Gerüst zu bauen, ist etwa so aussichtsreich, wie selbst und allein ein mehrstückiges Haus planen und bauen zu wollen – ohne Ausbildung in Architektur, Statik, Baurecht, Elektro und so weiter.

Man könnte meinen, dass moralische und ideologische Gerüste zwingend eine Unfreiheit darstellen, doch das ist ein geradezu teuflischer Denkfehler.

Der größte Trick des Teufels bestand bekanntlich darin, die Welt glauben zu lassen, dass er nicht existiert (siehe dazu Essay vom 14.7.2025). Der andere große Trick aber bestand darin, die Menschen glauben zu lassen, dass stets ihren eigenen, spontanen Eingebungen und Ideen zu folgen »Freiheit« sei.

Wichtig und notwendig

Wenn du ein moralisches Gerüst wählst (neudeutsch: ein Framework), dann hast du diese Entscheidung bewusst getroffen, und damit warst du darin frei. (Wenn deine Eltern aus guten Gründen diese Entscheidung für dich trafen, ist es wichtig und notwendig, dass du diese Entscheidung später selbst prüfend hinterfragst und entweder bestätigst – oder korrigierst.)

Wenn du aber kein moralisches Gerüst wählst, wenn du vielmehr deine Bewertungen »spontan«, »nach Bauchgefühl« und »intuitiv« triffst, dann bist du tatsächlich eine Marionette deiner Hormone und anderer Zufälligkeiten.

Die Freiheit der Murmel

Der Mensch mit gewähltem und gründlich erforschtem Wertegerüst ist wie ein Wanderer, der bewusst seinen Weg wählt und sich dann Schritt um Schritt den Berg erarbeitet.

Der »spontane« Mensch aber ist wie eine fallengelassene Murmel, die zufällig die Straße entlangkullert, hier und dort abprallend – um schließlich in der Kanalisation zu landen, zusammen mit all den übrigen »spontanen« und »intuitiven« Murmeln.

Ich halte an dieser Stelle kein Plädoyer für diese oder jene medizinische Maßnahme (unabhängig davon, ob ein von mir gewähltes Framework eine bestimmte Bewertung vorgibt). Ich rede hier über die Tatsache, dass dein Gehirn und damit dein Fühlen, dein Denken und deine Erinnerung von Faktoren außerhalb des Gedachten beeinflusst werden können.

In Wahrheit ganz anderen

Wenn du dich zuerst oder zuletzt auf dein Denken und Fühlen im Moment verlässt, bist du in etwa so »frei«, wie das Blatt im Wind »frei« ist.

Irgendwem musst du dienen, mein Sohn, so sang Bob Dylan und so schrieb ich 2018, und es gilt für Töchter und Söhne gleichermaßen.

Irgendwem wirst du dienen. Wähle (und dann studiere) dein moralisches Gerüst, sprich: wem du »dienst«.

Nur lass die Instanz, der du »dienst«, nicht dein »Bauchgefühl« oder deine »Intuition« sein, denn das würde bedeuten, in Wahrheit ganz anderen Mächten zu dienen.

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Der Essay Der andere große Trick von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/spontan/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!