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Stell dir vor, du kommst von der Schule heim – und dein Haus ist verschwunden.

Wir hatten ein Feld hinter unserem Haus. Mein Sohn spielte dort früher mit zwei Mädchen aus der Nachbarschaft. Sie waren damals Kinder, und von unserer Terrasse aus konnten wir ihnen beim Spielen zusehen.

Eines Sommers bauten sie ein Haus auf dem Feld. Ein Haus aus Ästen und Pappe, vor dem Hintergrund eines großen grauen Feldsteins.

Sie bauten ihr Haus über Tage und Wochen. Sie steckten ihr ganzes kleines Herz hinein. Sie nahmen Kekse und Saft von zu Hause mit. Sie richteten eine Fliese als Tisch her, und dort aßen sie ihr Mittagessen, stolz und glücklich.

Abends, zu Hause, zerrte mein Sohn uns auf unsere Terrasse, um sein Tageswerk zu bewundern (als ob wir ihm nicht den ganzen Tag über zugeschaut hätten).

Er erklärte, was sie bisher geschafft hatten. Welches Holzbrett er von wo hergeschleppt hatte. Welche Blumen sie „gefunden“ hatten, um ihr Haus zu schmücken.

Sie waren glücklich. Er war glücklich. Wir waren glücklich.

Eines Tages kamen zwei städtische Arbeiter und rissen ihr Haus ab. Sie sammelten den Tisch und die Blumen und all die Dekorationen in einen Müllsack, sie fegten das Erdfeld tatsächlich „sauber“ und luden alle Bretter und Äste auf einen kleinen Lastwagen, und das war’s.

(Das letzte Mal, dass Leo sich an sein Haus-auf-dem-Feld erinnerte, war gestern.)

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Der Essay Leos Haus von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/leos-haus/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!