Vor zehn Jahren zeigte Merkel der Welt ein freundliches Gesicht – es folgten Leid und irreparable Schäden für Deutschland. Die Lehre: Mancher, der freundlich grinst, trägt ein Messer in der Tasche (oder lässt dessen Benutzung ahnen).

Vor vielen, vielen Jahren, als Leute noch Sachen wie »Funk und Fernsehen« sagten (und es nicht Schmach und Schande sondern ein Ruhmesgrund war, »bekannt aus Funk und Fernsehen« zu sein), damals also traf ich einmal die Frau Merkel.

Und, wisst ihr was? Die Frau Merkel war nett.

Ja, Frau Merkel war nett, dazu freundlich und sogar etwas schüchtern. Ich war im Schlepptau wichtiger Leute unterwegs. Die wichtigen Leute bestanden alle darauf, der CDU-Vorsitzenden die Hand zu schütteln, also drängten sie sich vor.

Frau Merkel aber sah mich, wie ich in dritter Reihe da in der Weltgeschichte herumstand, und sie bestand darauf, auch mich persönlich zu begrüßen.

Ich fand das nett. Ja, der Frau Merkel war es offenbar seit jeher wichtig, ein freundliches Gesicht zu zeigen.

Und dann, nach Schröders Totalausfall, wurde Frau Merkel die Kanzlerin der Deutschen (zumindest formal).

Uff.

Kein deutscher Politiker seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs richtete so viel Schaden an wie sie. Kein Politiker brachte so viel Leid und nachhaltige Zerstörung über die Bundesrepublik Deutschland wie die nette Angela Merkel.

Aber ich kann euch versichern: Nett ist sie, die Frau Merkel.

Was aber war eigentlich vor der Bundesrepublik Deutschland? Nun, da gab’s den »Führer«. Von diesem existiert meines Wissens übrigens genau eine private Audio-Aufnahme. (Auf YouTube zu finden, mit den naheliegenden englischen Schlagwörtern.)

Und wisst ihr was? Auf dem heimlich aufgenommenen Tonband klingt der Herr A. H. durchaus anders als das aus dem Geschichtsunterricht bekannte Gekreische. Selbstkritisch ist er, wie ein netter Nachbar, der Weltpolitik erklärt. Im Tonfall erinnert er mich an jene Politiker, die gern den »kumpelhaften Erklärbären« geben.

Privat war er auf jeden Fall nett, der Herr Hitler. Ein Herr zum Zuhören und Vertrauenschenken. (Damals gaben sich Politiker wohl öffentlich aggressiv und privat waren sie kumpelhaft – heute ist es eher andersherum.)

Doch es sind wahrlich nicht nur die Großen! Im Widerspruch von Auftritt und Moral tun es die Öchslein gern den Jupitern nach.

Der hinterhältigste Mensch, den ich selbst privat kenne, gilt gemeinhin als nett und freundlich. Der egozentrischste Mensch hält sich für einen großen Wohltäter und so weiter. Doch solches ist ja nicht nur in meiner Umgebung der Fall! Wenn ein Massenmörder oder Kinderschänder auffliegt, berichten die Nachbarn regelmäßig und zuverlässig, wie freundlich und hilfsbereit er doch im privaten Umgang war.

In diesen Tagen jährt sich zum zehnten Mal der Beginn der Zerstörung der Bundesrepublik durch Angela Merkel. Das Unrechtsjahr 2015 ist ein Jahrzehnt her, doch die Folgen sind täglich aufs Schmerzhafteste gegenwärtig.

Es wurde ja alles dazu gesagt, und es wird weiter gesagt werden, denn es muss gesagt werden. Erlaubt mir deshalb bitte, nur diese eine zusätzliche Lehre aus dem Jahr 2015 vorzutragen: Von Freundlichkeit auf moralische Qualität zu schließen, ist einer der folgenreichsten Irrtümer, den ein Mensch bzw. eine Gesellschaft begehen kann.

Ein freundliches Gesicht ist keine moralische Qualität, wenn es nur dazu dient, Böses schmackhaft zu machen.

Wir würden erkennen, was gut und böse ist, so versprach die Schlange einst den Menschen. Ach, würden wir wenigstens diese Fähigkeit nutzen!

Ein Mensch, der mit freundlichem Gesicht relevante Strukturen beschädigt, ist böse. Und mancher brummige Miesepeter hat, wenn du genauer hinschaust, tatsächlich sein Leben für das gegeben, was auch dir wirklich wichtig war.

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Der Essay Freundliches Gesicht, böse Tat von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/10-jahre-unrecht/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!