8.11.2017

Warum sie Trump wählten

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bild: „Garten Eden“ von Breughel & Rubens (1615)
Heute vor 1 Jahr wagten die Amerikaner, zu wählen, wen sie wollten. Die linken Eliten haben es ihnen bis heute nicht verziehen.
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Wie sicher sind wir, dass Adam nicht sowieso dem Paradies entfliehen wollte? Die Hände noch klebrig vom süßen Apfel, jammert Adam seine Entschuldigung: „Die Frau, die du mir gegeben hast, gab mir, wovon ich aß!“ – Glauben wir ihm? Ich glaube ihm nicht. Adam hatte keine Lust mehr auf Tiere-benennen und Obst-essen. Haben Sie die Bilder von damals gesehen? Dieser Körper war nicht zum Faulenzen geschaffen! Adam wollte den Acker bestellen und auch sonst tun, was man vom ersten aller Männer erwarten würde. Die Schlange half der Eva doch nur, dem Adam einen Gefallen zu tun!

Es kam anders

Heute jährt sich zum ersten Mal die Wahl des Donald J. Trump zum US-Präsidenten.

Es waren zwei sehr unterschiedliche Wahlkämpfe gewesen. Hillary Clinton hatte prominente Unterstützer wie Harvey Weinstein, Kevin Spacey und natürlich Bill Clinton. Donald Trump hatte „nur“ jene, die Hillary Clinton „basket of deplorables“ nannte – den „Korb der Bedauernswerten“. Die ikonischen Bilder von Hillary Clintons Wahlkampf waren ihre verhusteten Auftritte und viele, viele Rockstars. Als ikonische Bilder des Trumpschen Wahlkampfs wollen wir hier seine noch immer fragwürdige Frisur wählen, und natürlich die roten Kappen mit dem Slogan „Make America Great Again“.

Journalisten und „Experten“ hatten Trumps Kandidatur von Anfang an eher spöttisch betrachtet. Wie konnte es so einer wagen, ohne den Segen der „Experten“ und der Seilschaften zu kandidieren?

https://www.youtube.com/watch?v=YZ46I3kMOr0

Sie lachten ihn aus, aber ihr Lachen hatte von Anfang an eine panische Qualität. Sie ahnten, dass sie keine „Waffe“ gegen ihn hatten. Er brauchte sie, aber sie brauchten ihn und die Einschaltquoten, die er brachte, noch mehr.

Warum sie Trump wählten

Noch am Morgen des 8.11.2016 schien für die meisten „Experten“ (NYTimes, 8.11.2016) praktisch festzustehen, dass es ein deutlicher Sieg für Hillary Clinton werden würde. Die New York Times sah Donald Trumps Chancen bei nur 15%, etwa zwei Wochen davor (25.10.2016) hatten sie Clintons Chancen sogar bei 93% gesehen – und Trumps entsprechend bei 7%.

Es kam anders.

Der wütende Seher

Die interessanteste (publizistisch tätige) Figur des US-Wahlkampfs war für mich der Filmemacher und Anti-Trump-Aktivist Michael Moore.

Er war praktisch der einzige Prominente, der zugleich auf Hillary Clintons Seite stand und doch verstand, warum Menschen für Trump stimmten.

Nicht alle Trump-Wähler „mochten“ Trump. Sie waren keine Rassisten und „deplorable“ waren sie nur aus der Sicht von Hillary Clinton und (zu vielen) Journalisten. Sie wählten Trump, weil er für das sprach, was ihnen wichtig war. Hillary Clinton ließ reiche Netz-Feministinnen für sich sprechen. Donald Trump sprach für die Arbeiter, die einfach nur ihren Job wiederhaben wollten.

https://www.youtube.com/watch?v=wxDRqeuLNag

Michael Moore wollte den Demokraten helfen, zu verstehen, wie ihr Gegner „funktionierte“. Er sprach darüber und er war dramatisch, wie immer. Nur: Donald Trumps Talking Points waren so stark, dass sie selbst durch den Bericht über sie hindurch wirkten. Das Trump-Team nahm die Rede des Trump-Hassers Moore, in welcher er Trump zu „erklären“ versuchte, legte Bilder darüber (Trump der Held, abgekämpfte Arbeiter), und schon war ein Film-Dokument geschaffen, das für Trump warb wie kaum ein anderes, und zugleich sehr präzise erklärt, warum Trump gegen alles Geplärre der Elfenbeineliten zum US-Präsidenten gewählt wurde.

Trump Derangement Syndrome

Trump schlug die Hollywood-Linke mit ihren eigenen Waffen. Er war ja selbst ein TV- und Film-Promi. (Im Show-Business war er sogar nachhaltiger erfolgreich als im Business-Business.)

https://www.youtube.com/watch?v=yosAVMB47-Y

Trump vereint wichtige Fähigkeiten der Hollywood-Profis, beginnend mit seinem Talent, sich selbst zur Marke mit scharfem Markenprofil aufzubauen. Doch anders als sie kennt er noch die „alten Werte“ wie Familie, Fleiß und die „Sorgen des kleinen Mannes“. (Und argumentieren Sie nicht mit Lebensstil! Ich kenne Immobilien-Millionäre, mit denen sich trefflich ein Bier trinken lässt, und ich kenne arme Hilfsjournalisten, die halten ihre Nase so hoch, dass sie bei Regen zu ertrinken drohen.)

Das letzte Stadium des Trump-Hasses (wohl auch nur ein projizierter Selbsthass) ist das „Trump Derangement Syndrome“.

Prominente Vertreter in den USA sind etwa Keith Olberman und Kathy Griffin. In Deutschland allen voran Der Spiegel.

„Die Medien“ hätten auf Trumps Vorwürfe, sie seien „Fake News“, mit Selbstkritik und professioneller Arbeit reagieren können. Zumindest CNN scheint sich die alte Melodie vorzusingen: „Ist der Ruf erst ruiniert, schreibt sich’s gänzlich ungeniert!“

Trump selbst

Trump hat viel versprochen. Hat er alles umgesetzt? Hat er genug umgesetzt? Nein, hat er nicht.

Kurz vor der US-Wahl 2016 schrieb ich den Text „Warum ich Trump wählen würde“. Ich warnte davor, Trump und seine Wähler allzu wörtlich zu nehmen:

„Wer Donald Trump wählt, weil er die Mauer nach Mexiko baut, oder Hillary Clinton wählt, weil sie Wallstreet in die Schranken weisen wird, der hat auch Barack Obama gewählt, weil er Guantanamo schließen und die Rechte von Whistleblowern verteidigen würde.“
Tichys Einblick, 7.11.2016

Trump hat viel versprochen. Doch nach wie vor gilt: Trump an seinen Versprechen oder seinen „Sprüchen“ zu messen, bedeutet, seine Wähler falsch zu verstehen.

Trump wurde gewählt, weil die Werte, die hinter seinen Worten durchscheinen (Familie, Amerika, Ordnung), sich in den Werten der „echten“ Menschen widerspiegeln. Das ist (fast) alles, und es ist (noch immer) genug. Hillary Clinton verlor, auch weil sie die einfachen Menschen verachtet, auch weil Menschenrechte sich für Clinton im Recht auf Abtreibung zu kulminieren scheinen, oder weil sie mit dem FBI zu tun hatte.

Fazit

Trumps Wahl war, wie Michael Moore ganz richtig merkte, ein großes „Fuck You“ gegen das amerikanische Washington-Wallstreet-Hollywood-Kartell. Es fühlt sich noch immer gut an.

Selbst wenn Trump kein einziges seiner Versprechen einhielte, so hat er doch Millionen Menschen rund um den Globus etwas Mut gegeben, gegen Lügen und Selbsthass linker Eliten aufzumucken.

Es sieht aber ganz danach aus, dass Donald Trump durchaus einige sehr wesentliche Versprechen einhält. Trumps Mauer kommt voran. Viele Amerikaner haben ihre Altersversorgung via Börse gesichert und hören gern, dass der Dow Jones immer wieder neue „All-Time-Highs“ erreicht. Die Arbeitslosenzahlen sind aktuell auf dem niedrigstem Stand seit 17 Jahren.

Das ist nicht das Paradies, nein. Aber das Paradies hatte Trump auch nicht versprochen. Trump ist nicht der Held, den sich gutmenschlicheSteueroptimierer wünschten. Er ist aber der Präsident, den Amerikas Arbeiter jetzt brauchten und verdienten. Die Wähler dürfen zufrieden sein, und zufrieden zu sein ist keine Sünde.

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