Mittlerweile hat die halbe Republik von Wolfram Weimer gehört. Herr Weimer betrieb mal die Website »The European« und veranstaltete wohl auch eine Art von Möchtegern-WEF namens »Ludwig-Erhard-Gipfel«. Da konnte man, wenn ich das richtig verstehe, viel Geld bezahlen, um Politikern die Hand zu schütteln. Herr Weimer ist aber inzwischen ein Staatsminister bei Herrn Merz, und damit wird die ganze Angelegenheit etwas haarig.
Apollo News hat all diese Fäden aus dem großen Politik-Info-Knäuel gezogen und der Öffentlichkeit vorgelegt. Der aktuellste Stand ist, siehe apollo-news.net, 20.11.2025, dass Herr Weimer seine Anteile an seiner Firma einem Treuhänder übergeben will.
Zunächst überraschte der deutsche Staatsfunk damit, dass er nicht nur über den Skandal berichtete, sondern sogar korrekt Apollo News als Quelle angab und sogar im Bewegtbild zeigte (tagesschau.de, 19.11.2025).
Ja, es war geradezu ein Schock!
Der Staatsfunk sagt die Wahrheit, zur besten Sendezeit!
Die Nation fragt sich: »Geschehen da Zeichen und Wunder?«
Der Essayist antwortet: »Jein.«
Lasst mich erklären!
Grenzwertig nah
Einen Tag später pendelte sich alles wieder wie gewohnt ein. In der 20-Uhr-Propaganda wurde berichtet, Weimer gäbe seine Anteile an einen Treuhänder ab. Damit wolle er »jeden Anschein eines Interessenkonflikts vermeiden«. (tagesschau.de, 20.11.2025)
In der Text-Einblendung, in der schriftlichen Berichterstattung und in den Social Media (@tagesschau_eil, 20.11.2025) heißt es allerdings: »Weimer gibt Anteile an Verlagsgruppe ab« – und das ist grenzwertig nah an einer blanken Propaganda-Lüge.
Trennt sich Wolfram Weimer wirklich von seinen Geschäftsanteilen, weil er sie vorübergehend einem »Treuhänder« übergibt?
Etwa teuren Whisky
Mich erinnert diese »Trennung« an den jüdischen Brauch, zu Pessach ihr Gesäuertes (»Chamez«) – etwa teuren Whisky – pro forma an einen Goy zu »verkaufen«. Zu Pessach ist es Juden nämlich eigentlich verboten, Gesäuertes zu besitzen.
Also schließt man es in einen Schrank, und nach Pessach »kauft« man es zurück. Das lässt sich heute sogar bequem via Internet erledigen, bevorzugt ist aber die Live-Variante in der örtlichen Gemeinde.
Wirklich belebt
Der Unterschied zwischen praktizierenden Juden und praktizierender Propaganda ist vielleicht, dass gläubige Juden sich sehr wohl bewusst sind, dass dieser Verkauf »nur« eine religiöse, metaphysische Handlung ist und sich am säkular-rechtlichen Status nichts ändert. Es ist nicht der Mangel an Rechtsanwälten, weshalb man diesen Vertrag durch einen Rabbiner bestätigen lässt.
So manche Religion erklärt bisweilen, dass Dinge metaphysisch eine andere Natur haben, als der Augenschein es nahelegt. Brot und Wein der Katholiken sind Blut und Leib Jesu (egal, was Luther sagt), aber sie sind es metaphysisch (außer natürlich in Fällen eucharistischer Wunder).
Während für Katholiken die Statuen und Bilder »nur« Werkzeuge zur Kontemplation sind (egal, was Protestanten sagen), glauben etwa Hindus, dass durch das Ritual der »Einsetzung des Atems« ihre Statuen wirklich von der jeweiligen Gottheit belebt werden. (Deshalb baden, bekleiden und füttern sie diese.)
Ähnlich in Japan, wo die Kami (Geister) wirklich in den spezifischen Objekten anwesend sind. Ähnlich die Schreine der Buddhisten, die Körper Buddhas sind. Ähnlich die chinesischen Ahnentafeln, die bewirtet und verehrt werden, weil man glaubt, dass der Geist des Ahnen sich darin befindet.
Deutschland durchlebt heute eine Übergangsphase zwischen rechtsstaatlicher Demokratie und einer neuen Staatsform namens »Unsere Demokratie«. Diese »Unsere Demokratie« aber entsteht noch. Wir ahnen, dass diese neue Staatsform totalitär und anti-intellektuell ist. Doch es bildet sich eine weitere Eigenschaft heraus: »Unsere Demokratie« verwechselt metaphysisch und realweltlich.
Für deutsche Politik herrscht keine blanke Korruption vor, wenn die Geschäftsanteile an einen Treuhänder abgegeben werden – und alles ansonsten weiterläuft wie bisher.
Mit Verlaub, das schmeckt mir nach Metaphysik. Nach höherer Wahrheit, die im eklatanten Widerspruch zur greifbaren Wahrheit steht.
»Metaphysische Politik« klingt auf jeden Fall besser als andere Begriffe, die einem dafür einfallen.
Zu veganer Soyapampe
»Israelkritiker« werfen Juden bisweilen vor, sie würden »G-tt austricksen« wollen. (Also ähnlich wie wenn Schwaben zur Fastenzeit ihr Fleisch als »Gottesbescheißerle« in Teig verstecken. Schwaben meinen dabei übrigens nicht, jenes Hackfleisch sei metaphysisch wirklich zu veganer Soyapampe geworden. Das wäre noch ein Sakrileg.)
Diese Rituale sind allerdings keine Tricks. Keiner der Beteiligten verwechselt die ontologischen Ebenen (hoffentlich).
Das ist einer der Unterschiede zwischen den alten Religionen und den Altparteien. Die einen haben Wunder anzubieten, die anderen handeln mit Tricks.
Mancher Bürger würde so manchen Politiker gern vor Gericht sehen, mit einem echten, ebenso harten wie fairen Verfahren. Man wünscht es sich, doch mit dem Wissen um weisungsgebundene Staatsanwälte und ein von den Parteien besetztes Verfassungsgericht fehlt dann doch der Glaube, dass es passieren wird.
Auf den Thron
Immerhin beschreibt manche Religion, dass zuletzt eine große Auf- und Abrechnung stattfinden wird, die große Offenlegung. Und dann wird gerichtet.
Die Christen wissen:
Wenn aber der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen; alle Völker werden alsdann vor ihm versammelt werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet; und er wird die Schafe zu seiner Rechten, die Böcke aber zu seiner Linken stellen.
– Matthäus 25:31-33
Ich selbst will eine Angelegenheit schon jetzt offenlegen. Ich will es gestehen, wenn auch nicht um Vergebung bitten.
Ich habe euch hier ausgetrickst, fast schon wie ein Politiker! Ich habe auf hoffentlich amüsante Weise über einen tatsächlich ernsthaften Skandal geschrieben. Ihr habt es gelesen, vermutlich zwecks Katharsis, zur emotionalen Aufarbeitung und inneren Stabilisierung. Stets bemüht, am Wahnsinn der Zeit nicht selbst wahnsinnig zu werden.
Doch während ich mich in diesem Essay politisch gab, habe ich – ganz wie ein Politiker – das betrieben (und beschrieben), was mir wirklich wichtig ist.
Und ähnlich wie moderne Politiker habe ich auch auf absehbare Zeit nicht vor, von diesem Amt zurückzutreten. (Anders als bei Politikern allerdings ist meine Finanzierung für euch freiwillig.)
Weiterschreiben, Wegner!
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