Wilde These: Ja, es ist eine gute Idee, moralisch ratsam und sogar nützlich, »die andere Wange hinzuhalten«. Gerade für Konservative, Nicht-Linke und andere Menschen mit Gehirn. (Bitte zunächst diese Erklärung lesen, erst dann ggf. schimpfen.)

Es gibt einen Vers im Neuen Testament, mit dem tun sich gerade Christen, wenn und weil sie die Bibel ernst nehmen, gelegentlich schwer – während die Woken und Ideologen auf genau diese Forderung Jesu zu pochen scheinen:

Ich dagegen sage euch: Ihr sollt dem Bösen keinen Widerstand leisten; sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin, und wer mit dir einen Rechtsstreit anfangen und dir den Rock nehmen will, dem überlaß auch noch den Mantel.

Matthäus 5:39-40

Brächte jemand eine woke (sprich: modern-suizidale) Bibel heraus, würde er diesen Text vermutlich in die deutsche Neuzeit übertragen:

Ich aber sage euch: Leistet dem jungen Mann keinen Widerstand, sondern wenn er dich in den Bauch messert, dann biete ihm auch die Brust an.

Matthäus 5:39 in einer hoffentlich fiktiven »woken« Übersetzung

Ich habe es mit Schrecken gelesen, wie Eltern, nachdem ihr Kind von einem »jungen Mann« ermordet wurde, öffentlich nicht trauerten, sondern zuerst zum Kampf gegen Rechts aufriefen.

Ich habe mit Kopfschütteln gelesen, wie eine Person des öffentlichen Lebens, nachdem sie vergewaltigt worden war, bei der Täterbeschreibung gegenüber der Polizei zunächst wesentliche Merkmale verschwieg – aus Angst, durch eine ehrliche Aussage »rechte Hetze gegen Flüchtlinge« zu befördern.

Und ich habe selbst eine linke Mutter kennengelernt, deren Kind auf dem Schulweg von einem »jungen Mann« zusammengeschlagen worden war – und die 150-Prozentige reagierte darauf, indem sie ihren »Kampf gegen Rechts« noch schriller hochdrehte.

Ist es das, was hiermit gemeint ist? Gemessert werden und nach noch mehr Messern zu verlangen?

Ich wage, hier die These vorzulegen, dass dieser Vers auch gegenteilig zur »woken« Deutung verstanden werden kann. Und dann ist eine Lehre enthalten, die uns zu stärkeren, klügeren Menschen werden lässt.

Der Kontext dieses Verses sind die »neuen Thesen«. Jesus greift Verse der jüdischen Bibel auf (unseres »Alten Testaments«) – und verschärft sie.

Zum Beispiel:

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.

Matthäus 5:27-28

Dies ist einer der Texte, die Linke und Modernisten nicht zitieren werden. Nur das mit dem Hinhalten der Wange wird zitiert. Und auch das nur in dem einen Kontext, dass man sich von »jungen Männern« messern lässt. In jeder anderen Hinsicht sind Linke gern und bewusst die Täter. (Stets mit der Rechtfertigung, dass man damit doch nur der Gewalt zuvorkomme, die der Andersdenkende heimlich geplant hat.)

Wie sollen wir den Vers aber verstehen, wenn nicht als selbstzerstörerische Gewalttoleranz?

Lasst mich – inspiriert von klügeren Männern – eine Deutung zur Begutachtung vorlegen!

Es fällt auf, dass Jesus verschiedene Taten listet, die der Mensch ertragen soll, von denen keine einen körperlichen oder nachhaltig existenziellen Schaden verursacht.

Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Und so weiter.

Sicher, ein Hemd oder einen Mantel zu verlieren, kann schmerzlich sein. Doch dein buchstäblicher Seelenfrieden ist mehr wert. Mensch zu sein und Mensch zu bleiben ist so viel wichtiger als ein Kleidungsstück – oder etwas Zeit zu sparen.

Wenn Jesus aber vom Schlag auf die Wange spricht, dann spricht er vom Schlag auf die Wange – und nicht vom Abgestochenwerden.

Sicher, in seinem großen Finale widerstand er berühmterweise nicht der Gewalt. Doch das war nicht die Regel. In Johannes 10:39 etwa wollen die Juden ihn festnehmen und steinigen lassen – »er aber entzog sich ihrem Zugriff«.

Nein, die Wange hinzuhalten ist nicht eine Aufforderung, sich jede mögliche Gewalt antun zu lassen.

Der Schlag auf die rechte Wange galt damals als grobe Beleidigung, auch weil ein Rechtshänder das Gegenüber mit dem Handrücken schlagen muss – übel!

Jesus, so meine Deutung, sagt hier: Ertragt es, beleidigt zu werden!

Im selben 5. Kapitel sagt er ja selbst:

Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen.

Matthäus 5:11

Diese Verse und Gedanken sind auch dann nützlich, wenn man nicht an die metaphysische Rahmenstory glaubt!

Wenn du das Richtige tust, wenn du kämpfst um die Bewahrung dessen, was zu bewahren dir aufgetragen ist, dann ertrage, dass sie dich dafür beleidigen,

Wenn du nach der Prüfung von Fakten, Logik und Gewissen zu dem Schluss kommst, dass für Land und Familie zu kämpfen das Richtige ist, dann soll es dich nicht kümmern, mit welchen Worten sie dich dafür beschimpfen.

Ich sage euch: Widersprecht nicht einmal denen, die euch beleidigen, weil sie nicht ertragen, dass ihr das Richtige tut – und sie damit als das Böse entlarvt.

Wenn einer dich »Nazi« nennt, dann sage ihm, er soll dich auch gleich noch »Faschist« nennen – mindestens!

Liebt eure Feinde. Und betet für die, die euch verfolgen.

Aber, da ihr ja klug seid und Verantwortung tragt: Liebt eure Feinde lieber aus sicherer Entfernung.

Ihr habt noch viel zu tun! Erlaubt euren Feinden nicht, eure Arbeit zu unterbrechen, bevor ihr fertig seid.

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Der Essay Haltet die andere Wange hin! von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/die-andere-wange/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!