02.12.2021

Die Sorgenlähmung überwinden  

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten
Sorgen sind verständlich, gerade in diesen Zeiten, doch vor lauter Sorgen um unser Leben könnten wir versäumen, eben dieses Leben zu leben – so gut es heute eben geht.
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»Ich kann heute nichts tun«, so klagte ein Mann, »ich kann nichts tun, denn es ist alles so ungewiss.«

Sorgen hielten ihn gefangen. Sorgen um sein Land. Sorgen um seine Kinder. Sorgen um uns alle.

»Es fühlt sich heute an«, so sagte er, »als ob unter mir die Erde bebt. Wie soll ich einen Schritt nach vorn setzen, wenn ich nicht weiß, ob die Erde mich tragen wird?«

Die Sorge, Geld zu verlieren, beschäftigte ihn so sehr, dass er nicht dazu kam, sein Geld klug und mutig zu vermehren. Die Sorge, krank zu werden, ließ ihn die Freuden des Lebens verpassen. Ich selbst wiederum war besorgt, dass seine Sorgen um seine Gesundheit ihn krank machen würden. Die Sorge um die Dinge der Zukunft ließ ihm die Gegenwart zwischen den Fingern verrinnen.

Seine Sorgen lähmten ihn, und sie beschädigten sein Leben weit mehr, als viele der Gefahren, denen seine Sorgen und seine ganze Aufmerksamkeit galten, ihm tatsächlich hätten schaden können.

Und doch, ich verstand ihn gut!

Wie sollen wir auch mit Zuversicht auftreten, wie sollen wir Schritt um Schritt setzen, wenn sich vor unseren Füßen täglich neue Risse auftun? Wie sollen wir neue Häuser bauen und alte Häuser bewahren, wenn die Erde unter uns bebt, wenn über uns immer neue Stürme aufziehen?

»Ich kann heute nichts tun«, so sagte er, »denn es ist alles so ungewiss! Mir fehlt die Gewissheit, mir fehlt der Mut.«

Wenn die großen Dinge alle sicher und geregelt wären, wenn höhere Klugheit unsere Sorgen klein hielte, dann wären unsere Entscheidungen doch wie das Spielen eines Kindes.

Erwachsen zu sein, das bedeutet auch, trotz vieler Sorgen und gerade in die Sorgen hinein zu handeln, vielerlei Unsicherheiten zu sehen, dabei das Risiko nicht zu leugnen und zugleich volle Verantwortung für die Konsequenzen zu tragen.

Verteidige deinen Mangel an Mut nicht mit mangelnder Gewissheit! Du findest deinen Mut nur in der Handlung, welche du in Ungewissheit beginnst. Gewissheit braucht ja keinen Mut.

Er war wie ein Hungriger, der vor Hunger schon ganz schwach ist, doch seine Kraft schonen will, indem er die Speise gar nicht erst zum Mund führt.

Ich kenne den Hunger nach Zuversicht. Ich kenne das Verlangen nach sicheren Plänen. Es ist ein perfider Hunger. Dieser Hunger will uns böse täuschen, und er wird uns lähmen.

Der am wenigsten unsichere Weg zu etwas weniger Unsicherheit, er besteht doch darin, in die Unsicherheit hinein zu handeln.

Wir sind auf schmaler Brücke unterwegs, und der Weg vor uns mündet im Nebel. Die Planken der Brücke hinter uns zerfallen jede Sekunde, wir hören sie in die Tiefe krachen, in den Abgrund, und das ist, was wir den Verlauf der Zeit nennen.

Was soll ich tun, wenn mich hundert Sorgen quälen? Wie soll ich handeln, wenn ich unfrei bin, indem keine meiner Möglichkeiten mir wünschenswert erscheint, geschweige denn sicher?

Ich betrachte meine Möglichkeiten, und ich frage mich, von welcher Entscheidung ich wohl dereinst am stärksten bereuen würde, sie nicht getroffen zu haben. Diese Möglichkeit wähle ich, und ich atme tief ein, und dann handle ich, und ich übernehme die Verantwortung auch für die Konsequenzen, die ich im Moment der Handlung noch nicht sehe.

Auf, ihr Sorgengebeugten, verharrt nicht als Gefangene eurer Sorgen! Die Brücke hinter uns zerfällt, und uns bleibt wenig anderes übrig, als vorwärts zu schreiten, jeden Tag, vorwärts in den Nebel.

Klage nicht, dass dir der Mut fehlt. Gehe voran, setze Fuß vor Fuß, und schaffe so erst deine Hoffnung und dann bald deinen Mut.

Verzagtheit ist Folge und Eigenschaft verzagten Verharrens. Mut ist die Folge und Eigenschaft mutiger Tat. Die mutige Handlung folgt nicht dem Mut, sondern der Mut der mutigen Handlung.

Handle in deine Sorgen hinein, und der Mut wird sich einstellen. Handle trotz Sorgen und trotz Unsicherheit, und du wirst dich selbst wundern, wie du so mutig geworden bist.

Danke, Wegner!

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