19.01.2022

(╯°□°)╯︵ ┻━┻

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Foto von S. Tsuchiya
Israelischer Impf-Professor redet offen darüber, wie schlecht die Impfung gegen Ansteckung wirkt – und keinen stört es! Es macht wütend – hilflos und wütend.
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Im Essay »Coronatheater« beschrieb ich das kuriose Verhalten freilaufender Politiker, wenn sie heutzutage vor laufenden Kameras brav Masken tragen und Abstand halten, doch wenn die Kameras wieder ausgeschaltet sind (zumindest die der braven Staats- und Konzernpresse), fallen die Masken wieder (ja, in beiderlei Sinn), und man kuschelt und schmust und geht ganz selbstverständlich davon aus, dass die für den Pöbel erlassenen Ge- und Verbote natürlich nicht für die regierende Klasse gelten. Ich nannte solch scheinbar widersprüchliches und doch von Politikern nicht anders zu erwartendes Verhalten eben das »Coronatheater«.

In jenem Text erwähnte ich das japanische Spielhallen-Computerspiel »Cho Chabudai Gaeshi«, zu Deutsch etwa »Super-Tisch-Umwerfen«. – Der Spieler soll erst mit den Fäusten auf einen Tisch hämmern und diesen dann umwerfen, wofür er Punkte erhält. (Chris Broad erklärte es 2013 auf Englisch und führt es auch vor, siehe YouTube.)

Die Idee des Umwerfens eines japanischen Teetisches aber geht auf die Vorstellung zurück, dass ein erboster Familienvater in Wut den Familientisch umwirft, um sein Missfallen an einem Sachverhalt zu unterstreichen. Wo wir aber gerade vom regelgerechten Umwerfen eines Tisches reden, würde es passen, schnell zwei aktuelle Nachrichtenmeldungen zu erwähnen!

Von Coronaradikalen

Der Unterschied zwischen Theologen und Wissenschaftlern ist, dass Theologen und Geistliche heutzutage durchaus die Existenz Gottes oder die Gültigkeit kirchlicher Dogmen in Frage stellen können, ohne ihren Job zu gefährden – während Wissenschaftler, wenn sie die Dogmen des Tages zu hinterfragen wagen, jeden Moment die heilige Inquisition erwarten dürfen.

Cyrille Cohen ist Chef der Immunologie an der Bar-Ilan University in Tel Aviv, und er ist eine Autorität in der israelischen Impfdebatte.

Cohen arbeitete unter anderem an Studien, welcher der »dritten Impfung« eine Quote von 92% bei der Verhinderung schwerer Erkrankung bescheinigte (thelancet.com, 29.10.2021) und er berät die israelische Regierung in Impffragen.

Israel ist bekanntermaßen »Impf-Vorreiter« der westlichen Welt – in Israel ist man bereits bei der vierten Runde des »Impf-Abos« (siehe reuters.com, 4.1.2022). Man könnte es als einen Blick in unsere Zukunft deuten, was israelische Experten heute sagen.

Cyrill Cohen trat  diese Woche nun überraschend in einem Podcast auf (mit Video, siehe YouTube) – und er scheint gewissermaßen »lapidar« zentrale Aussagen und Maßnahmen von coronaradikalen Regierungen als Lüge und Schikane darzustellen.

Seine Kernaussagen (siehe auch unherd.com, 18.1.2022):

  • Der größte Fehler der Pandemie war es, Schulen und Bildungseinrichtungen zu schließen – dafür bittet er um Entschuldigung.
  • Bei der Omikron-Variante ist fast kein Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften erkennbar.
  • Mit der Omikron-Variante bewegt sich mindestens Israel in die »endemische Phase«, in welcher Covid-19 mehr einer Grippe ähnelt.
  • Israels »Grüner Pass«, also das Covid-Impf-Zertifikat, dient nicht notwendigerweise der Verhinderung von Übertragung, sondern soll Menschen »ermutigen«, sich impfen zu lassen (»encourage people to get vaccinated«).
  • Immunologen (sprich: er und seine Kollegen) sind »überrascht und enttäuscht«, dass die Impfungen nicht die Übertragung verhindert.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der erfolgreiche und gut vernetzte Professor Cyrille Cohen über Nacht beschloss, für ein relativ läppisches Podcast-Video-Interview seine Karriere dranzugeben.

In Zeiten, in denen fast täglich sogenannte »Verschwörungstheorien« wahr werden, wäre es wirklich nicht sehr weit hergeholt, zu vermuten, dass Cohen mit dem Eingestehen von Fehlern eine neue Phase einleiten soll (etwa eine, in welcher Pharmafirmen mit der »nasalen Impfung« weiter kassieren).

Ganz ehrlich – es macht für meine Gemütsverfassung keinen Unterschied, warum der Professor plötzlich Dinge sagt, die ihn wie einen »Schwurbler« und »Querdenker« klingen lassen.

Wenig von dem, was Professor Cohen sagt, ist wirklich überraschend, nichts schockiert oder ist ganz neu. So richtig schockiert mich eigentlich nur die Selbstverständlichkeit, in welcher es gesagt wird.

Warum wird das jetzt erst gesagt, und warum so lapidar? Ich bin wütend, und ich möchte einen Tisch umwerfen – eigentlich seit 2020 schon – doch mir fehlt bald die Energie.

Warum stehen die Tische noch?

Ich will gestehen, was die einen als Ausgeglichenheit deuten mögen und die anderen als Schwäche: Ich habe noch nie einen Tisch umgeworfen, was aber auch daran liegen könnte, dass unser Esstisch nicht so einfach umzuwerfen ist.

Das Konzept des Tisch-Umwerfens ist realistischer, wenn die Familie auf traditionellen Tatami-Matten sitzt und der Tisch gerade 15 bis 30 Zentimeter hoch und damit eher leicht ist; siehe engl. Wikipedia.

Unser Esstisch ist eines von zwei Möbelstücken, die nicht vom freundlichen schwedischen Steueroptimierer stammen.

Unser Tisch ist aus dickem Massivholz und angeblich hundert Jahre alt. Der Versuch, ihn umzuwerfen, würde meine Wirbelsäule neu sortieren – und der Tisch selbst würde eine Lektion in stoischer Unbewegtheit erteilen.

Gruseliges

Auch als ich eben den Essay »Coronatheater« nochmal nachschlug, da wo ich das mit den umgeworfenen Tischen zum ersten Mal erwähne, war ich kurz etwas schockiert: Es ist ein Text vom August 2020!

Bekanntlich vergeht die Zeit schneller, wenn die Tage gleichförmig sind. Das Gehirn wirft weg, was sich wiederholt. Wenn das Leben zuletzt aus unseren Erinnerungen besteht, dann ist Gleichförmigkeit der unabsichtliche Suizid aus braver Gehorsamkeit. Die Gleichförmigkeit verschluckt die gleichförmigen Tage, schmilzt sie zu einer unförmigen Zeitmasse zusammen, ob die gleichförmigen Tage jeder für sich schön oder schrecklich waren.

Die eineinhalb Jahre seit August 2020, sie sind so schnell vergangen wie kaum eine andere Zeit meines Lebens. Nein, sie waren wahrlich nicht ereignisarm – sie waren nur gleichförmig.

Und doch, und doch, bei aller Trägheit dieser gleichförmigen Einheits-Dauerpanik-Zeit hätte ich doch gern die Energie, um (natürlich nur bildlich gesprochen) mal einen Tisch umzuwerfen – oder in exotischen Zeichen dargestellt: (╯°□°)╯︵ ┻━┻ (Diese Zeichenfolge stellt mit etwas Phantasie einen Mann dar (Gesicht: °□°), der wütend einen Tisch umwirft (Tisch: ┻━┻); siehe auch knowyourmeme.com.)

Neuer Couchtisch

Ja, ich möchte manchmal den Tisch umwerfen, doch meine Kinder erklären mir, dass »Tisch umwerfen« eigentlich für »Ragequitting« steht. »to ragequit« wiederum bedeutet, aus einem Computerspiel aus Wut (»rage«) ganz auszusteigen (»quit«).

Wer den Spieltisch umwirft, der gibt das Spiel verloren und nimmt sich selbst gleich ganz aus dem Spiel heraus – das aber liegt mir gar nicht.

Ich höre Nachrichten, die mich wütend machen, in ihrer Banalität, in ihrer Konsequenzlosigkeit, doch erstens ist mein Tisch zu schwer zum Umwerfen, und zweitens will ich gar nicht aus diesem Spiel »aussteigen«.

Ich atme durch, ich übe mich im spontanen Stoizismus, und ich bin gespannt, welche Spielregeln sie morgen für uns aufstellen, während sie womöglich immer weiter »Coronatheater« spielen – mit uns allen als unfreiwilligen Komparsen.

Vielleicht gelingt es mir ja, die neuen Spielregeln vorherzusagen – und in der nächsten Runde so zu spielen, dass ich gar nicht erst versucht bin, den Tisch umzuwerfen.

»Neue Runde, neues Glück«, so sagt man. Ich bin ehrlich gespannt, was hiernach kommt. Solange wir aber den Kopf auf den Schultern haben und einigermaßen klar im Kopf sind, kann es auch besser werden – und wenn nicht, können wir ja noch immer, schon der inneren Ruhe halber, zumindest den Couchtisch umwerfen: (╯°□°)╯︵ ┻━┻

Danach aber bitte brav aufräumen, eventuelle Scherben aufkehren – und einen neuen Couchtisch kaufen.

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