22.11.2020

Asiaten sind besser im Kampf gegen Corona – und nu´?

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Foto von Alex Knight
Simple Wahrheit: Asiaten (besonders die, die es nicht ganz so mit »Freiheit und so« haben) sind besser im Kampf-gegen-Corona als wir. Viel besser. – Das kann man zur Kenntnis nehmen und abhaken. Oder man kann verdammt-noch-mal fragen, was daraus folgt!!
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Eine überregionale Tageszeitung aus der Stadt mit den Bembeln stellte es jüngst zwitschernd als These in den digitalen Raum, dass totalitär angehauchte Staaten die »Pandemie« womöglich geschickter und (also) erfolgreicher angingen als jene, die man gemeinhin (mindestens aus Gewohnheit und Höflichkeit) »demokratisch« zu nennen pflegt.

Prompt wurde jene Zeitung für diese publizierte These beschimpft. Pfui! Nur weil eine Sache den (offiziellen) Zahlen und Fakten nach wahr sein könnte, ist sie noch lange nicht sagbar!

Nun, was im linken Zeitgeist bald untergehen könnte: Die Beschimpfung und Herabwürdigung des Gegners ist noch kein Argument in der Sache. – Auf dem (steuerfinanzierten) Schulhof und in den (von der deutschen Regierung co-finanzierten) Redaktionen mag »du bist voll doof« oder »du bist voll nazi« als Argument gelten – in der Mathematik des alltäglichen Alltags fehlen da noch ein paar Variablenwerte.

In Gegenrichtung gefragt: Die Demonstranten, welche dieser Tage in Berlin und anderen deutschen Städten für ihre Grundrechte demonstrieren, und die dafür mit Hunden bedroht und mit Wasserwerfern fortgespült werden sollten – was war denn deren Argument für ihr Anliegen? Ist Demokratie mit allen Grundrechten auch dann besser, wenn ihre Ergebnisse schlechter sind?

»Schützt die Grundrechte! Bewahrt die Demokratie!«, so rufen jene, welche von Regierungsparteien und ihren journalistischen Frontferkeln als »Rechte«, »Faschisten« et cetera »eingeordnet« werden – man könnte die Demonstranten ja fragen: »Okay, Grundrechte schützen, aber interessehalber: Warum?!«

Unbeschwert deutsch-bayerisches Lebensgefühl

Die South China Morning Post fragt: »Coronavirus: why are Western countries like the US and Britain still not learning from Asia’s success?« (scmp.com, 21.11.2020); zu Deutsch: »Coronavirus: Warum lernen westliche Länder wie die USA und Großbritannien noch immer nicht von Asiens Erfolg?«

Der Publizist, der eine solche Frage stellt, deutet darin ja an, bereits eine (mögliche/ wahrscheinliche/ empfohlene) Antwort bereitzuhalten – und der hier zitierte Text ist keine Ausnahme:

In South Korea, health officials use warrantless access to phone records, credit card transactions and CCTV footage to track down close contacts of suspect cases. Text-message alerts tell members of the general public of the past movements of anonymised patients – even down to specific businesses and restaurants.

In unser schönes Deutsch übertragen, bedeutet dies in etwa:

In Südkorea verwenden Gesundheitsbeamte den Zugriff ohne Richterbeschluss auf Telefonprotokolle, Kreditkartenzahlungen und Überwachungskamera-Aufnahmen, um enge Kontakte von Verdachtsfällen aufzuspüren. SMS-Benachrichtigungen informieren die Öffentlichkeit über die vergangenen Bewegungen anonymer Patienten – bis hin zu bestimmten Unternehmen und Restaurants. (scmp.com, 21.11.2020)

Die South China Morning Post lügt nicht. – Auch aus China, Thailand, Taiwan und anderen Teilen Asiens hörten wir – teils wenig überraschend – von Anti-Virus-Maßnahmen, die auf uns derart drakonisch wirken, dass sie selbst bei Merkelianern und den latent totalitären Grünen auf Gegenwehr stoßen könnten. (Randnotiz: Vielleicht wird ja Asien das neue, äh, Mekka für alle, die etwas unbeschwert deutsch-bayerisches Lebensgefühl genießen wollen, siehe die 20 Sekunden ab exakt 4:45 in diesem YouTube-Video aus Tokyo.)

Im Essay »Fragen, bevor wir das Weltall besiedeln« vom 11.11.2020 schrieb ich:

Die Zukunft der weltweiten Menschheit wird in einem Netzwerk »soft-totalitärer« Staaten spielen. Mit »soft« meine ich, dass Menschen zum Gehorsam verführt statt gezwungen werden (»nudging«, Appell an Spieltrieb, Traditionsappelle, Moralkampagnen, etc.).

In der Financial Times skizzierte im März 2020 der Pop-Historiker Yuval Noah Harari die »Welt nach dem Coronavirus« (ft.com, 20.3.2020): Der erste Schritt ist, dass Regierungen und Konzerne in der heute beginnenden Zukunft nicht nur Klicks, Likes, private wie öffentliche Nachrichten sowie Telefonatdaten erfassen, sondern bald auch den Herzschlag und die Körpertemperatur! Einst ein schier unvorstellbarer Schritt, heute eine triviale Selbstverständlichkeit für eine vom Coronavirus verschreckte Zivilisation.

Ab der Erfassung von Körpertemperatur und Puls, während du diesen oder jenen trafst (ist er womöglich infiziert?!!) ist es natürlich nur ein kleiner, banaler Schritt, die Gefühlslage der/des Einzelnen wie auch die der Massen (noch gezielter) zu steuern.

Rissige Pfeiler der Brücke

Ein Virus ist bekanntlich kein eigenständiges Lebewesen, wie ein Bakterium etwa, es ist eher eine Informationseinheit, die einen Träger braucht, der diese Informationseinheit selbst dann verbreitet. (Insofern ist es ein »Baufehler« des Virus, wenn es den Träger so sehr angreift, dass der Träger das Virus mit aller Kraft vernichten will.)

Man könnte philosophieren, ob die Unfreiheit eine Art »Virus« ist, welchem das Coronavirus selbst wiederum als Träger dient. Tatsächlich wäre das Virus vielleicht eher mit dem Wasser vergleichbar, das in die rissigen Pfeiler einer Brücke oder einer Mauer dringt, und wenn es arg kalt wird, dehnt sich das gefrierende Wasser und reißt immer schneller immer gefährlichere Risse ins Mauerwerk.

Ach, je mehr ich mich danach sehne – für mehr als ein Tretboot auf dem Parksee ist ja kaum das Geld drin – je dringender meine Seele darum bittet, schlicht aufs Meer hinauszufahren, um ein paar Stunden nichts als Wellen bis zum Horizont zu sehen, vielleicht Möwen und springende Fische dazu, und sonst wirklich nichts, umso mehr es mich von all den Vulkanen und politischen Desastern weg und dann hinaus zieht (haha! – ausgerechnet mich, der Luv nicht von Lee zu unterscheiden weiß), umso mehr/Meer wird mir klar, dass Wunsch und Glaube uns nicht hieraus retten werden – vor allem, sorry liebe Gläubige, der Glaube nicht – und ganz gewiss nicht der Glaube an Werk und Weisheit von Irdischen.

Ich empfehle weniger Glaube und mehr Klugheit, ob unsere Vorhersagen von Glauben oder von Realismus geleitet sind. Ich empfehle weniger Vertrauen in die gütige Hand des Schicksals – ich empfehle vielmehr Handeln (in beiden Bedeutungen des Wortes).

Manche Staaten jener Menschen, die wir Langnasen uns zu unterscheiden schwertun, handeln klüger und weiser als wir – face the facts!

Ich erinnere mich an eine TV-Werbung, da hatten die Dörfer Villarriba und Villabajo gefeiert, doch sie setzten unterschiedliche Spülmittel für das Festgeschirr ein, und also konnte das eine Dorf längst wieder feiern, während im anderen noch geschrubbt wurde. Wird es beim Virus genauso sein? Ist es beim Virus nicht längst so? Während die einen im x-ten Lockdown ihre Tapetenmuster auswendig lernen, feiern die anderen längst wieder mit Freunden im Straßencafé. Was unterscheidet sie?

Wenn unfreie Staaten tatsächlich besser im Umgang mit dem Virus wären (wie definieren wir eigentlich »besser« hier?)  – welches Zeugnis würde dies der Freiheit ausstellen? Nein, es muss nicht an der Idee der Freiheit selbst liegen, wenn die Freiheit schlecht dasteht – vielleicht bedarf die Freiheit gewisser Voraussetzungen, die ihr in den Ländern, die sich »frei« nennen und doch zu versagen begonnen haben, schlicht fehlen.

Wenn ich meine Formel vom »Prüfe alles…« bislang sagte, bezog ich mich – lasst uns stets ehrlich sein! – auf die »kleinen« Fakten, die (all-) täglichen Nachrichten. Heute werfe ich die Angelrute weiter, lasse den Arm weiter nach hinten schwingen, ich schnelle ihn mit Gusto wieder vor. Ich meine nicht »nur« an die »kleinen« Fakten – ich schiele mit geradem Blick auf die wirklich großen Fakten, auf die größeren Fragen, und ich meine heute, ja, die Gesellschaftsform und ihre Prämissen

… wenn ich sage: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst!!!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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