Machen wir uns nichts vor: Wir haben es mit Mächten zu tun, die schlicht auf Zerstörung zielen – und sie machen Fortschritte. Mit kleinen Korrekturen allein ist die Sache nicht zu retten.

Es läuft suboptimal. Ich mag diese ironische Redeweise, wonach eine Situation suboptimal sei.

Dass es um Deutschland suboptimal bestellt ist, darauf können wir uns wahrscheinlich verständigen. Wohl auch darauf, dass es um die Zukunft der westlichen Gesellschaft für die normalen Leute suboptimal bestellt ist.

Suboptimal ist ironisch gemeint, da es dem direkten Wortsinn nach impliziert, dass der Zustand nur knapp unter optimal einzuordnen sei. Doch in Wahrheit, so wissen alle Teilnehmer dieses Sprachspiels, liegt der Zustand wohl eher auf dem ganz anderen Ende der Güteskala.

Nichts in unserer Realität ist wirklich optimal. Manches ist weit von seinem Optimum entfernt, und der Vergleich eines solchen Zustands mit seinem denkbaren Optimum macht dies regelmäßig auf schmerzhafte Weise deutlich.

Optimal, ideal, vollkommen – es ist eine noch kompliziertere Angelegenheit als der perfekte Kreis. Ein Kreis ist die Menge aller Punkte innerhalb einer Ebene, die alle denselben Abstand zu einem Mittelpunkt haben. Das Ideal – oder: das Optimum – des Kreises ist leicht zu definieren.

Was aber wäre das Optimum unseres Zustands?

Wäre es das Deutschland vor Merkel? Vor dem Unrechtsjahr 2015? Vor der globalen Machtübernahme durch Smartphones und Social Media?

War »es« denn je vollkommen?

Nein, es war nie vollkommen. Aber es war, das gehört zur Wahrheit, ganz eindeutig besser.

Weniger dumm. Weniger kaputt. Weniger hoffnungslos.

Doch auch wenn es nicht perfekt war, so existierte dennoch ein Ideal, eine Idee davon, was der Fall sein müsste, damit es eben ideal ist. Und wir lebten weit näher an diesem Ideal, als wir es heute tun.

An dieser Stelle unserer Gedanken könnte man versucht sein, sich bescheiden zu geben: »Lasst uns die Ärmel hochkrempeln, auf dass es zumindest wieder etwas besser wird!«

Ein solcher Appell gehört aber zu jener giftigen Gruppe von Aufforderungen, die ihren Applaus daher beziehen, dass sie angenehm sind. Oder zumindest nicht unangenehm. Jedoch: Nicht unangenehm zu sein, ist keine Aussage über die Wahrscheinlichkeit des Gelingens.

Paulus schreibt:

Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den Fürsten und Gewalten, mit den Beherrschern dieser finsteren Weltzeit, mit den bösen Geistern in der Himmelswelt.
Epheser 6:12

Die Mächte, die uns den Kommunismus und andere sogenannte Reformen brachten, die Motivationen hinter 2015, Abtreibungsindustrie, Wokeness und so weiter, sie alle zielen auf nichts weniger als Zerstörung. Man beachte: »Zielen« kann sowohl Absicht als auch praktische Ausrichtung bedeuten.

Wenn die aber totale Zerstörung zum Ziel haben, dann müssen wir schon des Gegengewichts wegen die Vollkommenheit suchen.

Man muss kein Christ sein, um zu wissen, dass nur jenes, was den Westen groß und lebenswert machte, den Westen retten könnte, wenn man es nur ließe: das Christentum.

Zur Ehrlichkeit dieses Essayisten aber gehört, dass mir der Mensch – du, ich, der Bettler an der Ecke – (inzwischen?) spürbar wichtiger ist als ein abstrakter »Westen«.

Zu dir und mir aber, zu uns also, sagt Jesus:

Ihr sollt also vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Matthäus 5:48

Ich bin mir der impliziten Prämissen und ebenso der Herausforderungen dieses Verses sehr wohl bewusst. Ich richte meinen Blick aber nur auf dies: Das Streben nach Vollkommenheit ist unsere einzige Chance – als Einzelne wie auch als Gruppe. Alles andere ist einfach zu wenig.

Was nützt der Mut, sich des Verstandes zu bedienen, wenn keine höheren Werte und Prinzipien dieser »Bedienung« einen Sinn geben – und dann ein Ideal? Der Mut, das Besteck zu bedienen, macht dich nicht satt, es braucht noch Fleisch als Gegenstand – und die Idee des vollkommenen Steaks als Ideal.

Es läuft suboptimal. Suboptimal für alle. Und leider auch suboptimal für einige von uns privat.

Dies ist die Zeit, nach Vollkommenheit zu greifen.

Weniger als vollkommen ist heute zu wenig.

Weniger als vollkommen war schon immer zu wenig.

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