Wie soll ein Tag gut werden, der SINNLOS beginnt? Kann er nicht. Früher hatten wir Morgengebete. Die wurden wir los, als wir Kirche und Religion aufgaben. Wir brauchen Morgenrituale, die klüger als der Griff nach dem iPhone sind. Lasst uns beginnen!

Wer ein Wettrennen läuft, der sollte besser nicht gleich zu Beginn auf die Nase fallen. Ja, ich rede vom Anfang des Tages, von den ersten Ritualen. Und ich sollte mit den besseren Ritualen beginnen, bevor ich nach dem Smartphone greife. Idealerweise sogar noch bevor ich die Augen öffne.

Hier also, liebe Freunde, mein Versuch eines »Morgengebets« (ohne Gott und Dogma).

Zum Aufwachen zu sagen

(erste Strophe: Wachwerden, noch mit geschlossenen Augen)

Mein Bewusstsein ist zurückgekehrt

Ich kann wieder »ich« sagen

Und ab gleich, wenn ich die Augen öffne

Will ich einen Schritt nach dem anderen unternehmen

(zweite Strophe: Dankbarkeit, ab hier gelesen)

Ich bin dankbar für jede Stunde dieses Tages

Für jeden Atemzug, für jeden Herzschlag

Ich bin dankbar für die Menschen,

Die mir Gutes tun und denen ich Gutes tun kann

(dritte Strophe: Zuversicht und Tatkraft)

Ich habe Ziele erreicht, ich werde Ziele erreichen

Ich nehme mir Mut vor, Beständigkeit und Geduld

Neues bauen auf den Fundamenten der Väter

Jeden Tag klüger beenden, als ich ihn begann

(vierte Strophe: Schönheit)

Ich lerne, ich suche, was schön ist

Ich will Ordnung verstehen und Kreise ordnen

Ich werde Schönheit schaffen

Ich bin Teil einer größeren Ordnung

(fünfte und letzte Strophe: Wiederholung)

Ich bin zurück in mir

Ich atme ein und ich atme aus

Der nächste Schritt ist der wichtigste

(Ende. Auf in den Tag!)

So weit für heute

Ich bin nicht unzufrieden. Und schaden kann es gewiss nicht. Alles ist besser, als sofort unbedacht nach dem digitalen Heroin zu greifen.

Die Mönche in den Klöstern beginnen den Tag, bevor der Tag beginnt. Die Zen-Mönche meditieren, bis es wehtut, und dann noch etwas mehr. Die Juden haben ihr Schacharit und andere Religionen gewiss auch etwas eigenes, um den Tag zu beginnen.

Die Aufgeklärten und Atheisten halten sich für ach so schlau. Oder wir sind einfach des Unverständlichen müde. Und doch haben wir mit dem Badewasser das Kind ausgeschüttet. Es ist an der Zeit, das Kind aus der Kanalisation unserer gemeinsamen Erinnerung zu holen.

Ich werde es morgen probieren, dann werde ich euch Bericht erstatten. (Jetzt muss ich noch die erste Strophe auswendig lernen.)

E-Mail-Abo

Lassen Sie sich automatisch benachrichtigen, sobald ich hier etwas Neues veröffentliche! (Gratis, jederzeit abbestellbar.)

Der Essay Unser Morgengebet von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/unser-morgengebet/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!