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Seid ihr schon mal mit einem leeren Transporter durch Windböen oder Sturm gefahren? Jede Böe will das Fahrzeug aus der Fahrspur drücken. Du sitzt drin, hast aber Angst – würdest gern lebendig ankommen. So etwa fühlt sich derzeit Deutschlands Politik an.

Ich spüre es bis heute in den Knöcheln – und im Bauch. So etwas vergisst man nicht!

Es passierte, als ich einen Kleinbus gemietet hatte, einen Transporter, wie man es so tut, um eine größere Menge an Dingen von einem Ort zum anderen zu transportieren.

Als das ordnungsgemäß erledigt war, fuhr ich mit dem nun leeren Transporter wieder zurück, auf der guten deutschen Autobahn, an einem Sonntagnachmittag.

Es war nicht niemand unterwegs, aber auch nicht zu viele Autos. Wenige LKWs, mehr Sonntagsausflügler.

Ich war guter Dinge und fuhr dahin, in meinem leeren Kleinbus.

Und dann kamen Windböen auf.

Der erste Windstoß schob mich ein gutes Stück in die linke Spur.

Höhere Mächte verhinderten die Katastrophe. Just in dem Moment war links von mir gerade niemand.

Ich erinnerte mich wohl an irgendwas Nützliches aus der Fahrschule, oder meine Instinkte waren einfach im entscheidenden Moment richtig, denn ich riss das Steuer nicht panisch herum, sondern dirigierte das leere, schwankende Gefährt behutsam wieder in die korrekte Spur.

Bald stieß der nächste Windstoß an den Transporter. Ich konnte noch so gut vorbereitet sein – was sollte ich tun, wenn der Wind den kompletten Kleinbus verschiebt?

Nun, aus der Tatsache, dass ich euch diese Zeilen aufschreiben kann, lässt sich leicht schlussfolgern, dass ich jene Fahrt zumindest überlebte. Soweit ich mich erinnern kann, hielt ich mich innerhalb meiner Fahrspur rechts, sodass ich auch bei einem Windstoß von rechts innerhalb der Fahrspur blieb.

Vermutlich ist darin, dass man sich rechts halten soll, damit ein Windstoß nach links einen nicht aus der Spur trägt, eine politische Metapher enthalten. Doch sie ist mir zu leicht umkehrbar. Und es hängt ja ohnehin davon ab, aus welcher Richtung die Böen gerade kommen. Ich will auf eine andere Metapher hinaus.

Der leere Kleinbus wurde vom Wind hin- und hergeschoben, weil ihm schlicht der Ballast fehlte. Keine Nutzlast hielt das Gefährt mehr auf der Straße.

Doch auch ohne Gewicht bot der Transporter noch immer viel Angriffsfläche.

Erlaubt mir bitte, etwas dramatisch zu formulieren: Weil dem Transporter der Sinn und Zweck fehlte, weil er seine Nutzlast losgeworden war, fehlte ihm nun das Gewicht, und der Wind schob ihn hin und her.

Deutschlands Gegenwart erinnerte dieser Tage an jene dramatische Fahrt durch die Windböen.

Was ist denn die Nutzlast Deutschlands? Was ist der Sinn und Zweck? Wofür ist dieser Transporter unterwegs?

Dass Deutschland seine Kraftwerke sprengt, seine Wirtschaft zu Tode würgt und die Leistungsträger aus dem Land vergrault, während es die Gesellschaft nach dem Vorbild nahöstlicher Islamisten-Hotspots umbaut – all das ließe sich lesen als NGO-induzierte Windböen.

Ein »normales« Land würde all diesen wahnwitzigen, potenziell tödlichen Ideen leicht widerstehen. Doch ein »normales« und »psychisch gesundes« Land weiß, dass ein erster Zweck darin besteht, das Wohl des Volkes zu mehren und Schaden vom Volk abzuhalten. Ein normales Land ist sich seiner ganzen Geschichte bewusst, nicht nur der unschönen Aspekte.

Deutschland hat seinen Sinn und Zweck aufgegeben, seinen natürlichen Auftrag verraten und also schließlich sein Gewicht verloren. Wir werden hin- und hergeworfen wie ein leerer Transporter im Sturm auf der Autobahn.

»Ein Land muss mehr als ein Pflichtenkatalog sein«, schrieb ich 2017, und das gilt weiterhin.

Ein Transporter ohne Nutzlast, Sinn und Zweck und damit ohne Gewichtnatürlich wird so ein sinnloses Fahrzeug von Windböen hin- und hergeschleudert werden.

Die Spur hält sich leichter und du musst Windböen weit weniger fürchten, wenn dir eine Nutzlast Gewicht verleiht – wenn du weißt, zu welchem Zweck du überhaupt unterwegs bist. Das gilt für Lastentransporte, für Länder und nicht weniger für das eigene Leben.

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Der Essay Wie ein leerer Transporter im Sturm von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/leerer-transporter/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!