In Paris, Frankreich, fand letztes Wochenende die Fête de la Musique statt. In den sozialen Medien verbreiten sich Bilder, die man in Mainstream-Sprache wohl mit Vielfalt beschreiben würde.
Junge Franzosen unterschiedlicher Herkunft zerstören Autos und vermüllen die Pariser Innenstadt und wirken sehr fröhlich dabei. (Beispiele: @BastionMediaFR, 22.06.2026, @RMXnews, 22.06.2026, @FranceNews24, 22.06.2026)
War also alles prima?
Jein.
Daily Mail titelt:
Briten erleben eine schreckliche Gewaltnacht, als ein französisches Musikfestival in Messerstechereien und Vergewaltigungen ausartet und mehrere Frauen mit Spritzen verletzt werden.
– dailymail.com, 22.6.2026 (Original English)
Falls ihr auf die obigen X-Videos geklickt habt, könntet ihr zu dem Urteil gelangt sein, dass die französische Vorstellung von Spaß sich kaum mit eurer deckt.
Mich erfasst bei solchen Meldungen ein trauriger Schmerz: Die Welt der Jugendlichen in mancher europäischen Metropole ist eine gefährlichere, traurigere Welt als jene, in der ich aufwuchs.
Bin ich ein alter Mann, der vor sich hinmault, »früher« sei »alles viel besser« gewesen?
Nun, laut den Meldungen (etwa obige Daily Mail) wurden bei der Fête de la Musique mehr als 240 Menschen verhaftet; es wird von Messerstechereien, Vergewaltigungen, sexueller Gewalt, Überfällen und Stech-Attacken mit Spritzen berichtet.
War früher »alles besser«? Nun, dies zumindest finde ich nicht besser. Meine Vorstellung von Lebensfreude enthält weder Messer, noch Spritzen mit unbekannter Flüssigkeit oder sexuelle Gewalt.
Ich hatte mich tatsächlich einst sehr gefreut, mit meinen Kindern all die schönen Erlebnisse zu teilen, die ich selbst in meiner Jugend erlebt hatte. Doch jene Welt existiert nicht mehr, und das tut mehr weh, als ich vor meinen Kindern zugebe.
Was hat sich seitdem verändert?
Ich schaue die obigen Videos aus Paris an.
Ich vergleiche es mit einem Video jenes Festes von 1982 und einem Video von 1998.
Nein, ich komme einfach nicht drauf. Ich habe aber auch gehört, es sei populistisch zu denken, dass wenn Menschen in großen Zahlen aus Krisengebieten einwandern, sie (zumindest ohne Mehr-Generationen-Gehirnwäsche) einige der Gewohnheiten mitbringen könnten, die ihre alte Heimat eben zum Krisengebiet werden ließ. Und Populisten, das wollen wir auf keinen Fall sein! (Oder? Siehe auch den Essay »Populismus« aus dem Jahr 2017.)
Die alte Welt ist fort.
In manchen Aspekten, in denen die alte Welt wertvoll und lebenswert war, ist diese schöne neue Welt eher hässlich und deprimierend. Der öffentliche Raum war einst Anlass zu großer Freude, öffentliche Feste waren ein wirksames Mittel gegen Einsamkeit.
Es liegt an uns, im Privaten und Kleinen zuerst, die neue Welt in anderen Aspekten schön werden zu lassen.
Es braucht neuen (und möglichst weniger fragilen) Anlass zur Freude.
Es braucht neue Gemeinschaft.
Wir – du und ich – arbeiten dran.
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Fête de la Vielfalt von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/fete-de-la-vielfalt/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
