Hurra, wir bekommen Raketen!
12.07.2024
Hurra, Deutschland bekommt Raketen! Unser Freund hinterm Atlantik wird Marschflugkörper mit dem tollen Namen »Tomahawk« nach Deutschland verlegen.
Ja, es sind schon spannende Sachen, die stattfinden, während die Leute so schön vom Fußball abgelenkt werden. (Übrigens: Für wen jubelt ihr beim anstehenden EM-Finale – und warum ist es Spanien?)
Wären du und ich brave Untertanen, also keine zweifelnden Zwergpinscher, die wir zwei biszweilen, pardon: bisweilen sind, dann würden wir brav »Danke!« sagen und gewiss auch: »Hurra!« brüllen.
Eine »sehr gute Entscheidung“
Kanzler Erinnerungslücke sagt zu dieser Entscheidung – und ich zitiere ihn hier, wie vom zwangsfinanzierten deutschen Staatsfunk zitiert wird, was er beim jüngsten NATO-Gipfel sagte –, die Entscheidung zur Verlegung der Marschflugkörper sei eine »sehr gute Entscheidung« (tagesschau.de, 11.7.2024). Ich bin da noch etwas unentschieden.
Dieser NATO-Gipfel war übrigens genau der NATO-Gipfel, bei dem der Ehemann und Relevanz-Garant von Jill Biden einen gewissen ukrainischen TV-Komödianten öffentlich als »President Putin« begrüßte (Quelle: Internet).
»Die NATO will ihre militärische Abschreckung in Europa stärken«, so berichtet die deutsche Propaganda (tagesschau.de, 10.7.2024), und zwar ab 2026. Vor allem über die Marschflugkörper »Tomahawk« wird gesprochen, aber auch über »Überschallwaffen«.
Ich habe mal nachgeschlagen (siehe Wikipedia): Diese »Hypersonic Weapons« können übrigens 5- bis 25-mal so schnell fliegen wie der Schall, also bis zu 8 Kilometer pro Sekunde. Ja, pro Sekunde!
Gegen Bidenisierung
Wir machen uns ja derzeit Sorgen um das Erinnerungsvermögen und sonstige kognitive Fähigkeiten alternder Politiker. Fürs Jungbleiben hilft das gelegentliche Kopfrechnen. Lasst uns also eine nicht nur für Staatenlenker relevante Kopfrechenübung probieren: Von Ramstein nach Moskau sind es etwa 2.100 Kilometer. Wie lange braucht eine »Hypersonic Weapon«, wenn sie 8 Kilometer in einer Sekunde zurücklegt? Hier die Rechnung: 2.100 Kilometer geteilt durch 8 Kilometer pro Sekunde ergibt 262,5 Sekunden, also etwa 4 Minuten und 23 Sekunden. (Jaja, ich weiß, 8 km/s ist die maximale Fluggeschwindigkeit, realiter ist es weniger. Bei einem Flugschneckentempo von 1,6 km/s wären es etwas unter 22 Minuten von Rammstein nach Moskau.)
Doch ich kann euch beruhigen: Diese Berechnungen sind rein hypothetisch, nur eine Gehirnübung gegen vorzeitige Bidenisierung. Der Einsatzbereich der meisten aktuellen Hypersonic Weapons liegt eher bei einer Reichweite von 1.500 bis 2.000 Kilometer maximal, also in der Praxis wohl eher weniger.
Konntet ihr aber die Zahlen im Kopf verfolgen? Oder wisst ihr zumindest, wo ihr euch genau jetzt befindet und wer ihr seid? Super, dann seid ihr auf jeden Fall geistig fitter als der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, der Herr mit dem Atomkoffer und so.
Verlockendes Leichtmetall
Der deutsche Staatsfunk berichtet zur Erklärung, die Stationierung sei notwendig wegen der »Bedrohung aus Russland«.
Aha, für den deutschen Untertan klingt das plausibel. Die Russen sind in die Ukraine einmarschiert, ob nun wegen der russischen Bevölkerung, wegen der Gasfelder oder wegen der Lithium-Vorkommen. (Lithium ist notwendig für die »Energiewende«. In der Ukraine finden sich laut einer Expertenschätzung etwa 500.000 Tonnen Lithium, eines nicht-erneuerbaren Leichtmetalls, das die erneuerbare Energie möglich macht. »Energiewandel um jeden Preis« bedeutet, dass der Preis Kinder- und Sklavenarbeit in afrikanischen Minen, aber eben auch Krieg in Europa sein kann.)
Ich weiß nicht, warum genau Russland in Deutschland einmarschieren wollen sollte. Deutschland hat keine mir bekannten größeren Vorkommen zukunftsrelevanter Rohstoffe. Und Deutschland kümmert sich vorbildlich um seinen russischen Bevölkerungsanteil, wie eigentlich um jede ethnische Gruppe in Deutschland (außer um die Deutschen, klar).
Verteidigung durch Angriff?
Was hat es also mit diesen »Tomahawk«-Marschflugkörpern eigentlich auf sich? Wir informieren uns bei Wikipedia und lesen dort: »Die Tomahawks gehören inzwischen zu den US-amerikanischen und britischen Erstschlagswaffen in jedem kriegerischen Konflikt und übernehmen zunehmend die Aufgaben bemannter Bomber. Ohne das Risiko, Piloten oder Flugzeuge zu gefährden, können sie tief in gegnerisches Territorium eindringen.«
Die Flughöhe liegt bei 30 bis 50 Meter. Die Geschwindigkeit liegt bei bescheidenen 913 km/h. Die maximale Reichweite liegt, je nach Modell, bei 460 bis 2.500 Kilometer.
Moment, nennt mich penibel, vielleicht sogar zwanghaft, doch etwas verstehe ich da nicht, so von der Logik her.
Zur Abwehr der russischen Bedrohung im Zentraleuropa des Jahres 2024 werden »Erstschlagswaffen« stationiert, die anstelle bemannter Bomber »tief in gegnerisches Territorium eindringen« können, theoretisch bis 2.500 Kilometer tief. – Aha.
Lange vorbereitet, aktuell, in 2 Jahren …?
Wenn dies eine Reaktion auf die angebliche aktuelle Bedrohungslage ist, warum findet die Stationierung erst 2026 statt?
Scholz wird zitiert: »Diese Entscheidung ist lange vorbereitet und für alle, die sich mit Sicherheits- und Friedenspolitik beschäftigen, keine wirkliche Überraschung«.
Was nun? Reaktion auf die aktuelle Sicherheitslage oder »lange vorbereitet«? Entweder oder, Herr Erinnerungslücke!
Diese Stationierung »passe auch genau in die Sicherheitsstrategie der Bundesregierung«.
Sicherheitsstrategie? Sicherheit wessen oder wovon? Wie wichtig die Sicherheit der Deutschen für die Bundesregierung ist, könnt ihr diagnostizieren, wenn ihr »Messer« in der Google-Nachrichtensuche eingebt.
Sicherheit der Energiewende vielleicht? Ach, ich weiß es nicht. Ja, gut, diese Regierung ist bereit, die Wirtschaft und den Wohlstand eines Landes dranzugeben, für ihre längst ins Wahnhafte abgeglittene Illusion der Energiewende. Aber einen Krieg vorbereiten? Deutschland »kriegstüchtig« machen für die Energiewende und die dafür notwendigen Rohstoffe?
Nur ein Scherz
Unvorstellbar! In der deutschen Regierung sind doch nur anständige, vernünftige Leute mit intaktem Gewissen.
Die USA haben ja auch noch nie einen Krieg in der Ferne angezettelt, nur um an Rohstoffe heranzukommen.
Und überhaupt passt in Europa die EU darauf auf, dass alles korrekt und transparent verläuft. Schmutzige Deals, die das Leben von Millionen Europäern gefährden, würde man nicht heimlich einfädeln – und falls doch, dann würde man zumindest anschließend den entsprechenden Nachrichtenverkehr offenlegen.
Es ist ja nicht so, dass man in der EU eine Unverschämtheit in den Raum stellt, und wenn keiner sich beschwert, die nächste, und so weiter, bis es kein Zurück mehr gibt.
An das alles glaube ich fest. Und außerdem tut es meiner Mutter sehr leid, dass sie mich als Säugling vom Wickeltisch fallen ließ – wiederholt. (Das war ein Scherz, das meine ich nicht so … sorry, Mama!)
Die Tschechen sagen: Trochu života do toho umírání! – Etwas Leben in dieses Sterben!
Ich sage: Hey, hurra, wir bekommen Raketen! Tanzt, lacht, spielt auf die Musik! Ein neuer Tag für Europa – vielleicht ist bald ganz großer Krieg, und wir wollen uns dafür auf keinen Fall verspäten!
Frieden macht doof, Krieg inspiriert – ob Bomben, Panzer oder vielleicht wieder giftiges Gas. Wir bekommen Raketen, bald ist es soweit. Freut euch am Leben – noch habt ihr Zeit.
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Hurra, wir bekommen Raketen! von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/hurra-raketen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!