15.09.2022

Gleichschaltung zur Klimapanik

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Joshua J. Cotten
In Frankreich unterschrieben Hunderte Journalisten eine Charta zur de facto Gleichschaltung der Klimapanik. Hmm. Deutsche Journalisten würden sich darüber eher wundern – in Deutschland wäre eine solche Charta gar nicht erst notwendig!
two gray and brown birds on brown wooden stick
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In Frankreich haben dieser Tage fünfhundert Journalisten ihre eigene Gleichschaltung unterzeichnet. (Sollte man, da es sich um Frankreich handelt, eher »mise au pas« sagen? Zum Wort »Gleichschaltung« siehe auch: »Wie nennt man es, wenn sie alle gleich schalten?«)

Doch nein, man nennt es hier nicht »Gleichschaltung«, denn »Gleichschaltung« ist, was die Bösen tun.

Wenn »die Guten« es tun, dann nennen sie es nicht »Gleichschaltung«, sondern etwa »Charte pour un journalisme à la hauteur de l’urgence écologique«, zu Deutsch etwa: »Charta für Journalismus im Einklang mit der ökologischen Notlage«.

Auf der Website chartejournalismeecologie.fr sind mehr als 500 sogenannte »Journalisten« gelistet, welche ebendiese Charta »unterzeichneten«. Die Meldung zu dieser etwas schrägen Liste hat es bis in die deutschen Medien geschafft. spiegel.de, 14.9.2022 etwa titelt: »Mehr als 500 französische Journalisten unterzeichnen Charta für Klimaberichterstattung«.

Ich habe mir das mal näher angeschaut.

Das Technische

Was ist das für eine »Charta«? Wie viel Geld steckt dahinter? – Betrachten wir zuerst das sehr augenfällig Technische!

Die »Unterzeichnung« beginnt wohl damit, dass man einen QR-Code scannt, welcher zu einem bei Google Docs gehosteten Formular weiterleitet (hier verlinkt, Stand 15.9.2022). Dieses Formular kann man dann ausfüllen und sich auf die Liste setzen lassen.

Die Website wird auf wordpress.com gehostet und verwendet das kostenlose »Twentyfifteen«-Theme (hier verlinkt). Die Website scheint IP-Daten des Lesers in die USA zu übertragen, indem sie unter anderem Google-Fonts und WordPress-Statistik einsetzt, doch Stand 15.9.2022 poppt kein entsprechendes Banner dazu auf. Eine ungewöhnliche Entscheidung für eine Website, die sich sehr »moralisch« gibt, was heute doch beinhaltet, der EU gehorsam zu sein.

Ich vermute, dass den Betreibern für die Website ca. 60 Euro jährlich an direkten Kosten entstehen (ca. 12 Euro, so wäre etwa der fr-Preis bei INWX) für die Domain, und 48 Euro für deren Aufschaltung via WordPress.com-Personal). Die QR-Code-Weiterleitung wurde von Bitly generiert und war wahrscheinlich gratis, ebenso wie das Hosting der Google Docs.

Insgesamt könnte diagnostiziert werden, dass der technische Hintergrund »ökonomisch minimalistisch« aufgestellt ist.

Manches von Globalisten gesponserte Fake-Zivilgesellschaft-Projekt fiel mir in der Vergangenheit dadurch auf, dass es technisch von der ersten Sekunde an auffällig professionell umgesetzt wurde, fast als hätte man eine Agentur eingestellt, die solche Initiativen in Serie produziert. Das ist hier nicht der Fall (und wenn doch, dann hat jene Agentur gelernt, »billig« zu wirken).

Diese Website wirkt auf mich eben nicht »überfinanziert«. Aber alles funktioniert, wenn es auch in Sachen Datenschutz vielleicht diskutabel ist, und mir fiele keine billigere Möglichkeit ein, es auf diesem Niveau zu realisieren.

Die Person

Die Charta selbst ist (laut deren Website) eine Initiative einer jungen Medien-Agentur mit der Domain »vert.eco«. Diese wiederum ist (wenn ich deren Website richtig verstehe) in der Lage, in Frankreich steuerabzugsfähige Spenden entgegenzunehmen.

Federführend ist eine Journalistin namens Anne-Sophie Novel (siehe französische Wikipedia). Diese fällt durch inhaltliche »Parallelität« zu »den üblichen Verdächtigen« auf (sie hat 2012 etwa ein Buch mit dem Titel »Vive la corévolution !: Pour une société collaborative« herausgegeben), und »société collaborative« klingt in diesen Kreisen schon mal wie Code für »du wirst nichts besitzen, aber glücklich sein« (vergleiche WEF via forbes.com, 10.11.2016).

Frau Novel hat einen Aufruf an die EU unterzeichnet (so verstehe ich disinfo.eu, 5.11.2021), bei künftigen Zensurgesetzen im Kampf gegen »Hass« und »Desinformation« (in diesen Kreisen ein Code für »abweichende Meinung«) keine Zensur-Ausnahmen für Medien zuzulassen.

Frau Novel scheint mir die richtige Person zu sein, eine »Charta« aufzusetzen, welche Journalisten dazu motiviert, sich freiwillig gleichzuschalten.

Die Charta

Das Projekt hat auch eine englische Version der Charta online gestellt (via chartejournalismeecologie.fr). Simpel gestrickte Gemüter, wie Journalisten es heute eben oft sind, merken vermutlich schlicht nicht, was die Implikationen der Charta sind, die sie da mit ihrem Namen schmücken.

Gleich der erste Punkt besagt, dass man alle Klima-Geschichten »interdisziplinär« betrachten soll.

Das klingt so lange vernünftig, bis man die Erklärung dieses Punktes liest, und die wechselt in heute typischer Neo-Orwell-Manier die Bedeutung plötzlich: »Ecology can no longer be limited to a separate column; it must become a prism through which stories are approached.«

Zu Deutsch etwa: »Ökologie kann nicht mehr auf eine getrennte Sparte begrenzt werden; sie muss das Prisma sein, durch welches alle Geschichten betrachtet werden.«

Wir haben in den letzten Jahren gelernt, dass »demokratisch« bedeutet, keine abweichende Meinung zu gestatten, dass »Zivilcourage« bedeutet, die Meinung der Propaganda zu wiederholen und auf Andersdenkende einzudreschen – es würde passen, wenn auch »interdisziplinär« das Gegenteil der traditionellen Wortinhalts bedeutet, nämlich alle Geschichten durch das eine »Prisma« Ökologie zu deuten.

Und so geht es in dieser Charta weiter.

Ich weiß nicht, wer die Zahl der Punkte in der Charta wählt, doch es mündet in Punkt 13, und der besagt auf Englisch: »Boost media cooperation. Take part in a united media ecosystem and defend journalistic practices keen to preserve living conditions on Earth.«

Zu Deutsch etwa: »Medienkooperation stärken. Beteiligen Sie sich an einem vereinten Medienökosystem und verteidigen Sie journalistische Praktiken, die darauf ausgerichtet sind, die Lebensbedingungen auf der Erde zu erhalten.«

Dieser finale Punkt ist denkbar ehrlich und offen: Die Unterzeichnenden verpflichten sich, zumindest in meiner Lektüre, an einer Gleichschaltung des »Medienökosystems« im Sinne der Klimapanik (und ihrer Profiteure) zu arbeiten – und diese zu »verteidigen«.

Die Bedeutung

Die mediale »Gleichschaltung« in blanken Diktaturen, aber auch in Propagandastaaten wie dem heutigen Deutschland, kann und muss auf mehreren ineinander greifenden Ebenen operieren.

Klar, man kann versuchen, abweichende Journalisten zu verhaften und kritische Publikationen zu schließen.

Man kann aber auch, wie in Deutschland, abweichende Meinung finanziell vernichten (wenn etwa womöglich über Umwege von der Regierung finanzierte Denunzianten dahingehend agitieren, dass kritischen Medien die finanzielle Grundlage durch Werbung entzogen wird). Und man kann, wie im Propagandastaat Deutschland, nicht nur einen politiknahen Staatsfunk am Leben halten (den man euphemistisch »öffentlich-rechtlich« nennt). Man kann wie die SPD gleich selbst in Zeitungen »investieren«. Und man kann auch noch Medien mit der richtigen »Haltung« (Code für Parteilinie) direkt aus Steuergeldern fördern (bundesregierung.de, sueddeutsche.de, 2.7.2020, deutschlandfunk.de, 7.7.2020).

WordPress und Google Docs

Die »Charta« in Frankreich aber deute ich als einen weiteren Mechanismus des modernen Propagandastaates.

Diese »Charta« scheint inhaltlich recht offen vom »Weltklimarat« (IPCC) motiviert zu sein (spiegel.de, 14.9.2022). Dieser fordert etwa, »dass Regierungen auf allen Ebenen mit Gemeinschaften, der Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen, wissenschaftlichen und anderen Institutionen, Medien, Investoren und Unternehmen zusammenarbeiten« (de—pxx.de, 6.2.2022, Stichpunkt D.2 (PDF)).

Und doch gehe ich nicht davon aus, dass im Vorfeld (größere) Gelder »von oben geflossen« sind.

Mich erinnert diese Charta an ein »Fördergeld-Startup« (entfernt verwandt mit den Astroturf-Pro-EU-Bewegungen, die etwa kurz vor EU-Wahlen oder vor der Brexit-Abstimmung aus dem Boden schossen).

Man initiiert eine »Bewegung« mit ultrabilliger WordPress-Website und Google-Docs, man sammelt erstmal Namen, so meine wilde Vermutung, man richtet sich ganz auf die Interessen gewisser Akteure aus (Gleichschaltung, Profite für Öko-Spekulanten, et cetera). Und man hofft vielleicht, bald von den immergleichen Akteuren als ein weiteres Propaganda-Projekt finanziert zu werden – eines von vielen, vielen Tausend.

Ein ewiges Rätsel?

So weit, so bekannt. Wie ein Krebs den Körper erst ausnutzt, ihn dann übernimmt und bald darauf tötet, so wird irgendwann die Propaganda westliche Propagandastaaten übernehmen. Das ist keine schöne, aber auch keine neue Diagnose. Und doch scheint es mir notwendig, diese zukünftigen Entwicklungen als Chronist zu begleiten.

Mich persönlich beschäftigt bei dieser Meldung aus Frankreich jedoch ein ganz besonderer Teilaspekt: Was haben sich die über 500 Journalisten auf chartejournalismeecologie.fr jeweils gedacht, als sie sich freiwillig anschlossen?

Ich gehe nicht davon aus, dass die individuellen Unterzeichner alle direkt davon finanziell profitieren. Ich glaube auch nicht, dass sie aktuell in der Existenz bedroht wären, wenn sie nicht ihren Namen unter diese »Charta« setzen würden.

Und ich halte es nicht einmal für eine zentrale Frage, ob diese Leute die Stichpunkte alle gelesen und gründlich bedacht haben. Es würde mich sogar sehr wundern, wenn sie es getan hatten, schließlich sind es Journalisten, die davon leben, täglich genug Zeilen abzuliefern, immer mit den Schlagworten, welche ihre Auftraggeber an dem Tag hören wollen.

Ja, ich rätsele immer wieder, was in diesen und solchen Menschen vorgeht.

Mehr so Monokultur

Ach, wenn ich diesen Menschen allesamt glauben könnte, tatsächlich Fanatiker zu sein, die es für richtig halten, eine Vereinheitlichung des »Medienökosystems« zu befürworten!

Ich halte diese Gestalten aber nicht für Fanatiker. Während ich keinen der französischen Journalisten jener Liste persönlich kenne, so habe ich doch genug deutsche Journalisten getroffen, um zu ahnen, was in solchen Leuten vorgeht, und die Antwort ist in meinem Mikrozensus: Wahrscheinlich wenig.

Ich gehe davon aus, dass in vielen dieser Leute wenig mehr als ein kalter Zynismus wabert, welcher sich dann in praktischem Opportunismus manifestiert.

Diese Charta ist eine französische Aktion. Womöglich fände eine solche Aktion zur Vereinheitlichung des Medienökosystems in Deutschland nicht so viel Erfolg – schlicht, weil sie an diesem Punkt unserer Geschichte längst überflüssig wäre.

Bezüglich der Medienlandschaft bevorzugen deutsche Journalisten, wenn sie sich nicht die Chance auf Aufträge und Förderung vom Staat und Staatsfunk verbauen wollen, schon lange eher so die Monokultur.

Nasenrümpfer

Was bedeutet das aber für uns, die Objekte und Opfer des Propagandastaates?

Sicher, es ist so einfach wie richtig und notwendig, über solche Journalisten die Nase zu rümpfen.

Dass wir die Nase über diese Leute rümpfen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass solche Gestalten formulieren, was uns zu oft als bestmögliche Beschreibung der Realität dient.

Es ist meines Wissens nicht rechtlich verbindlich, wenn Journalisten so eine »Charta« unterzeichnen. Es ist ein Symbol, aber als solches eben doch emotional wichtig. Der Journalist bekennt sich öffentlich dazu, dass er sehr genau weiß, wie er »schalten« muss, um von »denen da oben« auch weiter die Erlaubnis zum Mitspielen zu erhalten.

Schon länger fällt uns auf, dass Journalisten immer öfter jedes beliebige Thema mit dem Schlagwort »Klima« verwursten. Und so richtig skurril wird es, wenn zwei Propaganda-Schlagwörter einander stützen müssen: »Why climate change is inherently racist« (bbc.com, 27.1.2022), zu Deutsch etwa: »Warum Klimaveränderung inhärent rassistisch ist«.

Egal welches Wetter

Journalisten in Frankreich unterschreiben eine Gleichschaltung-Charta, die alles aufs Klima zurückführt (außer natürlich die Privatlinien-Flüge der Eliten, klar). In Deutschland scheinen weite Teile der Journaille schon lange die Charta einer freiwilligen Selbstgleichschaltung unterschrieben zu haben.

Wir lesen die Nachrichten, weltweit, und wir wundern uns manchmal, warum Journalisten etwa die steigende Zahl von Herzproblemen aufs heiße Wetter schieben (eu.usatoday.com, 8.9.2022), und demnächst dann aufs kalte Wetter (medicalnewstoday.com, 29.6.2022 legt bereits die Grundlagen, sprich vom »link between cold weather and heart attacks«, also eine »Verbindung zwischen kaltem Wetter und Herzattacken«), auf jeden Fall aber ist das Wetter schuld, und auf keinen Fall ein anderes globales Ereignis.

Wir lesen diese Dinge, und wir fragen uns, warum die wirklich alles durchs gleiche Prisma sehen, fast als wären sie im Kopf gleichgeschaltet.

Es wirkt, als sähen die den Journalismus zuerst als Propaganda-Plattform – und ja, es ist auch dann Propaganda, wenn man das Anliegen unterstützenswert findet. (Ein Bankraub bleibt ja auch ein Bankraub, wenn die beraubte Bank ansonsten unmoralisch zu nennen ist.)

In Frankreich kann man es beantworten, wenn und warum Meldungen zum Klima merkwürdig gleichgeschaltet wirken sollten: Viele von denen haben das so unterschrieben – freiwillig. Und in Deutschland mussten sie es nicht unterschreiben – hier war es vermutlich schon lange nicht mehr notwendig.

Auch beim Thema »Klima« gilt unser bewährter Leitspruch: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst!

Wenn Journalisten also wieder mal Klimapanik machen, dann dürfen wir die Behauptungen prüfen, und im Geist können wir erst mal antworten: »Ich ahne, warum du so etwas sagst – und ich wäge noch ab, wie ernst ich das alles nehme.«

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