08.08.2021

Was ist schiefgelaufen?

Was ist schiefgelaufen?

Es brodelt in Europa. Wir sehen eine moralisch verkommene Klasse, und wir fühlen uns hilflos. Was lief schief? Wie konnte es so weit kommen?

Es ist ein Text in der Berliner Zeitung, erschienen dieser Tage. Der Text vibriert schon im Titel mit einer Dringlichkeit, die man eben noch bei den Freien Denkern, nicht im »Mainstream« erwartet hätte. Und das dazu ausgewählte Bild ist geradezu ein Sittengemälde der politischen Unanständigkeit – jedoch: Eins nach dem anderen!

Der Text ist betitelt »Anarchie von oben« (berliner-zeitung.de, 3.8.2021). Als Autor steht darüber Michael Maier. Ich muss mein Nichtkennen gestehen – mir fällt Michael Myers aus den Halloween-Slasher-Horror-Filmen ein (siehe US-Wikipedia). Ich google und finde einen deutschen Alchemisten und Rosenkreuzer (siehe Wikipedia). Hmm, okay.

»In vielen Ländern Europas brodelt es«, heißt es im Intro, und: »Es gibt Unruhen.« (Kurze Sätze erzeugen Dramatik. Schaffen Tempo. Hemingway tat das so. – Es ist hier sicherlich berechtigt.)

»Andersdenkende oder Kritiker werden mundtot gemacht, verschwinden von der Bildfläche – über Nacht«, so schreibt der Autor, und: »Die Würde des Menschen ist eine Frage von Gunst und Willkür. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen« – Nun gut, Solches schrieben wir schon früher, und wir nannten zur Tat auch einige der vermuteten Täter (etwa im Essay »Öffentlich-rechtliche Enthemmung« vom 24.02.2019) – dass es jetzt auch im »Mainstream« zu lesen ist und keinen Skandal verursacht, das ist bemerkenswert. (Welche Rolle die Berliner Zeitung selbst in diesen Zuständen spielt, das muss jeder selbst beurteilen. Im Text »Das Ende der Wahrheit, wie wir sie kannten« vom 19.2.2020 notierte ich deren reichen Verleger mit Stasi-Vergangenheit, und wie man sich mit Stimmungsmachern vom Staatsfunk gegenseitig die Lügenbälle zuspielte. – Es sei für jetzt geschenkt. Dieser Text ist dieser Text.)

Der beeindruckende Kommentar klingt im zweiten Absatz so: »Die Pandemie, so scheint es, lässt die Stärken Europas als Schwächen erscheinen. Autoritäre Systeme können über Nacht Maßnahmen verordnen. Sie können die Bürgerrechte nach Belieben einschränken.« – Es ist eine These, die wir bereits im November 2020 im Essay »Asiaten sind besser im Kampf gegen Corona – und nu´?« debattierten. Damals bezogen wir uns auf einen Skandal, den ein FAZ-Text mit ähnlichen Thesen ausgelöst hatte – heute ist es kein Skandal mehr. Und wieder stellen wir fest: Ein Skandal, dass es kein Skandal ist!

Die Bildauswahl zu jenem Kommentar ist aber atemraubend gut. Wir sehen den CDU-Parteitag vom 22.11.2019 in Leipzig. Eine Szene vom Podium. Mit der Plagiatorin von der Leyen, dem Plagiator Laschet (auch hier wie mit einem Lachen kämpfend – was stimmt mit dem nicht?), dem Immobilienprofi Spahn, der Zerstörerin samt ihrem einstigen und ihrem aktuellen »Mann für alles«, und noch mit ein paar Gestalten mehr. Es ist ein Sittengemälde des politmoralischen Elends. Nur eine einzige Frage ergibt sich: Was lief schief, dass wir hier angekommen sind?! – »Die Regierungen haben den Kontakt zu den Bürgern verloren«, schreibt Maier – man hätte kein besseres Bild zur Bebilderung finden können.

Der Kommentar schließt: »Wir sollten für dieses Europa, seine Werte und seine Ideale kämpfen.«

Wie genau soll dieses »kämpfen« aussehen? Es ist einer der wenigen Punkte, wo die sonst messerscharfe Analyse des Michael Maier offen bleibt.

Ich könnte akut keinen Schlachtplan nennen, wie »wir« für »dieses Europa, seine Werte und seine Ideale kämpfen« sollen, so ganz praktisch und über wohlfeile Aufrufe in der endlosen Weite des Internets hinaus.

Der Autor schreibt: »In vielen Ländern brodelt es. Es gibt Unruhen. Viele Menschen zweifeln, manche verzweifeln.«

Ich habe genug damit zu tun, die eigene Moral und die eigene Vernunft aufrechtzuerhalten. Wie sollen wir irgendwie irgendwann »dieses Europa« wieder zu einer Heimat der Menschen und Völker zu machen, wie sollen wir das Joch wahnsinniger Bürokratie abschütteln, wenn wir zuvor selbst am Irrsinn irre wurden?

»Ordne deine Kreise, der Rest ergibt sich!«, so schrieb ich 2018. Ich bin mir nicht mehr ganz so sicher, dass es sich dann von selbst »ergibt«. Jedoch, wenn es auf irgendeine Art besser werden soll, dann hängt buchstäblich alles davon ab, dass wir-hier-unten »unsere Kreise in Ordnung« haben. Ich rede natürlich auch von unseren materiellen »Kreisen«, doch gerade heute gilt es, unsere »Kreise im Kopf« zu ordnen.

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