Ein extra perfider rhetorischer Trick unserer Zeit geht so: Wer etwas kritisiert (z. B. offene Grenzen, Israel, Islam), der »hasst« angeblich alle mit diesem Thema verbundenen Menschen, also muss er bekämpft und vernichtet werden.

Einige der dümmsten und zugleich perfidesten rhetorischen Tricks, die ich in diesen Tagen höre, haben die Form: »Er hat X kritisiert, also hasst er X.« (Und mit »X« meinen wir diesmal tatsächlich die Variable.)

Die Dummheit dieser Aussage ist steigerungsfähig, nämlich: »Er hat X kritisiert, also hasst er alle Menschen, die mit X zu tun haben (im weitesten Sinne).«

Und diese Dummheit wiederum lässt sich gleich mehrfach steigern!

Erst so: »Er hat X kritisiert, also hasst er alle Menschen, die mit X zu tun haben.«

Dann so: »Er hat X kritisiert, also will er Gewalt verüben an Menschen, die mit X zu tun haben.«

An diese Steigerung hängt man dann an: »… also müssen wir X zuerst Gewalt antun.«

Ist man erst einmal an diesem Punkt angelangt, lässt sich die ganze »Argumentation« verkürzen: »Er hat X kritisiert, also sollten wir ihm Gewalt antun.«

Dem wird vorgeworfen

Man könnte für X einsetzen: Islam, Einwanderung, Israel, Demokratie, Deutschland, USA …

Als Beispiel: Wer in Deutschland den Zustand der Demokratie kritisiert und mehr Demokratie wagen will, dem wird von Politik und Propaganda vorgeworfen, ein Feind der Demokratie zu sein.

Wer ungebremste Einwanderung kritisiert, weil diese bereits begonnen hat, Gesellschaft und Sozialsystem zu sprengen, dem wird vorgeworfen, fremde Menschen generell zu hassen. (Die Feststellung, dass Deutschland nicht unbegrenzt viele Fremde nach deutschen Standards gratis versorgen kann, gilt als »ausländerfeindlich«. Es ist die praktische Anwendung der obigen »Argumentation«.)

Wer in den USA US-amerikanische Angriffskriege kritisiert, gilt als »anti-amerikanisch«.

Und so weiter.

De facto vernichtet

Das Problem ist nicht einmal, dass unredliche »Argumentierer« von deiner Kritik an einer Idee auf deinen Hass auf alle Träger dieser Idee schließen.

Das Problem ist, dass sie von deiner Kritik an einer Sache darauf schließen, dass es moralisch erlaubt oder sogar geboten ist, dich zu vernichten – vorläufig »nur« wirtschaftlich und sozial, aber dank Straf-Hausdurchsuchung für Abweichler auch psychisch.

Du hast im Jahr 2015 (oder 2025) wiederholt, was Merkel im Jahr 2002 selbst über Migration sagte (»Das Maß des Zumutbaren ist überschritten«, siehe YouTube)? Dann giltst du als »Nazi« und darfst de facto vernichtet werden.

Es ist diese Art von »Argumentation«, die in jener neuen Redensart aufgegriffen wird: »Sie wollen dich nicht vernichten, weil du ein ›Nazi‹ bist. Sie nennen dich einen ›Nazi‹, damit sie dich vernichten können.«

Mehr denn je

Ich bleibe dabei, dass für uns mehr denn je gelten muss, dass wir »Ja ja« und »Nein nein« sagen sollen, siehe Matthäus 5:37.

Doch vergesst mir Matthäus 10:16 nicht!

Bedenket wohl: ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben!
Matthäus 10:16

Versteht, wie die Lügen der Lügner funktionieren, um nicht vielleicht sogar selbst darauf hereinzufallen. Und bleibt doch »ohne Falsch wie die Tauben«.

Und wenn du heute nicht alle Wahrheit sagen kannst, dann sage so viel Wahrheit, wie du heute sagen kannst. Und möge dein Schweigen darüber hinaus den Rest sagen – zumindest denen, die Ohren haben, zu hören (Matthäus 13:9).

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Der Essay Er hat kritisiert, vernichtet ihn! von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/er-hat-kritisiert-vernichtet-ihn/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!