Herr Polenz erklärt Islamismus
27.08.2024 · Lesezeit 7 Minuten · Bild-Titel: »Thumbnail«
Der Polenz hat wieder einen rausgehauen, und was er rausgehauen hat, ist für seine Verhältnisse nicht einmal besonders spektakulär, doch es ist entlarvend. Es hat mit Islamismus zu tun – und mit den Deutschen. Und mit der Frage, wer eigentlich Schuld trägt am Islamismus.
»Wer sich von der Gesellschaft abgelehnt fühlt, ist anfälliger für islamistische Indoktrinierung. #Islamismus Wir müssen #Integration als WERTSCHÄTZENDE INTEGRATION verstehen und leben, nicht nur nach dem Motto: strengt euch mal an – mitspielen dürft ihr vielleicht später« (@polenz_r, 26.8.2024/archiviert).
Eine kurze Ägide
Ruprecht Polenz war mal Generalsekretär der CDU. Das ist nun bald zweieinhalb Jahrzehnte her, unter Frau Merkel, damals in der Opposition gegen Rot-Grün.
Die Ägide des Ruprecht Polenz als Generalsekretär der Merkelisten dauerte nur wenige Monate.
Manche sagen, Polenz musste gehen, weil die CDU mit ihm einfach nicht »kampagnenfähig« war. Man hört, dass er sich auf den Kampf gegen die »Öko-Steuer« versteifte, die rot-grüne Regierung diese aber wieder abfederte (vergleiche welt.de, 27.9.2000). Polenz schien überhaupt zu viel »Harmonie« verbreiten zu wollen, wo mehr »Kettenhund« gefragt wäre.
Polenz wurde damals mal von einem Interviewer damit konfrontiert, dass von einem Generalsekretär erwartet werde, ein »Pitbull« zu sein. Seine Antwort lautete: »Man weiß ja, was derzeit mit den Pitbulls passiert. Entweder sie bekommen einen Maulkorb oder werden eingeschläfert. Ich bin kein Pitbull.« (ebenda)
Die erste und eigentlich einzige Qualifikation eines Generalsekretärs ist es, der metaphorische »Kettenhund« zu sein, der »Pitbull«. Die »Kette« ist die Aufgabe, Partei und Parteichef zu verteidigen, aufs Aggressivste, nach jenem Prinzip, wonach Angriff die beste Verteidigung ist.
Übrigens, als Beispiel der weniger »aggressiven« Methoden des Herrn Polenz als Generalsekretär gilt wohl der Aufmarsch einer Gruppe von CDU-Leutchen auf billigen Kinder-Tretrollern, wie sie damals in Mode waren. Alle waren mit billigen und übergroßen weißen T-Shirts über der Bürokleidung uniformiert.
Auf dem Shirt des schlechtgelaunten Polenz – und nur auf seinem – stand in billigem Copyshop-Druck: »Weg mit dieser K.O.-Steuer«. – Ja, es wirkt optisch alles genauso lächerlich und kindisch und weltfremd, wie es klingt (Link zu Bild).
Im September 2000 bekannte sich Polenz also öffentlich dazu, die erste und (neben blinder Parteitreue) eigentlich einzige der notwendigen Qualifikationen als Generalsekretär nicht zu erfüllen, nämlich »Pitbull« zu sein. Kaum einen Monat später durfte Merkel seinen Rücktritt »zur Kenntnis nehmen« (siehe berliner-zeitung.de, 23.10.2000).
Moderner Mitte-Kurs
Heute, über zwei Jahrzehnte später, im stolzen Alter von inzwischen 78 Jahren, scheint Herr Polenz noch immer das Trauma der wenigen Monate als viel zu harmloser Generalsekretär in der Opposition abzuarbeiten.
Die Bissigkeit, die er als CDU-Generalsekretär vermissen ließ, praktiziert er nun zähnefletschend in den Sozialen Medien. Polenz tritt linker als MLPD, Grünen-Basis und die umbenannte SED zusammen auf – was an ihm noch »CDU« sein soll, erschließt sich nicht nur mir nicht.
Polenz schimpft und wütet derart plump gegen alles Nicht-Grünlinke und Nicht-Antideutsche, dass sogar der für seine geifernde Linksaußen-Hetze bekannte »Volksverpetzer« ihn lobend als für »einen modernen Mitte-Kurs der CDU« einstehend bewertet (volksverpetzer.de, 24.7.2024).
Vor diesem Hintergrund ist Polenzens Tweet zu den angeblichen Ursachen des Islamismus in Deutschland geradezu zahm – außer natürlich darin, dass der Polenz-Ideologie immer die Deutschen schuld sind, auch dann, wenn sie abgemesser werden.
Fragwürdige Struktur
»Wer sich von der Gesellschaft abgelehnt fühlt, ist anfälliger für islamistische Indoktrinierung«,
Um diesen Ansatz zu verstehen, lasst uns ein verwandtes Thema in exakt diese Argument-Struktur einsetzen.
Etwa so: Wer sich von kurzen Röcken angezogen fühlt, ist anfälliger für Vergewaltigungs-Gedanken.
Ihr merkt es selbst: Polenz bereitet hier eine klassische Täter-Opfer-Umkehr vor.
Später wird er behaupten, er habe damit die »Islamismus-Forschung« zitiert. Doch wir kennen die Soziologen und Extremismusforscher unserer Zeit, und wie ernst diese zu nehmen sind. (Es ist nicht »Forschung«, wenn du mit dem Ergebnis beginnst.)
Verstehen und leben
Recht offen wird con Polenz impliziert, Deutschland sei selbst schuld, wenn eingewanderte Muslime zu mordenden Islamisten werden.
Aus der Täter-Opfer-Umkehr leitet Polenz dann eine moraliche Pflicht ab: »Wir müssen #Integration als WERTSCHÄTZENDE INTEGRATION verstehen und leben«.
Niemand, nicht einmal ein politischer Linksaußen wie Polenz wird bestreiten, dass Deutschland das aufnahmefreundlichste Land dieses Planeten ist. Deutschland hat de facto global-öffentlich erklärt, dass es bereit ist, seine Existenz zu opfern, um das All-Inclusive-Sozialamt für die 1,85 Milliarden Menschen Afrikas und der arabischen Welt zu geben.
Wir sind Giving Tree
Kennt ihr die Parabel vom »Giving Tree«, der sein Holz und damit sein Leben für den kleinen Jungen gibt? Das ist Deutschland.
Wenn in Deutschland ein »Flüchtling« auf einem »Vielfalt-Festival« drei Menschen tötet und sechs weitere schwer verletzt, starten in Deutschland am nächsten Tag die Gegen-Rechts-Demonstrationen, um klar zu machen, dass man auf keinen Fall aufhören wird, sich und seine Familie willig zu opfern für die »Toleranz«.
Wie viel »willkommender« soll eine Gesellschaft schon sein. Das Wettrennen um die meiste Willkommenskultur gewinnt Deutschland bereits mit mehreren Stadionlängen Vorsprung – doch Herrn Polenz ist das nicht genug.
Und Herr Polenz lehnt nachdrücklich das Motto ab: »Strengt euch mal an – mitspielen dürft ihr vielleicht später.«
Dies aber ist der Punkt, da liegt Herr Polenz – wie Linke es oft tun – derart falsch, dass auch das Gegenteil nicht richtig wäre.
Parks, Museen, Bibliotheken
Es stimmt definitiv nicht, dass Deutschland keine »willkommende Wertschätzung« gegenüber Einwanderern erbringen würde. (Und ich rede teilweise aus eigener Familien-Erfahrung.)
Da wären einmal die vielen praktischen Hilfen. Einige Hilfen nahmen wir nicht an. Es war meinen Eltern und Großeltern wichtig, vom ersten Tag an zu arbeiten. Dann wären da aber auch jene Hilfen, die so selbstverständlich sind, dass sie jedem Ausländer den Verstand sprengen könnten, wenn we sie mit sem Angebot in anderen Ländern vergleicht. In Deutschland kann man kostenlos zur Schule und sehr günstig studieren!
Und dann die vielen Selbstverständlichkeiten von relativer Sicherheit und Sauberkeit bis hin zu Parks, Museen, Bibliotheken – all das ist eine Form des »Willkommens«! (Tatsächlich verläuft die Nutzung von Museen und Parks nach meiner praktischen Erfahrung durch »Ausländer« oder »Deutsche« recht unterschiedlich. Liegt das daran, dass die Museen und Bibliotheken nicht »willkommend« genug waren?)
Zu gut oder zu böse?
Man darf in Deutschland als Ausländer definitiv vom ersten Tag an »mitspielen«!
Ich verlange wahrlich nicht von jedem Ausländer, dass er sich wie ich unsterblich und fürs Leben in die deutsche Sprache und das in dieser Sprache Geschriebene verliebt, dass er wie ich einen Weg sucht, sein inneres Leben in dieser Sprache einzurichten und diese Einrichtung ins Schaufenster zu stellen. Aber bitte, seid ehrlich: Wer »mitspielen« will, der muss auch eine der vielen Hände annehmen, die ihm zum Mitspielen hingehalten werden.
Man hat die Deutschen »entweder an der Gurgel oder zu Füßen«, so wird Winston Churchill zugeschrieben (wohl fälschlicherweise).
Herr Polenz gelingt eine logisch interessante Variante dieser international bekannten Wahrheit: Polenz springt als »später Kettenhund« jedem Mitdeutschen rhetorisch an die Gurgel, wenn der nicht sich und sein Haus in totaler Selbstaufgabe den Fremden zu Füßen wirft.
Das aber ist eine Ironie der Deutschen: Einst waren wir so extrem böse, dass die Welt versucht war, uns zu beenden. Heute sind wir so extrem »gut«, dass die Welt uns beenden wird.
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Der Essay Herr Polenz erklärt Islamismus von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/kein-pitbull/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!