Linke behaupten schon mal, Maria und Josef seien »Flüchtlinge« gewesen. (Waren sie nicht.) Aktuell aber wehren sich Grüne gegen ein Flüchtlingsheim in Kreuzberg. Ergo: Maria und Josef wären in Kreuzberg nicht willkommen gewesen. (Jesus sowieso nicht!)

Es ist nicht einfach, das alles. Es ist alles nicht einfach, also hoffen und vertrauen wir darauf, eines Tages zu spüren, dass alles – oder zumindest einiges davon – all die Mühe wert gewesen sein wird.

Es ist nicht einfach, den Linken Jahr für Jahr zu erklären: »Nein, Maria und Josef waren keine Flüchtlinge, sondern reisten von einem Gebiet des Römischen Reichs ins andere.«

Nehmen wir an, dass ein Deutscher zur Erledigung einer bürokratischen Angelegenheit vorübergehend ein anderes Bundesland besucht. Er ist kein »Flüchtling«, unabhängig davon, ob er kurzfristig ein Hotelzimmer findet oder nicht (Lukas 2:6-7).

Später reiste die Familie mit dem frischgeborenen Jesus nach Ägypten, um der Verfolgung durch Herodes zu entgehen (Matthäus 2:13-15). Inhaltlich mag es eine »Flucht« gewesen sein, doch formal zogen sie in eine weitere römische Verwaltungsregion (wenn auch eine besonders prosperierende Sonderprovinz). Das ist etwa, wie wenn eine Familie aus dem Failed State Berlin ins ländliche Bayern ziehen würde.

Aber gut, nehmen wir an, Jesus und Maria wären »Flüchtlinge« gewesen. Und nehmen wir weiter an, dass die jungen Männer im wehrfähigen Alter, die nach Deutschland kommen, allesamt wirklich »Flüchtlinge« sind.

Würden jene, welche die Weihnachtsgeschichte als moralische Verpflichtung zu offenen Grenzen und unbegrenzter Einwanderung in die Sozialsysteme lesen, denn selbst »Maria und Josef« eine »Herberge« bieten?

Oder sind Grüne doch nur »Gutmenschen«, sprich: Heuchler und Moralisten nur andere Leute betreffend? Das wäre geradezu schockierend!

Nun, in diesen Wochen können wir es an einem Live-Beispiel studieren.

Um die psychische Gesundheit

In Berlin soll ein großes Bürohaus (10 Etagen, 32.000 Quadratmeter) in wertvoller Lage (Kreuzberg-Hasenheide) in eine Unterkunft für über 1.000 »Flüchtlinge und Migranten« umgewandelt werden (siehe bild.de, 8.12.2025).

Die Initiative geht vom Landesamt für Einwanderung aus. Doch das von Grünen geführte Bezirksamt protestiert nun! Einwanderung ja gern, aber doch bitte dahin, wo die bösen Nazis wohnen, nicht in die Nachbarschaft der »Guten«.

Die Begründung der Dagegenseienden ist geradezu zum Schreien lustig: Man sorgt sich um das Wohl der Flüchtlinge!

Ein Beispiel: Eventuelle Kinder unter den Migranten sollen in dem umgebauten Gebäude direkt beschult werden. Die Anwohner aber sorgen sich um die »psychische Gesundheit« der Kinder, wenn sie das Gebäude nicht zur Beschulung verlassen können. Zur gleichen Zeit muss übrigens leider, leider eine nahegelegene Schule schließen, da sie heruntergekommen ist. Es ist halt nicht Geld für alles da. Der Staat setzt Prioritäten.

Auf einer Bezirksversammlung der Grünen gab es (siehe taz.de, 1.7.2025) »viel Applaus« für die Feststellung, der Stadtteil sei ohnehin von Armut geprägt, und also solle man sich doch bitte erst um die Armen kümmern, die »jetzt schon da sind«.

Man wundert sich: »Die schon länger da sind« ist seit Merkel ein Code für »Deutsche«. Wenn die Kreuzberger Grünen aber codiert sagen, der Staat solle sich zuerst um Deutsche kümmern, dann klingt das für mich – in neulinker Lingo – reichlich »rechtsextrem«.

Nein, selbst wenn Maria, Josef und später Jesus wirklich Flüchtlinge oder Migranten gewesen wären, hätte man sie in Kreuzberg nicht willkommen geheißen. Man hätte sich Ausreden überlegt, etwa dass man um ihre »psychische Gesundheit« besorgt sei, wenn man sie zwischen Kuh und Esel unterbringen würde.

Nein. Weder Maria, Josef noch Baby-Jesus wären in Kreuzberg willkommen gewesen (und dass sie Juden waren, hätte in Kreuzberg vermutlich nicht nur Sympathien geweckt).

Und Jesus als Erlöser, Moralprediger und Sohn Gottes wäre als »Rechtsextremer« aus Kreuzberg vertrieben worden, so wie »christliche Christen« für heutige Linke als Feindbild gelten.

Und die Tür auftut

Erlaubt mir, zu Heiligabend etwas blumig zu formulieren, weil es die präziseste Formulierung für meine Gedanken in dieser Angelegenheit ist: Die eigentliche Weihnachtsfrage ist heute natürlich, ob man den »geglaubten« Jesus zu sich ins Haus lässt.

Wir lesen die Weihnachtsgeschichte in Lukas 2:1–21, und für mich ist eine zentrale Botschaft von Weihnachten in der Apokalypse wunderbar ausformuliert:

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, so werde ich bei ihm eintreten und das Mahl mit ihm halten und er mit mir.

Offenbarung 3:20

In diesem Sinne wünsche ich: Frohe Weihnachten! Ich wünsche euch und mir den Mut und auch die Kraft, sowohl heute als auch im neuen Jahr »die Tür aufzutun«.

Nein, es ist alles nicht einfach. Es ist ganz bestimmt nicht einfach, die verrammelten und vernagelten Türen der Seele zu öffnen. Doch das wissen und hoffen wir: Es ist gewiss die Mühe wert – bereits jetzt und hier. (Und vielleicht sogar in Kreuzberg, wer weiß.)

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Der Essay Maria und Josef sind in Kreuzberg nicht willkommen von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/maria-und-josef-in-kreuzberg/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!