Willst du dich selbst schocken? Willst du in deinen Grundfesten erschüttert werden und dich ratlos vor unerwarteten Sinnfragen wiederfinden? Ja, wenn du mutig und masochistisch genug für ein solches Ansinnen bist, dann klinke dich aus!

Klinke dich aus, und sei es nur für einen Tag!

Nicht vierundzwanzig, sondern sechsunddreißig Stunden. So stellst du sicher, dass zwei Nächte inkludiert sind.

Einen Tag – und zwei Nächte! – lang lies keine Nachrichten. Einen Tag lang lies und beantworte keine E-Mails oder sonstige Nachrichten. Einen Tag lang scrolle nicht auf Social Media. Einen Tag lang verzichte sogar auf mich.

Ja, einen Tag lang schalte sogar dein Telefon aus und lass es in der Schublade.

Ich weiß, dass viele von euch diese Zeilen lesen werden, und ihr werdet zustimmend nicken und werdet murmeln: »Ja, das müsste man mal machen. Recht hat er ja, der Wegner!«

Und dann wird es euch doch ähnlich gehen wie dem reichen Jüngling in Matthäus 19:16-26. Dessen Geschichte ist schnell erzählt:

Ein reicher, junger Mann fragt, was er tun muss, um das ewige Leben zu erlangen.

Nach einigem Hin und Her gelangt das Gespräch zu dem Schluss, dass er sein Hab und Gut verkaufen und den Erlös den Armen spenden sollte, um dann Jesus nachzufolgen.

Jesu Erklärungen gehen danach weiter, doch das Gespräch selbst endet an dieser Stelle abrupt:

Als der Jüngling das Wort gehört hatte, ging er betrübt weg; denn er besaß ein großes Vermögen.

Matthäus 19:22

Du liest mich, du liest diesen Text. Du stimmst mir zu, dass man sich mal für einen Tag ausklinken sollte. Wirklich ausklinken, nicht bloß »anderswo einklinken«. Und allgemein stimmt das ja auch, so sagst du. Nur in deinem speziellen Fall geht es leider nicht. Oder es geht erst später, im Urlaub vielleicht. Oder es ist nicht notwendig. Oder irgendeine andere Lüge.

Wenn ich den Ausdruck »ausklinken« höre, denke ich an Kopfhörer, die früher immer durch ein Kabel mit »Klinkenstecker« mit der Musikanlage verbunden waren. Solange ich eingeklinkt war, spielte die Maschine ihre Musik in meinen Kopf. Heute sind nur noch Studio-Kopfhörer mit Kabel und Klinke verbunden; Bluetooth ersetzt meist das Kabel. Und doch bleiben die Menschen eingeklinkt – und vermeiden das Ausklinken. Warum?

Vielleicht – prüfe dich genau! – fürchtest du heimlich, dich auszuklinken. Du weißt, dass dich das Ausklinken, und sei es nur für einen Tag und zwei Nächte, zu der Erkenntnis bringen könnte, dass du die ganze Zeit in Lügen eingeklinkt warst. Auch wer weiß, dass er mit Lügen beschäftigt ist und den Lügen laut und täglich widerspricht, ist doch mit Lügen beschäftigt.

Wenn zwei aneinandergeklammert in den Abgrund fallen und beim Aufprall schließlich umkommen, macht es da wirklich einen Unterschied, wer klammerte und wer umklammert wurde?

Klinke dich aus! Sei nicht der, der klammert und zugleich der, der geklammert wird. Lass los, für zwei Nächte und einen Tag. Klinke dich aus, um zu leben.

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Der Essay Klinke dich aus, reicher Jüngling von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/juengling/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!