Zu Beginn dieses Kriegs, als US und Israel attackierten, schrieb ich darüber, wie erschreckend gleichgültig ich war. Der Essay heißt, deutsche Politik zitierend: »Sehr aufmerksam beobachteter Krieg«.
Es gelang mir nicht vollständig, den Gleichmut beizubehalten. Ich schrieb Texte wie »›Die erste Phase dieses Krieges hat Spaß gemacht.‹« und »Die große, schreckliche Wahrheit«.
Der Angriff auf den Iran ist wahrlich nicht das erste Großereignis, bei dem sogenannte Verschwörungstheorien erschreckend viel Sinn ergeben.
Die Mondlandung bleibt
Ich habe mal gescherzt, in den letzten Jahren hätten sich so viele Verschwörungstheorien bestätigt, dass uns bald nur noch die Mondlandung bleibt. Sicher, die Original-Technologie der größten Menschheitsleistung aller Zeiten wurde leider, leider vernichtet (newsweek.com, 2.9.2022), ebenso wie die Original-Aufnahmen (siehe Wikipedia). Zum Glück zeigen Aufnahmen des indischen Moon-Orbiters Chandrayaan 2 recht deutlich, dass der amerikanische Moon-Lander aus dem Jahr 1969 weiter dort herumsteht (foxnews.com, 2.1.2025).
Die übrigen »Verschwörungstheorien« haben sich aber fast alle bestätigt! Es braucht also neue Theorien, um etwas Ordnung im Wahnsinn zu finden.
Ich hätte dazu womöglich tatsächlich etwas anzubieten; es greift eine offene Frage von 2024 auf. – Lasst mich erklären!
Vom Euphrat bis zum Nil
Im »Großisrael, Trumps Betrug und der eine Berg« schreibe ich über die Theorie, dass einflussreiche Kräfte von »Großisrael« träumen, von einem Israel, das vom Euphrat bis zum Nil reicht.
Der Traum von »Großisrael« zählt zu jenen Wahrheiten, die nicht deshalb als »Verschwörungstheorien« abgetan werden, weil sie falsch wären, sondern weil jemand nicht will, dass über sie gesprochen wird. Es sind nicht nur tonangebende Rechtsradikale in Israel, die über »Großisrael« reden. Netanyahu selbst erklärte noch 2025, er fühle sich »very much« der »Vision« eines »Greater Israel« verbunden (israeltoday.co.il, 14.08.2025).
Als Markus Lanz aber kürzlich, innerhalb eines Podcasts, das Stichwort »Großisrael« im Kontext dieses Krieges erwähnt (@immanuelrant2, 08.03.2026), prasselten sogleich die Floskeln »Antisemitismus« und »Verschwörungstheorien« auf ihn ein – doch es kümmert niemanden mehr wirklich. Es ist nicht gut, wenn »antisemitisch« oder »verschwörungstheoretisch« auch bedeuten kann: »Handlungen und Haltungen israelischer Politiker, die zwar leicht belegt werden können, über die aber außerhalb Israels zu sprechen ebendiese Politiker unschön dastehen lässt.«
Ich fürchte, einige der hier relevanten tatsächlichen Aussagen israelischer Meinungsmacher sind noch deutlich skandalöser als »nur« ein Traum von »Großisrael«.
Warum erst 2026?
Am 12.7.2024 rief eine jüngere (und diese Welt betreffend hoffnungsvollere) Version meiner selbst: »Hurra, wir bekommen Raketen!« (mit Video)
Ich wunderte mich, warum man als Reaktion auf eine angebliche jetzt und unmittelbar bevorstehende Bedrohung diverse supergefährliche Hightech-Raketen nach Deutschland verlegte.
Ich fragte wörtlich: »Wenn dies eine Reaktion auf die angebliche aktuelle Bedrohungslage ist, warum findet die Stationierung erst 2026 statt?«
Der damalige Kanzler Scholz antwortete: »Diese Entscheidung ist lange vorbereitet und für alle, die sich mit Sicherheits- und Friedenspolitik beschäftigen, keine wirkliche Überraschung«.
Nun, das Jahr 2026 ist da. Und die aktuellen Ereignisse sind womöglich »keine wirkliche Überraschung«. Was passiert, »ist lange vorbereitet« und »keine wirkliche Überraschung«.
Raketen sind Mittel. Die Frage ist der Zweck — und der Zweck, den manche im Sinn haben, steht in keinem Rüstungshaushalt.
Den Messias herbeirufen
Religiöse Hardliner sowohl in den USA als auch in Israel glauben, dass durch bestimmte kriegerische Handlungen der Meschiach/Messias herbeigerufen werden kann und die Weltordnung sichtbar neu aufgestellt wird. (»Christliche Zionisten« unterschätzen, wie bedeutsam der Unterschied ist, ob es das erste oder das zweite Mal wäre. Aber gut, sie sind sich auch im Unklaren darüber, was »Israel« bedeutet.)
Ich würde nicht einmal ausschließen, dass bald behauptet wird, hier oder da sei tatsächlich der Messias aufgetaucht – und hätte diesen oder jenen Politiker mit Autorität ausgestattet.
Jeder Tag ist ein guter Tag, mal wieder die Bibel zur Hand zu nehmen. Heute könnten wir etwa das Matthäus-Evangelium aufschlagen, wo es heißt:
Wenn dann jemand zu euch sagt: ›Seht, hier ist Christus!‹ oder: ›Dort (ist er)!‹, so glaubt es nicht! Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und werden große Zeichen und Wunder verrichten, um womöglich auch die Auserwählten irrezuführen. Seht, ich habe es euch vorhergesagt. Wenn man also zu euch sagt: ›Seht, er ist in der Wüste!‹, so geht nicht hinaus; und (sagt man:) ›Seht, er ist in den Gemächern (dieses oder jenes Hauses)!‹, so glaubt es nicht! Denn wie der Blitz vom Osten ausgeht und bis zum Westen leuchtet, so wird es auch mit der Ankunft des Menschensohnes sein.
– Matthäus 24:23–27
Nein, ich glaube fürwahr nicht, dass es die Aufgabe von Militärs ist, die Ankunft des Meschiach/Messias zu erzwingen.
Doch zugleich bin ich mir recht sicher, dass dieser Krieg eben nicht »das Ende« bedeutet. Der Krieg wird – auf allen Seiten und von allen Parteien – geführt von Männern, die viel »theologischer« und »endzeitlicher« denken und entscheiden, als uns Normalbürgern bewusst ist. Die Eliten dieser Welt treffen sich auf abgelegenen Inseln und in schattigen Wäldern zu düsteren Ritualen. Es ist nicht abwegig, dass diese Gestalten sich auch für beauftragt halten, Gott zum Einleiten der Endzeit zu zwingen.
Wenn diese Leute sich also für göttlich halten, dann steht es uns frei, sie an ihren Taten zu prüfen – und festzustellen, dass die übernatürlichen Mächte, die ihre Hand lenken, womöglich im gegenüberliegenden Lager zu finden sind. (Siehe dazu auch Essay und Video »Wieviel Teufel steckt in der Politik?« aus dem Jahr 2023.)
Mein Mitgefühl und all meine Gebete sollen heute bei den Menschen sein, die einfach nur ihre Leben leben wollten – und die heute ihre Familienmitglieder beweinen und beerdigen müssen.
Für die Kriegsherren mögen sie bloßer »Kollateralschaden« sein. Für manche religiösen Fanatiker sind die Opfer der Gegenseite nicht einmal richtige Menschen mit derselben menschlichen Seele. Mögen ihre Seelen nun Frieden finden und ihre Familien nicht ihre eigenen Seelen an Hoffnungslosigkeit und Hass verlieren.
Nachtrag, mit Latein
Es ist Sonntag. Nachdem ich diesen Text veröffentlich habe, gehe ich in die Kirche.
Das Beste, was ich euch an die Hand geben kann (sofern diese Hand ein iPhone hält), um realistisch innere Ruhe und etwas inneren Frieden zu finden, ist meine Latin-Prayer-App.
(Von der Latin-Prayer-App existiert übrigens bereits eine Version auch mit deutschem Interface, mit Heiligen und mit Latein-Lernvokabeln. Schreibt eine Mail an dushan@latinprayer.org und ich lade euch gern zum Beta-Test ein.)
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Die Raketen stehen, der Messias kommt (aber nicht deshalb) von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/aber-nicht-deshalb/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
