Wenn ich eine Katze sehe und erkläre: »Das ist ein Fisch!«, dann ist diese Katze dadurch noch kein Fisch, selbst wenn ich ihr die Beine abschneide, ihr dafür Flossen und Schuppen anklebe und sie also ausgestattet ins Wasser werfe.

Das arme Tier wird eine Zeit lang mit der neuen Situation klarzukommen versuchen, wird mit den Zombieflossen wedeln und nach Luft schnappen – und schließlich doch ertrinken.

Die Deutung dieses Gleichnisses auf gewisse modische Verstümmelungen hin liegt nahe. (Siehe dazu auch den Essay »Und dann spürte ich, dass das Böse existiert«.)

Mir kommt hier eine selbstprüfende Frage in den Sinn. Die Prüfung meiner eigenen Entscheidungen.

Wo lebe ich mein Leben derart, dass ich im metaphorischen Sinn die Katze mit Flossen bin und folglich zu ertrinken drohe?

Wo habe ich mir die Beine abgeschnitten, die die Katze doch braucht, um immer wieder auf ebendiesen zu landen?

Wo bin ich nicht, wer ich sein soll, da ich als solcher doch geschaffen wurde?

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Der Essay Eine Katze ist kein Fisch von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/eine-katze-ist-kein-fisch/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!