Super nervig: Leute, die extra gute Laune an den Tag legen, um allen damit zu zeigen, wie GLÜCKLICH sie doch sind – als ob Glücklichsein ein Wettbewerb wäre. Ich bevorzuge jederzeit die Grummeligen, die darunter heimlich Demut und Menschenliebe pflegen.

Heute lernen wir: Gut gelaunt und glücklich sind nicht dasselbe, sonst wären auffällig viele Irre in den Irrenhäusern glücklich zu nennen.

Und spiegelbildlich: Nicht jeder mürrische, schimpfende Schlechtgelaunte ist unglücklich, sonst wären auffällig viele Propheten der älteren und neueren Zeit unglücklich zu nennen.

Zur Auffrischung und/oder schnellen Erklärung: Ich nenne einen Menschen glücklich, wenn er seine Kreise konzentrisch angeordnet hat. Also jene Kreise, die ich als Relevante Strukturen beschreibe, und die katholische Ethik nennt es die Ordo Amoris, die Ordnung der Liebe.

Wir kennen sie doch, diese Menschen, die sich extra gut gelaunt geben und extra schrill lachen, um zu betonen, wie super ihre Laune ist.

Ich fürchte, die begehen gleich zwei Fehlschlüsse in Folge: Erstens ist demonstrative gute Laune nicht dasselbe wie Glück. Und zweitens ist Glück keine Angelegenheit, die wirklich glückliche Menschen als Wettbewerb austragen.

Und dann: Amos, Sacharja, Johannes der Täufer, Jesus Christus, Petrus, Paulus, Matthäus, Markus, Lukas, Bartholomäus, Polykarp von Smyrna, Thomas Morus, Maximilian Kolbe oder natürlich Laurentius, der auf einem Rost verbrannt wurde und der Schutzheilige der Köche und Komödianten ist. Diese Namen sind ein klitzekleiner Teil der Menschen, die für höhere Werte starben. Die meisten von ihnen als Märtyrer, einer als Erlöser.

Kein einziger dieser Großen war für seine penetrante gute Laune bekannt – eher im Gegenteil. Während sie gekreuzigt, geköpft oder gesteinigt wurden, waren diese Leute gewiss nicht »gut gelaunt«. Und doch wäre es auf mehrere Arten falsch, diesen Menschen das Glücklichsein abzusprechen.

Ja, nicht nur die performative gute Laune steht zu oft im Widerspruch zur Wahrheit.

Im Essay »Freundliches Gesicht, böse Tat« erwähnte ich, dass in ihren Taten sehr böse Menschen privat sehr freundlich sein können. Machte es sie zu »guten Menschen«, dass sie freundlich zu ihren Freunden waren?

»Je me méfie des gens qui n’aiment pas les chiens«, wird Charles de Gaulle gern zitiert. Das bedeutet, dass er Menschen misstraut, die keine Hunde mögen. Es liegt zuverlässige Wahrheit darin, wie etwa auch die Deutschen bitter lernen mussten. Doch nicht jeder, der Hunde mag, ist allein deshalb schon ein tatsächlich guter Mensch!

Wenn ein Mörder gefasst wird, wurden zumindest früher in den USA regelmäßig die Nachbarn interviewt. Und die berichteten zuverlässig, was für ein freundlicher, höflicher Mensch der Mörder doch privat gewesen war.

»Gut gelaunt und glücklich sind nicht dasselbe, sonst wären auffällig viele Irre in den Irrenhäusern glücklich zu nennen«, so schrieb ich, und ähnlich gilt: Freundlich zu sein und ein guter Mensch zu sein, sind nicht dasselbe, sonst wären auffällig viele gefasste Mörder, gemäß den Berichten ihrer Nachbarn, außerordentlich anständige Menschen zu nennen.

Gute Laune und ein freundliches Äußeres sind schlicht Lügen, wenn sich darunter tatsächlich Sinnlosigkeit und Kälte verstecken, aus gutem Grund hoffend, sich nicht zu verraten.

Natürlich wünsche ich jedem von uns allzeit gute Laune und ein gewinnendes Äußeres. Doch zu viele von uns sind schlicht müde. Selbst wenn wir gute Laune und sprudelnde Freundlichkeit schauspielern wollten, hätten wir keine Energie mehr dafür.

Bleibt mir fort mit Fake-Gute-Laune! Gebt mir jene Grummeligkeit, unter deren rauer Oberfläche tatsächlich Weisheit und Menschenliebe zu finden sind.

Wir sprachen von jenen außerordentlich freundlichen Nachbarn, die sich später als Mörder herausstellen? Nun, Menschen nach meinem Herzen sind oft genug das exakte Gegenteil davon.

E-Mail-Abo

Lassen Sie sich automatisch benachrichtigen, sobald ich hier etwas Neues veröffentliche! (Gratis, jederzeit abbestellbar.)

Der Essay Ach so nette Mörder, ach so glückliche Irre von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/gute-laune/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!