15.12.2020

Was, wenn sie ihren Willen bekommen?

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Foto von Vivek Doshi
Forderungen nach totalem Lockdown ähneln den kindischen Forderungen nach Sozialismus. Die Figuren verstehen nicht, was sie sagen, meinen es evtl. gar nicht ernst, wollen nur Aufmerksamkeit. Was passiert aber, wenn der Irrsinn tatsächlich umgesetzt wird?!
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Stellen wir uns einen Kläffer vor, einen kleinen Hund – es ist ein bekanntes Bild, beinahe schon ein Klischee – und dieser Kläffer bellt und keift und reißt an der Leine.

Der Feind, den das nervöse Hündchen derart furios anbellt, kann eine auf der Mauer dösende Katze sein, ein unschuldig vorbeifahrendes Auto oder auch mal der eigene Schatten.

Die Wahl des angebellten Gegenstands ist in der beschriebenen Szene einigermaßen gleichgültig. Die Botschaft des an seiner Leine zerrenden, wild bellenden Kleinhundes ist ja: »Wäre ich hier nicht angebunden, ich würde dich in der Luft zerreißen! Ja, wäre ich nur nicht angebunden!«

Was würde das Hündchen aber wirklich tun, wenn die Leine einmal reißen sollte? Was würde das bellende Geschöpf wirklich anstellen, wenn man es laufen und angreifen ließe? Wie begeistert wird das Hündchen wirklich sein, wenn seiner Forderung gegen all seine Erwartungen nachgegeben wird?

Nun, es wurde ausprobiert, und die Antwort ist wohlbekannt: Der losgelassene Kläffer wird fürchterlich erschrocken sein und sich ganz schnell hinter den Beinen seines Herrchens verstecken.

So viel Verstand, zu begreifen, dass sein eigenes Gebell nur Theater war, dass es stets davon ausging, das Geforderte könne gar nicht eintreten, so viel Einsicht weist selbst ein Kläffer auf.

Jedoch, Einsicht in die Unsinnigkeit der eigenen Forderung ist durchaus nicht unter allen Säugetieren selbstverständlich – womit wir bei der Politik wären.

Ich höre heute manche politische Forderung, die weckt in mir den starken Verdacht, dass sie gar nicht ernst gemeint war. Wir kennen die neuen Rufe nach Sozialismus, nach dem sofortigen Ende des Kapitalismus und nach Enteignungen wie zu Zeiten des Sozialismus stalinscher beziehungsweise hitlerscher Prägung – getwittert von flaumbärtigen Jünglingen auf ihrem kapitalistischen iPhone (immerhin wurde dieses wohl in kommunistischer Handarbeit zusammengeschraubt). Ich glaube keine Sekunde, dass die linksgrünen Schwätzer ohne  nennenswerten Realitätskontakt die Bedeutung ihrer Worte verstehen – umso gefährlicher können sie werden.

Manche Lockdown-Forderung fühlt sich für mich heute ähnlich wie die irren neuen Forderungen nach Sozialismus an.

»Macht die Schulen dicht!«, sagen sogenannte »Experten« mit fünfstelligem Einkommen, allein in ihren Villen am Stadtrand vor sich hin sinnierend. Die Konsequenz wird bald eine verlorene Corona-Generation sein – und Ansteckungen unter den babysittenden Großeltern.

»Macht die Geschäfte dicht!«, fordern Politiker, deren Einkommen von Behörden und Konzernen überwiesen wird. Die Pleitewelle wird tödlich sein – und »tödlich« ist nicht nur eine Metapher für wirtschaftliche Bankrotte.

Heute sind die Politiker ja (fast) alle »links« und sie scheinen sich ihren Wahlspruch vom rassistischen Massenmörder Che Guevara abgeschaut zu haben: »Seid realistisch, fordert das Unmögliche!«

Neu-Sozialisten wie auch Totaler-Lockdown-Forderer verstehen, so fürchte ich, die Bedeutung ihrer eigenen Worte nicht – als wären sie nie davon ausgegangen, dass es auch wirklich umgesetzt wird. Man fühlt sich stark in der Ankündigung, doch was es wirklich in praktischer Konsequenz bedeutet, das wird schulterzuckend ignoriert.

In jeder Regierungsform – nicht nur in der Demokratie, aber in jener besonders – spielen die Ankündigung und die Forderung einer Maßnahme eine sehr andere Rolle als die Maßnahme selbst es spielen würde.

Manche Forderung basiert auf einer schlicht falschen oder offen gelogenen Prämisse (etwa auf jener, Frauen würden bei gleicher Qualifikation nur 71% des Männergehaltes verdienen), andere Forderungen bedenken nicht die Rahmenumstände und die absehbaren, unausweichlichen Konsequenzen (etwa die Forderung nach offenen Grenzen), und einige Forderungen sind derart dreist in ihrer Verachtung von Geschichte, Konsequenz und Menschlichkeit, dass ihr augenscheinlich mangelnder Ernst ihnen wie ein Argument-Schutzschild dient (etwa neue Forderungen nach Sozialismus).

Was so komplett unsinnig ist, dass man kaum widersprechen kann oder will, steht eben unwidersprochen da. Und das kann zum Problem werden, wenn das Hündchen sich losreißt und nicht begreift, dass die tatsächliche Umsetzung im Desaster enden wird (und bei Politikern wird es zum millionenfachen Problem, wenn es Millionen von Menschen betrifft).

Unser Problem ist, dass in den letzten Jahren manche irren Forderungen, die nie erfolgreich sein sollten, eben doch erfolgreich waren!

Ich frage mich, ob Sozialisten wie auch Lockdowner sich darin gefielen, besonders »tough« zu wirken (und sich vielleicht darin als »Deutschlands nächste Supermerkel« in Stellung bringen wollten), und im Moment des Aussprechens gar nicht auf dem Radar hatten, dass ihre Forderungen auch umgesetzt werden könnten. (Das würde die merkwürdigen Brüche in der Logik erklären, warum etwa ein Ladengeschäft mit Hygienekonzept schließen soll, aber U-Bahnen weiter als rollende Infektionsherde betrieben werden.)

Das Herrchen des bellenden Hündchens muss für das kläffende Tier mitdenken, und muss es festhalten, auch wenn dieses behauptet, losgelassen werden zu wollen.

Mit Politikern, die Irres und Gefährliches fordern, als ob sicher wäre, dass es nie eintreten kann, liegt die Sache etwas anders. Die Geschichte lehrt uns die Wahrheit jener alten Weisheit: Wen die Götter strafen wollen, dem erfüllen sie seine Wünsche.

Hütet euch vor den Politikern, die nicht verstehen, was sie fordern – es könnte ihnen gewährt werden. Die Politiker der Merkel-Ära verstehen nicht, was sie fordern, verstehen die realen Konsequenzen nicht (und das nicht erst seit heute), und wahrscheinlich ist es ihnen reichlich egal.

Uns als Bürgern bleibt wenig übrig, als unser Leben zu planen und immer zugleich zu berechnen, was die wahrscheinlichen Folgen derer Forderungen sind, und davon ausgehend wieder unsere eigenen Pläne anzupassen.

Denkt selbst, und denkt für die Politiker mit – die tun es ja nicht, und irgendwer muss es ja tun.

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