»The word you are looking for is: ›Anyway‹.«
Freunde der Friends werden die Passage kennen. Es wird von Ross gesagt.
Der erste Teil ist leicht ins Deutsche zu übersetzen: »Das Wort, nach dem du suchst«.
»Anyway« dagegen ist ein speziell amerikanischer Ausdruck. Der Menschen- und Sprachfreund in mir muss sich an dieser Stelle bremsen, um nicht zu schwärmerischen Ausführungen anzusetzen, ob der unübersetzbaren Wörter, welche den Charakter einer Kultur wirklich beschreiben. (2021 habe ich mal einen Essay mit extra vielen speziell deutschen Wörtern – und damit: Begriffen – geschrieben. Der Text hieß: »Geisterfahrerin braucht Gas«.)
»Anyway« ließe sich, mit Verlusten, vielleicht übertragen an: »Wie auch immer«, »Sei’s drum« oder: »Nichtsdestotrotz«.
Jene Friends-Szene mit dem gesuchten Wort ist aber das, was man im Amerikanischen wohl iconic nennt. (»Ikonisch« ist auch nur beinahe die richtige Übersetzung. Sei’s drum.)
Der Kontext: Die Friends-Figur Rachel ist von ihrer eigenen Hochzeit ausgebüxt und will sich von ihrem reichen Vater lossagen, um auf eigenen Füßen zu stehen. Ihre Friends-Freunde trösten sie.
Die Figur Phoebe bezeugt Empathie, indem sie aus ihrem eigenen Leben berichtet – vom Selbstmord ihrer Mutter, von ihrem Leben auf der Straße und von weiteren Desastern.
Phoebe schließt ihren fröhlich vorgetragenen Horror-Bericht mit der Versicherung, von daher könne sie sehr genau verstehen, wie es Rachel geht.
Alle Anwesenden sind geschockt.
Zur relativen Normalität
In die Schockstarre hinein sagt Ross dann seinen berühmten Satz: »The word you are looking for is: ›Anyway‹.«
Ross gibt quasi die »Erlaubnis«, nach dem eben gehörten Horror thematisch und emotional wieder zur relativen und gegenwärtigen Normalität zurückzukehren. Zurück zu dem, was diesen Menschen wirklich wichtig ist. (Diese besteht im Fall Rachel daraus, dass sie ihre von ihrem Vater gedeckten Kreditkarten zerschneidet, zum Applaus ihrer Friends. Bei YouTube ist diese Szene inkl. Kontext zu sehen.)
Ich fühle mich an jene Friends-Szene erinnert, wenn ich dieser Tage den Nachrichten begegne.
Bei (welt.de, 13.12.2025) wird im Video-Beitrag berichtet, dass zum ersten Mal seit 2008 mehr Deutsche aus Deutschland ausgewandert als eingewandert sind. Die Auswanderer geben oft genau die Gründe an, die »böse Rechte« thematisieren (die durch diese Thematisierung ja erst zu »bösen Rechten« werden).
Ich sehe aktuelle Aufnahmen von der Bundespressekonferenz (@PolitRealist, 12.12.2025). Die Bundesregierung kündigt die Zensur abweichender Meinungen und Deutungen etwa zur Ukraine an. Die »Wahrheit« zur Ukraine wird vom EU-Wahrheitsministerium vorgegeben. Bloß nennt man diese Zensur nicht »Zensur«, man nennt sie »Individualsanktion von Desinformationsaktivitäten«. (Die »Individualsanktion« besteht vermutlich wieder aus Kontosperrung, Hausdurchsuchung, Jobverlust und so weiter.)
Ich bekomme mit, wie der deutsche Staatsfunk seine antichristliche Propaganda aufdreht und gegen gläubige Christen hetzt (ardmediathek.de, 13.12.2025). Laut deutscher Propaganda ist es etwa »extrem rechts«, gegen die massenhafte Tötung ungeborenen Lebens zu sein. Zu den Leuten, die der Staatsfunk als Beleg zitiert, aber … ach, sei’s drum.
Ja, ich lese diesen täglichen Horror und ich zwinge mich, mit Ross aus Friends zu sagen: »Anyway.«
Und dann wende ich mich dem zu, was wirklich wichtig ist. Inzwischen denke ich täglich an jenes Gebot aus Niebuhrs Gelassenheitsgebet. Ich bitte um die Kraft, zu ändern, was ich ändern kann, und die Gelassenheit, zu ertragen, was ich nicht ändern kann. Die Weisheit aber, das eine vom anderen zu unterscheiden, wird mir schmerzhaft eingehämmert (anders geht’s bei einem groben Klotz nicht).
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Der Essay Das Wort, nach dem du suchst von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/anyway/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
