TV schauen ist heute eine Art von Sterbevorbereitung. Staatsfunk schauen: Probeweise im Sarg liegen, das Gehirn voran, und die GEZ-Propagandasteuer ist die Friedhofsgebühr für den Verstand.

Mit Spaß und Schmunzeln las ich bei Tichys Einblick, wie Mario Thurnes die jüngste Staatsfunk-Propaganda-Show mit Friedrich Merz verriss.

Gegen Anfang seines Textes beschreibt Thurnes das Staatsfunk-Publikum so:

Menschen, die sich zum Sterben vor den Fernseher zurückgezogen haben.
– Mario Thurnes über ZDF-Zuschauer, bei tichyseinblick.de, 9.12.2025

Und er schließt seinen Text so:

ARD und ZDF sind nur noch etwas für die, die nicht wissen, wie sie die Zeit bis zu ihrer Beerdigung totschlagen können.
ebenda

Ich lachte und schmunzelte. Als Co-Essayist weiß ich eine wohlgesetzte Klammer zu schätzen. Das Ende des Textes greift eine Metapher, ein Sprachbild oder ein Thema des Anfangs auf, bildet also eine »Klammer«. Das Motiv wird (wenn der Autor sein Handwerk versteht) nicht »bloß wiederholt«. Der Text zwischen erster und zweiter Instanz wird (hoffentlich) mit Tiefe und Inhalt gefüllt, was dem Leser bei der klammernden Wiederholung unbewusst bewusst wird.

Die Klammer gibt dem Leser das befriedigende Gefühl, dass der Autor sein Thema durchdacht hat. Dass der Leser in guten Händen ist, dass auch diese Lesezeit gut investiert war. Den Autor aber zwingt das Wiederaufgreifen des Anfangs, am Ende angekommen auch tatsächlich mindestens einmal über den Text zu gehen. Lose Fäden wahlweise abschneiden oder mit anderen Fäden verknüpfen. Insofern: solide Arbeit. (Man könnte weiterwitzeln: das TV-Sofa als Sargtraining und Probefriedhof. Bringt die Staatsfunker aber nicht auf noch dümmere Ideen, sonst verlangen sie noch GEZ-Zwangsgebühr für Gräber.)

Schlicht deutsche Gegenwart

Ja, haha, sehr witzig alles. Und doch schmeckt mir etwas an jenem Text bitter. Etwas, das mir auch an meinen eigenen Essays auffiel: Die Verwendung der Begriffe »Propaganda« und »Staatsfunk« wirkt nicht mehr essayistisch-provokativ. Keine Übertreibung (mehr). Keine Warnung (mehr). »Propaganda« und »Staatsfunk« beschreibt schlicht deutsche Gegenwart.

Ja, ich lache und schmunzele über gewitzte Beschreibungen. Doch wie ich euch gestern schon gestand (Essay »Das Aufhaltende und drei kluge Männer«), drängt sich mir täglich penetranter die Frage auf: Und was folgt daraus praktisch?

Ich lese ja nicht nur Essays bei anderen Freien Denkern, ich lese auch – nur Linke und andere Dummköpfe würden lachen – die Bibel.

Heute morgen begegnete ich einer Passage in der Apostelgeschichte, die mich in ihrem Kontrast zu unserer Gegenwart geradezu schockierte.

Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und so kamen an jenem Tage etwa dreitausend Seelen (zu der Gemeinde) hinzu. Sie hielten aber beharrlich fest an der Lehre der Apostel und an der (brüderlichen) Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den (gemeinsamen) Gebeten.
Und über jedermann (im Volk) kam Furcht, und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel.
Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; sie verkauften ihre Besitztümer und ihre Habe und verteilten (den Erlös) unter alle nach Maßgabe der Bedürftigkeit eines jeden; und indem sie am täglichen Besuch des Tempels mit Einmütigkeit festhielten und das Brot in den einzelnen Häusern brachen, genossen sie ihre (tägliche) Nahrung mit Frohlocken und in Herzenseinfalt, priesen Gott und standen mit dem ganzen Volk in gutem Einvernehmen.
Der Herr aber fügte täglich solche, die gerettet wurden, zu festem Anschluß hinzu.
Apostelgeschichte 2:41-47

Ich spürte in den Worten die tiefe Freude jener Zeit und jener frühen Christen. Und dann spürte ich körperlich jenen sprichwörtlichen Stich im Herzen, als mir der Gegensatz zum Alltag bewusst wurde.

Diese Menschen trafen sich täglich, aßen und beteten gemeinsam, teilten Besitztümer untereinander. (Nota bene: Man teilte christlich, also freiwillig und nach Bedürftigkeit. Nicht sozialistisch, also zwangsweise und vor allem zugunsten der Parteikader und ihrer Günstlinge.)

Man genoss die tägliche Speise »mit Frohlocken«, man pries Gott und der Herr fügte täglich mehr Seelen dazu.

Und heute?

Doch nicht das bittere Lachen

Wir lachen und schmunzeln über die Dummheit des Staatsfunks, der Propaganda und ihrer Opfer. Wir schütteln hilflos die Faust gen Berlin und Brüssel. Essayisten schreiben gewitzte, aber letztlich hilflose Textlein über all das Elend (auch ich, zweieinhalbtausend bislang).

Ja, ich wünsche mir ein Lachen, doch nicht das bittere Lachen über böse Dummheit und dumme Bosheit. Vielmehr jenes gute Lachen, ein Lachen der Freude, weil eben doch noch Gutes existiert.

TV gucken ist heute eine Art der Sterbevorbereitung. Staatsfunk gucken ist wie probeweise im Sarg liegen, mit dem Zwangsbeitrag als Friedhofsgebühr.

Man beachte die hier gesetzte essayistische Klammer des Motivs »TV ist Tod«. Doch diese Klammer war eher Pflicht, zur Kür also noch dies:

TV und Staatsfunk auszuschalten, ist eine Übung in Wiederauferstehung! – Ja, darüber sei das Lachen erlaubt, vielleicht sogar das Frohlocken! Statt unserer täglichen Bitterkeit lieber unser tägliches Brot.

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Der Essay Staatsfunk als Vorbereitung auf den Tod von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/friedhofsgebuehr/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!