Die Regierung redet die Lage in Deutschland schön – und redet die Deutschen schlecht. Es ist andersherum: Es steht kritisch um Deutschland, und die Deutschen sind feine Leute (aber leider heutzutage allzu leichte Beute).

Freunde, wir sind keine schlechten Leute – wir sind nur allzu leichte Beute! Gebückt vorm Gestern verzocken wir das Heute. Wisst ihr noch, als man sich aufs Morgen freute?

Ich lese die Nachrichten, wie jeden Tag, wie jeder von uns, und heute jedenfalls fällt mir etwas auf. Ein Muster, ein System. Man könnte und sollte also sagen: ein »Seitenverhältnis«.

Zwei aktuelle Beispiele! Erstens, n-tv.de, 18. Juni 2024 : »Scholz verspricht den Deutschen ›bezahlbare Energieversorgung‹« – Man könnte auch sagen: Die Regierung verspricht, dass alles gut werden wird. Aber eigentlich ist schon alles gut, auch wenn ihr das nicht mitbekommt.

Und dann auf der anderen Seite des emotionalen Spektrums, ebenfalls aktuell, n-tv.de, 18. Juni 2024 : »Verfassungsschutzchef im Interview: Die größte Gefahr ist der Rechtsextremismus«.

Merkt ihr das asymmetrische Seitenverhältnis? Mir fiel das auf. Meine Ethik-Sensoren schlugen an. Ich grübelte, bis ich auf die präzise Formulierung dieser asymmetrischen Relation kam.

Und zwar: Die deutsche Regierung redet die Lage und Zukunft Deutschlands schön – und die Deutschen schlecht. Tatsächlich ist die Lage des Landes, mindestens im Vergleich zu seinen Möglichkeiten, gar nicht gut – und die Deutschen sind eigentlich dufte Leute.

Die Deutschen – wir Deutschen – sind feine Leute, wäre da nicht diese Zu-Füßen-oder-an-der-Gurgel-Mentalität bei zu vielen von ihnen.

Aber das ist es nicht, was die Regierung an den Deutschen kritisiert. Das ist nicht der Vorwand, unter welchem Innenministerium und Verfassungsschutz die Werte und das Ansehen der Demokratie ramponieren. Deren Kritik ist vielmehr, sinngemäß, dass noch immer zu viele Deutsche ihre Heimat zu sehr lieben und also bewahren wollen, weshalb sie für die Regierungen wohl »schlechte Leute« sind – mindestens aber »verdächtige« Leute.

Die deutsche Regierung und folglich auch die deutsche Propaganda reden die Deutschen schlecht. Und zwar sowas von schlecht. Gleichzeitig redet man Deutschlands Lage schön, und zwar Deutschlands Lage hinsichtlich Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung, Zukunftskompetenz bezüglich aktueller Entwicklungen wie Social Media und Künstliche Intelligenz.

Die Regierung redet die Lage schön und die Deutschen schlecht, und wer allzu deutlich widerspricht, der gerät schnell ins Visier des Inlandsgeheimdienstes, unterm de facto anti-demokratischen Schlagwort »verfassungsschutzrelevante Delegitimierung«.

Ich halte es (noch) nicht für unmöglich, eine im Geist und Wesen zunehmend demokratiefeindlich und totalitär agierende Regierung auf demokratischem Weg aus dem Amt zu entfernen. Ich bin nur recht ratlos, wie man die Deutschen dazu bewegt, es zu tun.

Und so ist heute mein Rat nur dieser: Wenn die Propaganda wieder mal die Lage des Landes schönredet und die Deutschen schlechtredet, dann widersprecht in beiden Punkten!

Wir sind keine schlechten Leute – wir sind nur allzu leichte Beute! Gebückt vorm Gestern verzocken wir das Heute.

Wisst ihr noch, als man sich aufs Morgen freute?

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Der Essay Wir sind keine schlechten Leute von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/leichte-beute/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!