29.03.2021

Du bist nicht Corona

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto von Ales Krivec
Deutschland ächzt unterm Corona-Chaos und Merkels (hoffentlich) letztem großen Machtrausch. Nie war es wichtiger für den nicht-gehirngewaschenen Bürger, sich innerlich vom Corona-Wahnsinn zu trennen.
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Wir halten uns nicht (immer) daran, doch wir haben gelernt: Du bist nicht, was du besitzt. – Du bist nicht dein Auto, bist nicht deine Computer-Marke, du bist nicht dein Parfum und bist weder deine Turnschuhe noch deine Oberbekleidung – das Marketing jener Firmen mag dir etwas anderes sagen.

Es ist schwer genug, unser Selbstbild von unserem käuflichen Besitz zu trennen – noch schwieriger ist es aber, das eigene Selbstbild vom Beruf oder gar Familienstand zu trennen.

»Wer bist du?«, werden wir gefragt, und wir antworten erst mit unserem Namen und dann mit unserem Beruf, je nach Kontext auch mit dem Familienstand. Wie sollten wir denn auch angeben, wer wir sind, ohne zu sagen, womit unsere Tage, unser Verstand und unser Herz beschäftigt und ausgefüllt sind?

Und gänzlich unmöglich könnte es scheinen – wenn auch nicht jedem – das Bild vom Selbst von seinem Namen zu trennen.

Deine Eltern haben vielleicht diesen oder jenen Film gesehen, und der Charakter gefiel ihnen, und also haben sie dir seinen Namen gegeben, und ein Leben lang sagst du »Ich bin (sein Name).«

Jemand in deiner Umgebung hat diesen oder jenen Beruf ausgeübt, oder ein Job hatte sich aufgetan, eine Geschäftsidee hatte sich ergeben, und nun sagst du ganz selbstverständlich: »Ich bin (deine Tagesbeschäftigung).«

Ich sage nicht, dass es falsch ist! Ich sage auch nicht, dass es richtig ist. Ich frage: Wenn es so ist, wie wird es so?

Diese Woche trat eine zur gleichen Zeit müde, kalkuliert unsichere und doch an ihrer Macht berauschte deutsche Kanzlerin im Staatsfunk auf (siehe dazu etwa tichyseinblick.de, 29.3.2021). Staatsfunkerin Anne Will versuchte gar nicht erst auf »journalistisch« zu tun. Vladimir Putin in Russland besteht darauf, dass bei TV-Auftritten ihm »kritische« Fragen gestellt werden, die er dann mit Witz und Eleganz abwehren und widerlegen kann.

Im deutschen Staatsfunk beschränkt man sich auf Lobpreis – fordert gar noch mehr Strenge – und steht damit nicht allein. Allerorts hört man von Leuten, die es wirtschaftlich und auch sonst eher nicht so betrifft, der masochistisch wirkende Ruf nach einem totalen Lockdown. Im Februar noch wurde etwa im Spiegel gefordert, die Kanzlerin solle einfach durchregieren (spiegel.de, 10.2.2021) – wohlgemerkt um Probleme zu lösen, die ihre weltfremde, machtvernebelte Abgehobenheit erst verursachte. Dem deutschen Umgang mit Corona und der Kanzlerin ist nicht mehr argumentativ zu begegnen, hier greifen schon länger nur noch psychologische Termini.

Jedoch, auch durch-und-durch irrationale Denk- und Entscheidungswege können sehr reale Konsequenzen haben. Am Ende gewinnt immer die Realität, und die Realität ist eben, dass während in Wuhan und anderswo das Leben wieder weiterläuft, der Alltag in Deutschland und damit der Alltag der Bürger von Merkels (hoffentlich!) letztem großen Machtrausch geprägt ist (bild.de, 29.3.2021 (€): »Merkel droht mit Mega-Lockdown!«).

Die Lebensrealität der Deutschen 2021 ist, dass sie das Objekt des (hoffentlich) letzten großen Merkel-Machtrausches sind– darf/soll/kann es Teil der deutschen Selbstdefinition werden?

Sind sie nun richtig oder falsch unsere Selbstdefinitionen, die vom Beruf, vom Familienstand her stammen, von der Zugehörigkeit zu einem Volk oder einer Religionsgemeinschaft?

Auf der einen Seite scheint es in der Sache richtig zu sein – auf der anderen Seite spüren wir in uns einen Widerstand, und wollen ausrufen: »Nein, was ich bin, das wird doch nicht extern von meinen zufälligen Rahmenumständen bestimmt!«

Ich vermute, dass beides richtig ist; und das heißt: Unser Name, unsere Berufswahl, ja auch unser Familienstand mögen ganz oder auf einzelnen Ebenen von außen beeinflusst oder vorgegeben sein, indem wir sie aber annehmen, machen wir sie zum Teil unserer Identität.

Wenn die einzige Ausbildungsstelle in meinem Ort die zum Bäcker war, und ich also Bäcker wurde, dann aber den Bäckerberuf mit ganzem Herzen annehme, dann ist es richtig zu sagen, dass ich ein Bäcker bin.

Viele dieser Selbstdefinitionen sind ja durchaus valide, sie werden aber nicht »gegeben« – sie werden valide, indem wir sie annehmen und zu den unseren machen. (Warum ein Mensch es für sich annimmt, ja sogar dafür viel Geld bezahlt, seine Identität mit einem in Billiglohnländern genähten Kleidungsstück zu verschmelzen, das wäre eine wiederum eigene Frage.)

Unser Leben ist heute vom deutschen Corona-Chaos und Merkels (hoffentlich) letztem großen Machtrausch geprägt. Man spricht bereits von der »Generation Corona«. Das Leben der heute aufwachsenden Kinder wird vom deutschen Corona-Chaos und Merkels Machtrausch geprägt sein (und viele heutige Kinder werden die Schuld daran allen Abweichlern und Andersdenkenden zuschreiben, jenseits aller Logik – so ist es eben im Propagandastaat).

Jedoch, all die praktischen, wirtschaftlichen und unangenehmen Folgen des Corona-Machtrausches sind nur eine Spannungsebene. Ich frage mich heute: Was stellt es mit unserer Psyche an?

Selbst wer sich innerlich und/oder äußerlich gegen Merkels Corona-Machtrausch auflehnt – oft gerade der – ist ja von den Konsequenzen betroffen, und fällt unter die Maßnahmen, muss Maske tragen, et cetera.

Unser aller erster Auftrag ist heute ein praktischer: Ganz konkret überleben. Wenn auch auf anderer Ebene, aber keineswegs minder wichtig ist heute, sich täglich neu zu vergegenwärtigen: Du bist nicht Corona.

Es liegt an Dir, ob auch Du ein Corona-Deutscher bist, ob du die Maske nicht nur auf dem Gesicht sondern auch in der Seele trägst, und mitgrölst, wenn sie nach dem totalen Lockdown rufen.

Du magst Mutter oder Tochter sein, Sohn oder Vater, du magst Bäcker, Arzt oder Dame des Hauses sein, du magst Elfriede, Eleonore oder Elrich heißen, all diese Eigenschaften werden zu dir, indem du sie täglich aufs Neue annimmst.

Wähle also, was du sein willst – und achte sehr darauf, nicht aus Versehen etwas zu werden, was du nicht sein willst!

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