13.05.2021

Die letzte Sekunde davor

von Dushan Wegner, Lesezeit 8 Minuten, Foto von Maksim Shutov
In Deutschland wird in den Straßen heute »Scheiß Juden« gebrüllt – als »Nazi« gelten aber die, welche exakt davor gewarnt haben.
brown dirt road between green grass and trees during daytime
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Man nehme: Einen Kochlöffel. Wahlweise täte es wohl auch eine kleinere Handaxt oder vielleicht auch ein gefrorenes Huhn. Wichtig ist, dass es etwa eine Elle lang ist und sich nicht zu sehr unterm eigenen Gewicht verbiegt – also etwa ein hölzerner Kochlöffel wie jene, mit denen man in alten Geschichten den Lausbuben die Flausen austrieb.

Man balanciere den Kochlöffel auf dem Zeigefinger oder auf der Handinnenfläche. Der Holzlöffel soll aufrecht stehen, mit dem schwereren Löffelteil nach oben, gerade in die Luft. (Entsprechend mit der kleinen Handaxt oder dem gefrorenen Federvieh.)

Einen Gegenstand – oder sich selbst, etwa beim Seiltanz – zu balancieren, das ist denkbar mühsam! Der ganze Körper ist im Einsatz, damit der Kochlöffel nicht herunterfällt! Wir sind gestresst und der Puls jagt hoch, doch bald sind wir erschöpft und lassen den Kochlöffel dann doch wieder herunterfallen.

Ist es das Gewicht des Kochlöffels, das uns so ermüdet? Nein, natürlich nicht! – Es ist die Instabilität der ganz speziellen Situation, das Ausweichen und Korrigieren! Einmal nicht aufgepasst, und – »Zack!« – schon fällt der Kochlöffel hin.

… »spannend«

Exakt wie vorhergesagt entflammen, kaum dass sich der angebliche US-Präsident Biden eingerichtet hat (beziehungsweise natürlich die Gestalten hinter ihm), die »Konflikte« auf dem Planeten aufs Neue. (Übrigens: Haben Sie mitbekommen, dass die EU, auch auf Vorschlag Deutschlands, im Schatten der Corona-Panik (für welche man sich etwa beim Relotiusmagazin bedanken kann, siehe bild.de, 11.5.2021) weiter an den Plänen für ihre eigene Armee schraubt? (reuters.com, 5.5.2021), während EU und NATO daran arbeiten, die vorhandenen Truppen über nationale Grenzen hinweg »mobiler« zu machen (eda.europa.eu, 7.5.2021). Die Zukunft wird… »spannend«.)

In Israel herrscht bereits wieder Krieg. Die Terrorbande Hamas hat inzwischen 1.600 Raketen aus Gaza auf Israel abgeschossen (so welt.de, 13.5.2021, Stand 8:09 Uhr). In israelischen Zeitungen wird recht deutlich formuliert, dass die Biden-Regierung mit eine Schuld trägt an der neuen Gewalt (jpost.com, 12.5.2021: »The policies of the Biden administration have inadvertently contributed to the lethal round of hostilities«, zu Deutsch etwa: »Die Politik der Biden-Regierung hat unbeabsichtigt zu der tödlichen Runde der Feindseligkeiten beigetragen«).

(Deutsche Journalisten, besonders beim Staatsfunk (siehe etwa bild.de, 11.5.2021), zeigen derweil teils sehr deutlich, auf wessen Seite sie stehen; sagen wir mal so: Manche Journalisten in heutigen Redaktionen hätten auch vor 90 Jahren mit ihrer »Haltung« erfolgreich Karriere gemacht. Gelegentlich fordern solche unwissenden Allesbesserwisser, Israel solle doch bitte »verhältnismäßig« reagieren. Was heißt das? Soll Israel jetzt 1.600 Raketen zurück schießen?!)

Die aktuelle Gewalt in Israel unterscheidet sich in mehreren Aspekten von vielen früheren Gewaltausbrüchen. Einer davon: An einigen Orten in Israel gehen israelische Araber gewaltsam gegen ihre jüdischen Mitbürger vor, es wird von lokalen Unruhen und Aufständen berichtet (jpost.com, 13.5.2021). Ein weiterer Aspekt: Diesmal sind es nicht nur vereinzelte Verwirrte, welche den antisemitischen Hass der Hamas im Westen kopieren, diesmal bricht der Hass praktisch synchron auch da aus, wo man ihn seit Jahren schon im Namen der sogenannten »Toleranz« wachsen und Wurzeln schlagen ließ, wie etwa in Deutschland.

Gaza, München, Gelsenkirchen

In München rufen Hamas-/Palästina-Sympathisanten auf Deutsch »Wir wollen Frieden!« – und welche Art von Frieden sie wohl auch für Deutschland meinen, das rufen sie zuvor auf Arabisch: »Wir werden uns bewaffnen!«, und: »Es gibt nur einen Gott!« (@DanielC_BILDde, 11.5.2021)

In Gelsenkirchen marschieren türkische Rechtsextreme vor der Synagoge auf, und brüllen »Scheiß Juden«, so zeigen Internet-Videos, die Sie wahrscheinlich nicht in der Abendpropaganda des Staatsfunks sehen werden (@faktinator, 13.5.2021). Es ist kollektiv gelebter Irrsinn, und es kann nicht langfristig stabil sein: In Deutschland wird in den Straßen heute »Scheiß Juden« gebrüllt – als »Nazi« gelten aber die, welche exakt davor gewarnt haben.

Dass im Namen der Toleranz der Antisemitismus (re-) importiert wurde, das ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Und dass es im »toleranten« Westen brodelt und dass es eine Frage der Zeit ist, bis die Parallelgesellschaften sich nicht mehr damit begnügen, »parallel« zu sein, auch das sieht und befürchtet mancher schon länger. Ein jüdischer Freund wies mich gestern allerdings auf einen aktuell nicht-ganz-unwichtigen Unterschied zwischen Israel und dem restlichen Westen hin: Viele Israelis haben in der Armee gedient – und zwar in einer richtigen Armee – und sie haben daheim noch ihre Waffe stehen, sie sind teils in der Reserve und nehmen regelmäßig an Übungen teil. 

Wenn gewisse Kräfte im »toleranten« Westen beschließen sollten, auf die Hauptbevölkerung loszugehen, dann würden sie nicht auf kampferprobte IDF-Soldaten mit eigenem Gewehr treffen (welche sie dann »treffen«), sondern – seien wir stets ehrlich! – auf wehrlose Du-lass-uns-tolerant-darüber-reden-Bürohelden. Es würde, vielleicht ähnlich wie die militärische Entwicklung in Europa… »spannend« werden.

Ein anderes Recht

Die nur noch von Verblendeten, Politikern und den Berufslügnern in Redaktionen zu leugnenden Konflikte der bereits anbrechenden Zukunft, sie zeigen in einigen Details eine Eigenschaft unseres Landes, die uns bereits jetzt an der Stabilität des Systems Deutschland zweifeln lassen könnte.

Beim Aufmarsch von Hamas-Terror-Sympathisanten und türkisch-rechtsextremen Judenhassern in Dortmund etwa (aber wahrlich nicht nur dort) fiel Beobachtern auf, wie zurückhaltend sich die Polizei nicht nur gegenüber antisemitischen Slogans, sondern auch in Sachen »Corona« und »Abstand« verhielt (vergleiche etwa @hartes_geld, 12.5.2021).

Wenn Deutsche für ihre Grundrechte demonstrieren, kennen Politik, Journaille und Polizei oft nur das ganz harte Vokabular, dann wird mit Hunden, Wasserwerfern und Schlagstöcken gedroht. Nicht nur Politiker wollen die Demonstrationen verbieten und vergleichen Demonstranten, die Grundrechte einfordern, mit den Leuten von »damals« (welche Logik auch immer das haben soll). Wenn aber tatsächlich teils wörtlich (!) gefordert wird, zu tun, was jener getan hat, dann sind dieselben Kräfte auffällig zurückhaltend.

Auch das ist nicht mehr sinnvoll zu leugnen: Es scheint nur noch offiziell so zu sein, dass es in Deutschland ein einheitliches Recht für alle Bürger und Bewohner des Landes gibt – die Praxis, sprich: die Realität auf der Straße – scheint immer wieder eine andere zu sein.

Beispiel: Wenn ein (nichtlinker) Deutscher auch nur einen Internetbeitrag teilt, dessen Verfasser an anderer Stelle vor Jahren mal etwas »Verbotenes« gesagt haben soll, dann wird dieser Deutsche fertiggemacht, als wäre er die direkte Wiedergeburt des Kunstmalers. Wenn aber eine Gruppe jener, für die ein anderes Recht zu gelten scheint, sich recht offen und erklärterweise aufmacht, die Arbeit jenes Bösen ganz praktisch fortzusetzen – bei Gelegenheit nennen sie sogar dessen Namen – dann wird es von Politikern und ihren Journalisten ignoriert oder wegerklärt, oder man greift in »alter Tradition« stattdessen jene an, die darauf hinweisen.

Wann zappeln Sie?

Kann ein Land auf Dauer stabil sein, in welchem de facto unterschiedliche, eklatant inkompatible Arten von Recht gelten? (Ach, man hört dieser Tage so viele rhetorische Fragen.)

Wir sind es ja fast schon gewohnt, dass für Politiker und ihre Freunde ein anderes Recht zu gelten scheint als für den Plebs (kein Abgeordneter wird für die Maskendeals in den Knast gehen, keinen wird die Polizei festnehmen, wenn er sich der Gesichtswindel verweigert), jedoch – seien wir ehrlich – das war schon immer so.

Ich glaube aber nicht, dass ein Land auf die Dauer stabil sein kann, in welchem für verschiedene Gruppen in der Praxis sehr verschiedene Arten von Recht und Ordnung gelten.

Man wird noch eine Zeit lang versuchen, die sich jetzt offenbarende Spaltung der deutschen Gesellschaft durch die üblichen Mittel wie Propaganda und aggressiv durchgesetzte Leugnung auszublenden, doch es wird der Punkt erreicht werden, an welchem der Aufwand schlicht zu groß ist. Wenn irgendwann das halbe Land von Steuern lebt und die andere Hälfte von GEZ-Propaganda-Zwangsgebühr, woher soll das Geld für den ganzen Wahnsinn kommen?

Kochlöffel namens Deutschland

Noch versucht man in Deutschland, bildlich gesprochen, den Holzlöffel zu balancieren – oder die kleine Handaxt, oder das gefrorene Huhn. Was man auch immer vom Einsatz der Polizei hält, wenn sie den Corona-Wahnsinn durchsetzen muss, es bleibt Fakt, dass es ihre Aufgabe ist, ein latent instabiles System so lange wie möglich zumindest in den Straßen vorm Kippen zu bewahren.

Wenn Sie tatsächlich einmal etwas zu balancieren versucht haben, dann kennen Sie die quälende letzte Sekunde, in welcher der balancierte Gegenstand instabil ist und bereits schwankt, so dass Sie zugleich eine riesige Mühe aufwenden müssen, um ihn vorm Fallen zu bewahren – und dann doch irgendwann begreifen, dass die Balance nicht mehr zu halten ist. Er schwankt noch, aber Sie wissen schon, dass er – wenn kein Wunder passiert – fallen wird. 

Wann wedelt denn ein Seiltänzer am wildesten mit den Armen? Kurz bevor er abstürzt! Wenn Sie den Kochlöffel balancieren, wann zappeln Sie am meisten? Wenn Sie alles im Griff haben, oder kurz bevor Sie die Balance aufgeben müssen und das Spiel verloren geben?

Der Zustand Deutschlands wirkt heute zunehmend instabil. Propaganda und Polizisten sollen das Land noch eine Zeit lang vorm Kippen bewahren. Bis wann? Bis auch der letzte Masken-, Klima- und Migrationsgewinnler seine Schäfchen im Ausland ins Trockene gebracht hat?

Von hier aus existieren logisch betrachtet genau zwei Wege nach vorn:

Erstens könnte man erneut echte Stabilität herstellen wollen, doch die dafür notwendigen Maßnahmen könnten in ihrer Härte sogar weit über das hinausgehen, was jene vorschlagen, die als »hart rechts« gelten – und mit jedem Tag, an dem wir den linken Irrweg weitergehen, wird der realistisch mögliche Weg zurück angsteinflößender. (Schon 2018 habe ich gefragt: »Wird unsere Kraft reichen, den Weg zurück zu gehen?«)

Der zweite Weg von hier aus ist schlicht eben jener, dass das Land instabil wird, dass die Reichen und Starken sich abkoppeln und/oder auswandern (was sie ja bereits tun), dass einige noch eine Zeit lang sich so einrichten, dass sie nichts mitbekommen – und dass wir zugleich alle gemeinsam aufs Wunder hoffen.

Nicht auf den Kopf

Wir balancieren einen Kochlöffel namens Deutschland, während die Weltgeschichte uns hin und her schubst – und während wir eigentlich etwas anderes viel lieber machen würden, nämlich lernen, lachen und auch mal nichts tun – das Leben leben eben!

Ich wünsche uns, dass sich ein magisches Mittel finden lässt, mit welchem wir diesen Kochlöffel doch noch irgendwie stabilisieren. Sollten aber die Märchenbücher alle gelogen haben und sollte Magie doch nicht »echt« sein, dann wünsche ich jedem Einzelnen, dass der Kochlöffel, wenn und sobald er fällt, ihm nicht auf den Kopf fällt.

Dies fühlt sich an wie »die letzte Sekunde davor«, die letzte Sekunde, in der wir zappeln und schnaufen. Jedoch, der Kochlöffel wackelt – bereitet euch auf die Sekunde vor, die hiernach folgt!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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