Wer einsam ist, der braucht nur Israel zu kritisieren. Prompt hagelt es Mails und X-Attacken. Ein besonders Moralischer drohte mir wohl, mich bei meinen »ARD-Kollegen« zu verpfeifen. Haha! 🤣 (Tipp: Wer »Staatsfunk« sagt, arbeitet eher selten für diesen.)

Sollte man sich als Internet-Bürger heute einsam fühlen, ist es in diesen Tagen recht einfach, Kontakt zu redefreudigen Mitmenschen herzustellen.

Nehmen wir an, du äußerst dich im Internet mit Schmerz und Wut dazu, was sich der Staat, der sich den Namen Israel gegeben hat, an Grausamkeit und Menschenrechtsverletzungen erlaubt.

Sofort werden X-Posts und E-Mails auf dich einprasseln, die dir erklären, wie dumm/verblendet/antisemitisch dein Schmerz ist.

Ich erlebte es bei dem Essay »Ich werde nicht hassen«.

Ich habe in vielen, vielen Texten die Politik Deutschlands kritisiert, habe gegen Antisemitismus geschrieben und wahrlich oft genug den Islam kritisiert.

Am 7. Oktober 2023 schrieb ich den Essay »Krieg in Israel, wieder«. Es war ein Fanal für die Empathie – die Empathie mit Israel und seinen Bewohnern. Und eine Warnung vor der Hamas.

Sicher, am 7. Oktober 2023 wusste ich noch nicht, dass die Hamas via Katar de facto von der Netanyahu-Regierung gepäppelt wurde (jpost.com, 26. Oktober 2025), wissentlich und trotz Warnung, mit Millionen von Dollar monatlich (timesofisrael.com, 25.3.2025). Sogar berüchtigte »Faktenchecker« bestreiten lediglich, dass Netanyahu persönlich den Scheck unterzeichnete (factually.co, 16.4.2026).

2023 wusste ich auch nicht, dass die IDF vorab von den Hamas-Plänen zur Geiselnahme wusste (jpost.com, 14.6.2024). Ich wusste nicht, dass eine Anzahl der toten Israelis durch die israelische Armee selbst getötet worden war (apnews.com, 11.01.2024). Ich wusste nicht, dass die Horror-Erzählungen von Enthauptungen von Babys durch die Hamas schlicht israelische Fake-News waren (siehe Wikipedia).

All das wusste ich nicht, doch selbst wenn ich das gewusst hätte, wäre mein volles Mitgefühl mit jedem einzelnen Opfer dieses Massakers gewesen. Auch wenn zu viele Details dieses Horrortages schmerzhaft unklar sind, bleibt der Fakt, dass unschuldige Jugendliche starben, dass Menschen von Terroristen in Geiselhaft verschleppt wurden.

Ich schloss an jenem 7. Oktober 2023 im letzten Absatz:

Gegenüber den Mördern empfinde ich aber keine Wut. Die sind keines Gefühls wert.
»Krieg in Israel, wieder«, 7.10.2023

Und mein letzter Satz war eine ahnungsvolle, düstere Vorhersage:

Israel wird mit ihnen effektiv verfahren.
»Krieg in Israel, wieder«, 7.10.2023

Ja, ich ahnte schon am 7. Oktober 2023, dass Gewalt folgen wird.

Ich stehe auch zu meiner Emotionalität des Satzes, wenn ich sagte, dass die Mörder »keines Gefühls wert« sind. Es war und ist versprachlichte Wut, nicht theologisch-moralische Abhandlung.

Doch heute wird mir bewusst, dass die Ereignisse des 7. Oktober 2023 von gewissen israelischen Akteuren als Rechtfertigung für brutale Gewalt weit jenseits »westlicher« Normen genutzt wurden. Und wohl für das Vorantreiben gewisser Pläne, die schon lange vorher bereitlagen; siehe dazu auch »Großisrael, Trumps Betrug und der eine Berg«.

»Laber nicht rum« und so weiter

Gestern zeigte ich auf X, mit welcher demütigenden, sinnlosen Brutalität die israelischen Behörden gegen westliche Protestierer vorgehen, deren Boot sie gegen alles internationale Recht auf dem Meer eingenommen hatten.

Ich schrieb dazu:

Das ist, wie dort friedliche westliche Protestierer öffentlich behandelt werden, explizit für die Kameras.
Und nun stellen wir uns vor, wie Palästinenser behandelt werden, wenn keine Kameras laufen.
@dushanwegner, 21.05.2026

Übrigens: Ein deutscher Teilnehmer dieses Protests befindet sich inzwischen in einem deutschen Krankenhaus. Für die wahrlich nicht »israelfeindliche« deutsche Regierung ist es »nicht nachvollziehbar« wie sich der Gesundheitszustand« »ergibt«. Es klingt mir wie diplomatische Sprache für den Verdacht auf schwere Misshandlung oder blanke Folter, und die kursierenden Bilder widersprechen dem nicht (@Ilknur_Ceylan, 22.05.2026).

Es dauerte nicht lange, bis ich in aggressiven Worten attackiert wurde, mit Unterstellungen und Beschimpfungen. Und als ich zu argumentieren versuchte, ging man auf keine meiner Aussagen ein. Ich wurde stattdessen mit den üblichen ausweichenden Attacken belegt.

Wenn mir nach Schlägen wäre, weil ich sonst keine Interaktion erfahre, würde es genügen, Israel öffentlich zu kritisieren. Prompt würde ich (mindestens) mit Schlagwörtern eben erschlagen werden.

Noch während ich diese Zeilen schreibe, werde ich weiter attackiert mit ausschließlich unsachlichen Attacken, wie etwa »was stimmt mit Dir nicht, Junge«, »euch Hetzern glaubt keiner was«, »laber nicht rum« und so weiter.

Man könnte ja in die Falle geraten, die Attacken dieser Leute tatsächlich persönlich zu nehmen.

Man sollte es nicht.

Einiges ist Wortmüll. Anderes ist Reflex.

Vielleicht ist etwas davon schlicht bezahlte Propaganda. Israel hat gerade sein »PR-Budget« vervielfacht; siehe timesofisrael.com, 30. April 2026. Aber vielleicht verbreiten sie den Unsinn auch unbezahlt.

Denunziation als letzte Patrone

Ich musste aber heute geradezu lachen, als ich praktisch darin erinnert wurde, wie wenig diese Leute mit den Fakten zu tun haben und wie moralisch fragwürdig sie gestimmt sind.

Nachdem ein gewisser Collin McMahon meinen Gegen-Argumenten durch unsachliche Attacken ausgewichen war, stellte ich genau dies schriftlich fest – und ja, ich fand die Plumpheit seiner Methode allmählich unverschämt.

Ich schrieb also:

Bezeichnend, dass Sie nicht auf Inhalte eingehen und immer nur interessierte Smear-the-Messenger-Versuche posten. Dass Sie Propaganda versuchen – geschenkt. Dass Sie es aber so billig und plump tun, das ist beleidigend.
@dushanwegner, 21.05.2026

Der Herr musste wohl geahnt haben, dass er diesen Austausch so krachend wie blamabel verloren hatte, denn dann holte er zu dem aus, was er für den ultimativen Gegenschlag hielt:

Wissen Ihre ARD-Kollegen, dass Sie rechtsextreme antisemitische RT-Propaganda teilen?
@OEERRBlog @Critical_Cat
@CollinFrMcMahon, 21.05.2026 / archiviert

Hahahaha! Dass er die inzwischen bedeutungslosen Attacke-Vokabeln »rechtsextreme«, »antisemitisch« und »RT-Propaganda« aneinanderreiht (Motto: viel hilft viel) – geschenkt. Wer keine Argumente hat, der blubbert halt Propaganda-Bullshit nach.

Die beiden Tags (@OEERRBlog, @Critical_Cat) aber sind de facto der Ruf nach Verstärkung. Herr McMahon scheint jene prominenten X-Benutzer zu Hilfe zu rufen, auf dass sie sich zusammenrotten und meine Kündigung beim Staatsfunk bewirken. (Tipp: Wer »Staatsfunk« sagt, arbeitet eher selten für diesen. Zwinkersmiley.)

Dass er aber tatsächlich glaubt, ausgerechnet ich hätte »ARD-Kollegen«, zeigt, wie wenig sein Wortsalat mit der Realität zu tun hat, wie schlecht er informiert ist – womöglich weil ihm Fakten und Realität egal sind.

Und dass er mich offenbar bei diesen halluzinierten »ARD-Kollegen« zu denunzieren droht, sagt eigentlich alles Notwendige über die sonstige moralische Konstitution dieses Herrn aus.

Hass verweigert

Nein, es sind keine schönen Interaktionen dieser Tage, wenn man ins Visier interessierter Parteien und/oder ihrer Fürsprecher gerät. Und doch kann es persönlich lehrreich sein, wenn solche Leute sich unfreiwillig selbst entlarven.

Ich will Mensch bleiben und eben doch nicht mein Mitgefühl sterben lassen.

Ich will es nicht persönlich nehmen, wenn solche Leute mich attackieren. Nicht einmal, wenn sie mich bedrohen und mir mit Denunziation bei meinen »ARD-Kollegen« drohen – hahaha.

Nein, die kennen mich nicht. Und ihre Moral ist von einer sehr anderen Art als die meine.

Israels Netanyahu hat vor einiger Zeit erklärt, Dschingis Khan sei nun mal Jesus überlegen (@dushanwegner, 19.03.2026). Mehr als einmal filmten IDF-Soldaten sich selbst dabei, Jesus-Statuen zu entweihen (»Ein riesengroßes Ärgernis«). Nein, Jesus und seine Lehre sind nicht bei allen Akteuren jenes Staates beliebt.

Liebet eure Feinde und betet für eure Verfolger.
Matthäus 5:44

Das heißt nicht, dass man sich von bösen Leuten drangsalieren lassen muss. Doch es heißt definitiv, dass auch dein Feind, ob nützliche Hamas oder nerviger Demonstrant, ein Mensch mit all seiner Würde ist.

Man könnte in diesen Tagen verbittern. Man könnte den Glauben an die Menschheit verlieren. Man könnte »verhärten, in dieser harten Zeit«.

Ich erinnere mich selbst ein weiteres Mal an die bald ewigen Worte des jüdisch-buddhistischen Barden:

When hatred with his package comes, you forbid delivery.
Leonard Cohen, You Have Loved Enough

Wenn der Hass mit seinem Paket kommt – oder mit seinen X-Posts und Mails –, dann soll meine Seele die Zustellung verweigern.

Das Wort des Heiligen Paulus bleibt uns Auftrag:

Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!
Römer 12:21

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Der Essay »Wissen Ihre ARD-Kollegen?« von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/wissen-ihre-ard-kollegen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!