Merz ruft »Wir schaffen das!« – Merkels ausgelutschte Kamelle, neu serviert. Die Rhetorik der Regierung klingt, mit Trapattoni gesprochen, wie: Pralinenschachtel leer.

Wusstet ihr, dass eine typische Pralinenschachtel genau 42 Pralinen enthält? Und, stimmt es überhaupt? Das ist zumindest das, was @freiedenker heute früh behauptet hat. Ja, @freiedenker ist der kleine Roboter, der uns automatisch berichtet (derzeit dreimal pro Tag), wie viele neue Texte auf freiedenker.de erschienen sind.

Ich nahm mir also diese mediale Pralinenschachtel vor, und wollte sie mir schmecken lassen – doch was mussten meine Geschmacksnerven da bloß ertragen! Was für eine alte, labbrige, ausgelutschte Kamelle war darunter!

Lasst mich gleich präzisieren: Nicht der Artikel, den ich meine, war ausgelutscht, durchgekaut und ausgespuckt. Es war das, was der Artikel zitierte.

Ein unheiliger Geist

Der Artikel selbst beschreibt es als alten Geist. Und es ist ja wahr, es ist ein unheiliger Geist, ein Gespenst – ein Dämon, der hinter diesem Spruch steckt. Der alte Kommunismus, der zuerst und zuletzt nur eines will: die Zerstörung des christlichen Abendlandes, und dieser Dämon geht um in Europa, wieder und weiter.

Der Kampfruf des altneuen Kommunismus deutscher Nation aber lautet: »Wir schaffen das!«

Nein, »Proletarier aller Länder, vereinigt euch«, so etwas ruft der neue Kommunismus nicht mehr. Zu groß ist das Risiko, dass die Proletarier das dann auch wirklich tun und plötzlich die Opposition wählen. (So etwas ist dann »unverzeihlich« und muss »rückgängig gemacht« werden.)

Dieser Kommunismus ruft: »Wir schaffen das!« (In den USA entsprechend: »Yes we can!«)

Der neukommunistische Wahlspruch

Es war die ehemalige DDR-Funktionärin Angela Merkel, die der späten Bundesrepublik zum neukommunistischen Wahlspruch gab, »wir« würden es schaffen (Wikipedia »Wir schaffen das«). Sie schien zu meinen, dass die Lohnsteuerzahler Deutschlands die eine Milliarde Migrationswilliger der Welt aufnehmen und nach (heute: früherem) deutschem Sozialstaat-Standard versorgen, lebenslang – wohl während diese die sozialen Gewohnheiten ihrer Heimatländer in Deutschland etablieren.

Ja, dieses »Wir schaffen das« ist eine ausgelutschte Kamelle, die nie gut schmeckte, ein ausgespucktes Bonbon, herumgerollt im Dreck der Geschichte.

Wer ist Merzens Redenschreiber?

Um so erstaunlicher, dass der stets frische Weltmann Friedrich Merz jüngst auf dem Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommern in Linstow genau diesen Slogan »Wir schaffen das!« in den Mund nahm.

Es wird berichtet:

»Wir schaffen das, wir können das schaffen, wenn wir alle zusammenstehen und wenn wir wieder selbst aneinander glauben«, rief der Kanzler den Delegierten zu.
tichyseinblick.de, 7.6.2026

Wenn wir wieder selbst aneinander glauben?! Wer ist Friedrich Merzens Redenschreiber? Eine 16-Jährige im noch frischen Rausch ihrer Der-Alchemist-Lektüre? ChatGPT in der Version von 2023? Oder gar er selbst?!

Die dpa glättete den Satz übrigens nachträglich zu »an uns selbst glauben« – die Agentur schreibt dem Kanzler bessere Reden, als sein Redenschreiber es tut (siehe etwa t-online.de, 6.6.2026). Dabei ist es auch denkbar, dass Merz wirklich sagen wollen, dass wenn wir schon nicht an uns selbst, wir zumindest aneinander glauben sollen? (Ja, es ist ein Elend.)

Wer wissen will, was Merz wirklich sagt, sollte besser freiedenker.de konsultieren. Oder man könnte es bei YouTube selbst begutachten. (Es ist kein Qualitätszeugnis für Merz, dass die AfD einfach nur einen ungeschnittenen Original-Clip von Merz hochladen muss, um für sich Wahlkampf zu machen.)

Der von Merz herbeibeschworene Geist ist derart falsch, dass zu widerlegen ihn nicht lohne. Im Essay »Wir lernen das!« notierte ich, dass als Wahrheit offensichtlich wird, was mathematisch stets wahr war: »Wir schaffen das nicht!«

Doch darum geht es nicht. Darum ging es Merkel nicht, darum geht es vermutlich jenem Herrn nicht, den »Lügenfritz« zu nennen vom Staat bestraft wird – und zwar explizit unabhängig davon, ob es sachlich korrekt ist, das so zu sagen (jungefreiheit.de, 2.6.2026).

Die Umfragewerte der Regierungsparteien sind denkbar mies, doch »Berlin«, so soll der Wahrheitsfriedrich gesagt haben, habe »die Kraft und die notwendige Geschlossenheit«. – Aha.

Wie eine Flasche leer

Der Bayern-München-Trainer Giovanni Trapattoni prägte 1998 in seiner Wutrede die legendäre Formulierung »schwach wie eine Flasche leer«.

Italienisch praktiziert die postnominale Adjektivstellung. Erst sagt man, wovon man redet, etwa Flasche, dann dessen Eigenschaften, also leer. Trapattoni meinte aber wohl, so der Linguist Ludger Hoffmann, die metaphorische Flasche, also die bottiglione, die etwa »fauler Sack« bedeutet – aber ähnlich wie »du Flasche« im Deutschen. Es passt.

Je nachdem, ob es unter §188 StGB (»Majestätsbeleidigung«) fällt, sage ich oder sage ich nicht, dass die Rhetorik der deutschen Regierung sich anhört wie Pralinenschachtel leer.

Man hat nichts mehr. Man holt Ausgelutschtes hervor. Man gibt Durchhalteparolen aus. Der neue Kommunismus spricht die Sprache des alten, und er ist wieder kraftlos und gefährlich zugleich.

Ein wenig tut es mir leid um Leute, die ihre Hoffnung auf die Politik setzen. Oder gar auf die Olle-Kamellen-Parteien.

Aber, wenn es ihnen schmeckt, dann sollen sie doch!

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Der Essay Wie eine Pralinenschachtel leer von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/pralinenschachtel-leer/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!