Auf das Auto des AfD-Politikers Bernd Baumann wurde kürzlich ein Brandanschlag verübt. Eine Hamburger Gruppe von Linksextremisten bekannte sich stolz zu der Tat (ndr.de, 4.11.2025).
Das Auto brannte aus, daneben parkende Autos wurden schwer beschädigt. Der BMW stand vor seinem Haus im Hamburger Westen, und damit war der Anschlag eine implizite Drohung der Linksextremen: »Wir wissen, wo du wohnst, und nächstes Mal ist es vielleicht nicht nur dein Auto.« – Optisch ist es ein Anblick wie aus einem Kriegsgebiet, und soll das wohl auch sein.
Die AfD in Hamburg hatte eine Aktuelle Stunde angemeldet (welt.de, 13.11.2025). Titel: »Linker Terror gegen Politiker – wir beklagen das Schweigen von Senat und Bürgerschaftspräsidium«.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die mir sonst nicht mit allzu stürmischem demokratischen Eifer auffällt, hatte den Anschlag im Bundestag thematisiert; siehe deutschlandfunk.de, 8.11.2025. Im linken Hamburg musste sich mancher Politiker vermutlich auf die Zunge beißen, um den Antifa-Terroristen nicht auch noch öffentlich zu applaudieren.
Man gab ein paar Floskeln
Bei der Aktuellen Stunde in Hamburg sprachen allerdings vor allem AfD-Politiker. Die übrigen Hamburger Parteien versuchten sich zunächst in der paradoxen Strategie, zum Thema ihres Schweigens erst mal weiter zu schweigen.
Als sie sich endlich zum Reden bewegen ließen, schienen sie sich in einem rhetorischen Seiltanz zu versuchen: Nicht offen anti-demokratisch formulieren – nicht AfD-Politiker und AfD-Wähler als gleichwertige Menschen anerkennen.
Man gab ein paar Floskeln gegen politische Gewalt ab, nur um gleich ein Anti-AfD-Framing zu setzen. Man kritisierte, dass und wie die AfD diese Sitzung anberaumt hatte. Frei nach Tucholsky: Im besten Deutschland aller Zeiten gilt der, der auf Gewalt hinweist (oder sie sogar auch noch erleidet), für viel gefährlicher als der, der die Gewalt verübt.
Zum Abschluss sprach, wenn ich das richtig lese, die Grünen-Politikerin Sina Imhof (Juristin, geb. 1979 in Siegburg). Und sie schloss ihre Rede mit einer Passage, die ich als Hass-Tirade gegen die Opposition deute.
»Solidarität ist ein Gefühl«, sagte sie, »und das teilen wir nicht mit der AfD.«
Das klingt brutal kalt. Und wenn man ihre Begründung liest, wird es noch kälter, vor allem aber entlarvend:
Solidarität ist ein Gefühl, ein Einstehen füreinander. Ein Einstehen füreinander, das daraus resultiert, dass Menschen dieselben Werte, dieselbe Haltung und dieselben Ziele teilen.
– Sina Imhof, Grüne Fraktionsvorsitzende in Hamburger Bürgerschaft, zitiert nach apollo-news.net, 13.11.2025
Ich kenne genug »AfD-nahe« Menschen, um zu wissen, dass deren Werte daraus bestehen, einfach nur leben und ihre Kinder erfolgreich in ein glückliches Leben geleiten zu wollen, dass sie ihr Land lieben und seine Zerstörung verhindern wollen.
Das scheinen die Werte zu sein, welche die Grünen nicht »teilen« (und deren Politik bestätigt diesen Eindruck nachdrücklich).
Das sind die ach so bösen Werte der AfD, mit denen die Grünen sich dafür freisprechen, emotionskalt zu sein, wenn Anschläge auf AfD-Politiker verübt werden.
Zumeist grundanständig und bieder
Man erlebt bisweilen, dass Menschen sich im Urlaub plötzlich wie Trottel mit Kontrollverlust benehmen (um es höflich zu sagen). Daheim und für den Rest des Jahres sind aber dieselben Menschen zumeist grundanständig und bieder.
Welcher dieser beiden Menschen ist man aber »wirklich«?
Wir tragen das Potenzial für mehr als nur eine Art von Persönlichkeit in uns. Ein Kontext kann uns dazu motivieren, diese oder jene unserer Persönlichkeiten unser Denken und Handeln steuern zu lassen.
Ein Urlaub in einem bestimmten Kontext kann als »Genehmigung« oder sogar »Aufforderung« verstanden werden, »die Sau rauszulassen«. Und es ist sogar denkbar, dass Menschen sich im Urlaub verstellen und »den Wilden markieren«, um in die Gruppe zu passen.
Entsprechend kann aber der Kontext einer Partei als »Genehmigung« dienen, Narzissmus und Psychopathie – und damit Empathielosigkeit – »rauszulassen«. Und mancher Parteisoldat, der in der Partei eine Karriere anstrebt, muss womöglich psychopathisch klingende Dinge sagen, auch wenn er sie nicht wirklich so meint.
Mit Flöhen und Läusen
Nein, diese Grünen-Politikerin ist keine Psychopathin. Ich bin sicher, dass sie privat freundlich und liebenswürdig ist. Aber sie spricht für eine Partei, in der eine Rhetorik, die wie Psychopathie und Narzissmus wirken könnte, zum Erfolg führt.
Linksgrüne sind solidarisch bis empathisch mit Islamisten und Israelhassern, mit Schwulen und mit Schwulenhassern, mit Schildkröten und mit Walen. Im linksgrünen Vorfeld ist man bisweilen sogar solidarisch mit Flöhen und Läusen. Bevor die Windkraft die Abholzung von Wäldern notwendig machte, war man sogar mit Bäumen solidarisch!
Nur wenn Terroristen aus der eigenen politischen Windrichtung den Gegner attackieren, dann darf man nicht solidarisch sein, denn Solidarität ist für Grüne ein Gefühl, das man nicht jedem Menschen selbstverständlich zukommen lässt. Grüne schalten Solidarität nur selektiv als Belohnung für besondere Parteitreue ein.
Zumindest nichts Politisches
Ich habe schon öfter festgestellt – und es tat mir jedesmal weh –, dass Linke nicht nur zu anderen Schlüssen und Vorschlägen kommen als ich, sondern dass sie sich auch zu einer anderen Gefühlswelt bewegen lassen.
Im Essay »10 Gebote fürs Reden mit Linken« umriss ich jüngst prinzipielle Unterschiede zwischen Linken und mir. Und 2018 beschrieb ich »Warum ich kein Linker sein kann – eine »spirituelle« Begründung«.
Linke trainieren sich das Mitgefühl ab. Oder sie lernen, bei ihrer politischen Tätigkeit das Mitgefühl und die Solidarität auszuschalten, wenn der andere Mensch weder auf Parteilinie ist noch in das Schema der zu bemitleidenden Personen passt.
Den mitlesenden Linken sage ich: Ihr seid doch nicht wirklich so kalt, oder? Tief innen seid ihr noch immer Mensch geblieben. Geht in euch. Sagt mal ein paar Tage lang – oder auch nur ein paar Stunden lang – einfach nichts. Zumindest nichts Politisches. Und dann stellt euch neu vor die Wahl: Linkssein oder Menschlichsein, denn das eine schließt das andere aus.
Nicht-Linken aber sei zugerufen, Biermann zitierend: Lasst euch nicht verhärten, in dieser harten Zeit.
Was nützte es dem Menschen, wenn er in höchste politische Ämter gelangte, und doch nähme Schaden an seiner Seele?
Weiterschreiben, Wegner!
Das Schreiben dieser Essays ist nur mir Ihrer Unterstützung möglich. Werden und bleiben Sie Teil meiner Arbeit!
Bitte wählen Sie Ihren freiwilligen Leserbeitrag:
E-Mail-Abo
Lassen Sie sich automatisch benachrichtigen, sobald ich hier etwas Neues veröffentliche! (Gratis, jederzeit abbestellbar.)
Der Essay Grüne: Menschliche Kälte hinter Moralfassade von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/eisiges-gruen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
