Dushan-Wegner

13.05.2024

Der Dönerpreis und seine Bremse

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten
Die »Guten« bieten Döner für 3 Euro an, wegen Wahlkampf. Außerdem wollen sie Fleisch teurer machen, wegen Tierschutz. Nein, es muss nicht zusammen einen Sinn ergeben, denn es dient ja beides der »guten« Sache.
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Früher, als Schokoküsse noch anders hießen, als nicht das neueste iPhone, sondern der Kugelschreiber mit sechs verschiedenen Tinten das ultimative Statussymbol in der Klasse war, damals, als Äpfel noch nach Äpfeln schmeckten, in jener mythischen Zeit, da spazierte ich schon mal morgens durch Köln, auf dem Weg von der Arnulfstraße zur Bibliothek am Neumarkt (aus »Gründen«), und wenn ich durch die Kyffhäuser Straße kam, sah ich wie die Türken – ja, »Türken« darf man sagen, sie sind ja kein Schaumgebäck – wie die Türken also den Dönerspieß von Hand mit Fleisch belegten. Schicht für Schicht.

Heute finden sich solche händisch mit echtem Fleisch belegten Dönerspieße fast nur noch in seltenen Edel-Dönerläden. Heute wird der Dönerspieß morgens fertig geliefert, als ein in Plastikfolie geschweißter Klumpen fragwürdiger, fleischverwandter Masse – und doch kostet der Döner fast so viel wie eine richtige Mahlzeit.

Guter Döner, böser Döner

Dein persönlicher Döner-Mann bei dir um die Ecke sagt immer »Hallobitteschön«, nennt dich »Chef« und macht dir deinen Döner »mitallesohneZwiebelabervielscharf« … oder wie du deinen Döner eben magst. Und bei ihm sind die gelieferten Dönerspieße eben immer von hervorragender Qualität.

Bei einigen ganz anderen Döner-Männern aber, so erfährt man, ist das Fleisch leider nicht immer so super. Böse Wörter wie »Gammelfleisch« hört man da schon mal.

Und überhaupt, wenn Fleisch billig sein soll, dann leiden schon mal Tier, Mensch und Umwelt gleich mit: »Qualvolle Haltung, Antibiotikarückstände im Fleisch, unnatürliches Verhalten, schädliche Auswirkungen auf Umwelt und Klima«, so schreibt wdr.de, 11.4.2024.

Und deshalb will der grüne Koalitionspartner der »sozialen« Roten jetzt etwas unternehmen, um die Fleischqualität zu heben – Fleisch teurer machen, und zwar indem die Mehrwertsteuer auf Fleisch vervielfacht wird.

Wertsteigerung durch Steuern?

Eigentlich weiß jeder normale Mensch, dass wenn Bürger sich auf einen bestimmten Preis eingestellt haben, aber der Steueranteil stark erhöht wird, der Hersteller folglich erst mal versuchen wird, den Preis zu halten, weshalb er dann zunächst noch mehr Preisdruck auf die Lieferanten ausübt – aber Politiker sind in diesem Sinne keine »normalen Menschen«.

Das Fleisch soll also teurer werden, und realistischerweise werden die Einnahmen für Waffen für die Ukraine ausgegeben werden oder für Gender-Ausbildung in Thailand oder was weiß ich. Und wenn du dagegen bist, bist du »Nazi« und »Faschist« – mindestens!

Wie ernst die deutsche Politik das aber alles meint mit Tier-, Mensch- und Moralschutz, erkennen wir an einer anderen Aktion der SPD.

In Deutschland wird ja bekanntlich alles jeden Tag teurer, und auch Dönerkäufer müssen mit der Zeit und ihren Preisen gehen. Für einen guten Döner zahlt man schon mal fünf, sechs oder mancherorts sogar sieben Euro!

Gut, dass die Bürger die SPD haben – und dass die SPD Weltökonomen wie Kevin Kühnert zu den ihren zählt!

Augenwischerei am Imbisstresen

In Friedrichshain-Kreuzberg nimmt Deutschland sich bekanntlich noch weniger ernst als anderswo. Genau dort macht die SPD nun Wahlkampf mit der »Dönerpreis-Bremse« (@PM18527151, 11.5.2024).

Ist es ein selbstironischer Scherz? Eine hochgradig zynische Parodie auf die Mietpreisbremse, die den wahren, am Markt erzielbaren Preis einer Wohnung vom offiziellen Mietpreis zum Schwarzgeld und anderen Gefälligkeiten verlagert? Wir wissen es nicht – nicht sicher.

Bei der SPD und ihren extrempopulistischen Versuchen ist ja schon länger »Poes Gesetz« anwendbar, wonach Extremismus ohne weitere Kennzeichnung nicht von seiner Parodie zu unterscheiden ist. Die SPD ist schon länger zur Parodie einer politischen Partei geworden – wie gut, dass keiner ihrer Leute in Regierungsverantwortung steht!

Um ihr gewiss sehr seriöses Wahlversprechen vorab fühlbar zu machen, organisieren SPD-Kandidaten und Ortsverbände offenbar schon vorab super-seriöse 3-Euro-Döner-Tage (@CBGSpender, 11.10.2024, vorwaerts.de, 13.4.2024).

Absurde »Qualitätspolitik«

Sind plötzlich alle Sorgen um unwürdige Tierhaltung, ausbeuterische Arbeitsbedingungen und ungesundes Billigfleisch verflogen? Ist das alles plötzlich irrelevant?

Mit der SPD gibt es Döner für 3 Euro. Klar, diesmal wird der Döner noch aus dem SPD-Wahlkampfbudget querfinanziert – demnächst dann wohl vom Wähler, aber eben auch durch brutalen Preisdruck.

Nein, wir wissen nicht sicher, wie ernst die Genossen mit ihrer Dönerpreisbremse es meinen, ob sie den Dönerverkauf dauerhaft subventionieren wollen und mit bis zu welchen Beträgen pro Dönerbude. Wer überwacht überhaupt, ob die für die 3-Euro-Döner morgens gelieferten Dönerspieße tatsächlich alle aus moralisch verantwortlicher Freilandhaltung stammen, von Öko-Bauernhöfen, wo jeder Dönerspieß jeden Tag frei auf der Weide herumtollen darf?

Ach, es ist alles absurd, ich weiß. Es ist »Qualitätspolitik im besten Deutschland aller Zeiten«.

Selbst an guten Tagen

Was interessiert die »Guten« ihr Geschwätz von genau jetzt, nur anderswo?

Gar nicht. Die Worte der »Guten« tragen nicht Bedeutung im traditionellen Sinne von Bedeutung, also dass sie Eigenschaften der realen Welt bezeichnen würden. Und das Publikum der »Guten« erwartet auch gar nicht, dass die Worte der »Guten« die reale oder auch nur eine wirklich mögliche Welt beschreiben.

Die Worte der »Guten« sind mehr so Farbkleckse, politisch-moralische Jazz-Akkorde. Widerspruch ist eine interessante Dissonanz, oder was ich im Buch »Talking Points« als »Heiligen Widerspruch« beschreibe, was ehrlicherweise so viel besser klingt als »blanker, blöder Unsinn«.

Freunde, ich habe keine Auflösung parat, keine magische Stopfnadel für all die löchrigen roten und rotgefärbten Socken. Doch eine rein sachliche (und damit natürlich mit Abstand nicht genügende) Erklärung liegt parat: Deren Worte bedeuten nichts. Da sind keine Schichten, keine sorgfältig erarbeitete Bedeutung.

Was diese Politiker sagen, ist selbst an guten Tagen bestenfalls emotional wirksames Geräusch mit dem tatsächlichen Nährwert von Gammelfleisch oder schokoglasiertem Zuckerschaum. Drei Euro für diese Politik wären noch drei Euro zuviel.

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